Samstag, 21.09.2019

So war’s bei Herbert Grönemeyer in der ausverkauften Frankfurter Commerzbank-Arena

Deutsch-Rock: "Sekundenglück" wird zum Stundenglück

Frankfurt
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Herbert Grönemeyer auf Open-Air-Tournee (Archivfoto).
Foto: Carsten Rehder
Für Her­bert Grö­ne­mey­er Fans wur­de am Mon­ta­g­a­bend in der aus­ver­kauf­ten Com­merz­ban­ka­re­na "Se­kun­den­glück" zum Stun­den­glück. Und auch der Sän­ger selbst wirk­te ziem­lich glück­lich über sei­nen Auf­tritt in Frank­furt.

Es ist bewundernswert: 63 Jahre ist der Bochumer inzwischen alt und über 35 Jahre im Musikbusiness, aber auf der Bühne gibt er immer noch alles. Energiegeladen rennt er von einer Ecke der Bühne in die andere und jauchzt verzückt ins Mikrofon. Während wesentlich jüngere Kollegen aus der Popszene steril und abgeklärt ihre Shows abfahren, lässt sich Grönemeyer ganz auf sein Publikum ein, ist offenherzig und ehrlich begeistert.

Es ist kaum auszumachen, wer sich mehr freut: Die Fans über den Sänger oder der Sänger über seine Fans. Die aktuelle Single »Sekundenglück« ist Auftakt zu einem über zweistündigen Konzert. Das Publikum ist schon lange vorher am Jubeln. Dann wird gemeinsam gesungen, getanzt und in den Armen gelegen. »Und immer« heißt einer der Songs auf dem neuen Album »Tumult«. Auf den LED-Wänden wird der Chorus eingeblendet und ersteinmal gemeinsam geübt. Rudelsingen mit Herbert. Bei den Klassikern braucht es das nicht mehr. »Männer«, »Was soll das?«, »Bochum«. »Du bist keine Weltstadt, so wie Frankfurt« singt er und das Stadion tost. Dass nicht alle Songs auf »Tumult« ebenso gut ankommen, scheint dem Sänger bewusst zu sein. »Ich finde es wunderbar. Relativ wenige sehen das genauso«, sagt er über seinen Song »Meine Lebensstrahlen«. »Ich bin aber stoisch und spiele es solange, bis es ein Hit wird.«

Die ruhigen Songs sind die Stärke von Grönemeyer

Es bleibt abzuwarten, ob sich der langsame Elektrorhythmus noch in die Gehörgänge einschleifen wird. Dabei sind gerade die ruhigen Songs die Stärke von Grönemeyer. Auch an diesem Konzertabend sind Titel wie »Ein Stück vom Himmel«, »Mensch« oder »Morgen« die großen Momente. Nur hier kommt seine Stimme im Stadion so richtig zur Geltung. Ansonsten mischen sich die Band und das typische Grönemeyersche Gebell eher zu einem hallenden Musikbrei. Das bleibt aber auch der einzige Makel und teilweise übertönt der Fan-Chor sowieso fast die Band. »Ihr seid luftig, lässig, liebevoll«, brüllt Grönemeyer in die Menge und ist schon fast am Rande zur Heiserkeit. Jubel gibt es nicht nur für beste Unterhaltung, sondern auch für ein klares politisches Statement: »Wir wollen keinen Nationalismus, keinen Rassismus, keine Ausgrenzung.« Aus tausend Mündern schallt es »Keinen Millimeter nach Rechts«.

Nach eineinhalb Stunden verabschiedet sich Grönemeyer zum ersten Mal von seinem Publikum. Was dann noch folgt ist ein Zugabenblock von fast einer Stunde. So wirklich nach Hause will da noch keiner. »Es sind die einzigartigen Tausendstel-Momente / Das ist, was man Sekundenglück nennt«, hieß es im ersten Song. Von diesen einzigartigen Momenten gab es an diesem Abend im Waldstadion so einige.

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