Donnerstag, 15.11.2018

Was taugen Handytarife zum Spottpreis?

Mobilfunkverträge: Viele Anbieter buhlen mit extrem günstigen flexiblen Angeboten um die Gunst der Smartphonenutzer - Wo ist der Haken?

Group of people using smartphones while watching videos outdoor - Friends having fun with technology trends - Youth, tech and friendship concept - Focus on first man hand mobile phone (© DisobeyArt (iStock))
Mobilfunkverträge Montag, 16.04.2018 - 20:10 Uhr

Ver­steck­te Ge­büh­ren? Sch­lech­te­res Netz? Mie­ser Ser­vice? Das sind Fra­gen, die man sich stellt, wenn man An­ge­bo­te für be­son­ders güns­ti­ge Mo­bil­funk­ver­trä­ge sieht. Vie­le da­von ver­fü­gen meist so­gar über ähn­lich viel Da­ten­vo­lu­men und Te­le­fon­ein­hei­ten wie die viel teu­re­ren Ver­trä­ge der Netz­be­t­rei­ber. Doch wie kann das sein? Die Ant­wor­ten auf Fra­gen rund um die Bil­lig­ta­ri­fe.


Warum können manche Tarife so günstig sein?
In Deutschland gibt es drei Netzbetreiber: Telekom, Vodafone und Telefónica (O2-Netz). Die Anbieter von Günstig-Tarifen betreiben kein eigenes Netz, sondern kaufen bei einem der drei Unternehmen Kapazitäten zu günstigen Konditionen ein, um eigene Tarifpakete zu schnüren. Das Netz bleibt dasselbe, Einschränkungen gibt es trotzdem. Wer ein solches Paket bucht, muss deshalb gegebenenfalls Abstriche machen, erklärt Thomas Michel vom Telekommunikationsportal »Teltarif.de«: »Einige Services der Netzbetreiber stehen den Kunden der kleinen Anbieter nicht zur Verfügung.«

Sind die Netze für Kunden der Billiganbieter schlechter?
Pauschal schlechter sind die Netze für sie nicht - denn die Netzabdeckung bleibt schließlich die gleiche. Allerdings gibt es Unterschiede im Zugang zu den LTE-Netzen: Während in den O2-Netzen der Telefónica alle gleichberechtigt sind, haben Kunden von Billiganbietern in den Netzen von Telekom und Vodafone je nach Anbieter und Tarif keinen Zugang zum LTE-Netz und können unter Umständen nur das bei der Datenübertragung etwas langsamere UMTS-Netz nutzen.
Allerdings muss »nur« UMTS nicht zwingend schlecht sein. Denn im Ausbau der Netze kann es zwischen UMTS und LTE, zwischen Stadt und Land und natürlich zwischen den Netzbetreibern große Unterschiede geben. Oliver Griess von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät deshalb: »Bevor man einen Mobilfunkvertrag abschließt, sollte man schauen, welches Netz der Anbieter nutzt und wie die Netzabdeckung ist.« Das geht zum Beispiel online auf den Seiten der Netzbetreiber oder auf Vergleichsportalen.
Ist der Kundendienst vielleicht schlechter?
Hier unterscheiden sich Billiganbieter vor allem in einem Punkt von Netzbetreibern: Sie haben keine Ladengeschäfte, sondern vertreiben ihre Tarife in aller Regel nur online - was mit ein Grund für die niedrigen Preise ist. Grundsätzlich ist der Service aber stark anbieterabhängig. »Natürlich haben die Netzbetreiber einen Premium-Anspruch«, meint Daniel Pöhler vom Verbraucher-portal »Finanztip.de«. Dazu gehöre auch ein guter Service. Trotzdem gebe es auch prominente Beispiele für schlechten Kundendienst bei den Netzbetreibern. Deshalb sei für schlechten Service nicht zwangsläufig ein günstiger Preis ursächlich.

Gibt es versteckte Kosten?
»So leidlich es ist: Bevor man einen Mobilfunkvertrag abschließt, sollte man das Kleingedruckte lesen«, sagt Oliver Griess. Denn für Anrufe aus Deutschland ins Ausland könnten unter Umständen hohe Gebühren anfallen - grundsätzlich bei allen Tarifmodellen. Eine Spezialität der Billigtarife ist dagegen die sogenannte Datenautomatik bei Datenflatrates. Bei aufgebrauchtem Highspeed-Volumen wird nicht einfach die Surfgeschwindigkeit reduziert, sondern automatisch neues Highspeed-Volumen hinzugebucht. Das sind aber meist nur geringe Datenmengen für relativ viel Geld.
Daniel Pöhler rät deshalb von Verträgen mit nicht abschaltbarer Datenautomatik ab. »Das Nutzungsverhalten von Smartphone-Usern ändert sich heutzutage rasant«, erklärt er. Deshalb könnten viele Nutzer nur schwer abschätzen, ob das monatliche Datenvolumen ihres Vertrags über die ganze Vertragslaufzeit ausreiche.

Was ist bei der Kündigungsfrist zu beachten?
Die maximale Mindestlaufzeit, die vertraglich festgelegt werden darf, beträgt für Mobilfunkverträge 24 Monate. Die Kündigungsfrist darf höchstens 3 Monate betragen. Aber es gibt auch viele Tarife mit kürzeren Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen. Im Nachteil sind Kunden damit nicht, meint Pöhler: »Im Gegenteil: Bei kurzen Kündigungsfristen kann man schnell wechseln, wenn der Tarif einem nicht mehr passt.« Dass umgekehrt dem Kunden vom Anbieter gekündigt wird, komme so gut wie gar nicht vor.
PAULINE SICKMANN
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