Sonntag, 19.05.2019

So schön wie damals wird's nie wieder

Die britische Indie-Folkband Mumford and Sons geht in der Frankfurter Festhalle neue Wege

Frankfurt
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Marcus Mumford, Sänger und Gitarrist der britischen Folk-Rock-Band Mumford & Sons. (Archivfoto)
Foto: Jens Kalaene
Die britische Folk-Rock-Band Mumford & Sons. (Archivfoto)
Foto: Jose Sena Goulao

Mum­ford & Sons: Das ist die Band, die um 2010 den Folk fast im Al­lein­gang cool ge­macht hat. Die vier Mu­si­ker aus En­g­land wa­ren das mu­si­ka­li­sche Aus­hän­ge­schild ei­ner In­die- und Hips­ter-Be­we­gung: Bär­te und Ho­sen­trä­ger, Ban­jo, La­ger­feu­er und hei­le Welt; sie stan­den - und tun das wohl für vie­le im­mer noch - für ei­ne va­ge Sehn­sucht nach Ur­sprüng­lich­keit. Und sie bau­ten das al­les auf ein Fun­da­ment aus wun­der­sc­hö­nen Songs mit tief­sin­ni­gen Tex­ten: "Litt­le Li­on Man", "I will wait", "Lo­ver of the Light".

Die gute Nachricht: Mumford & Sons haben diese Stücke gespielt, am Montag bei ihrem ausverkauften Auftritt in der Frankfurter Festhalle. Das Publikum war selig, alles war wie früher, es wurde geschwelgt, es wurde getanzt, es wurde mitgesungen. Aber 2010 ist lange her.

Endlich in Frankfurt

Mumford & Sons in Frankfurt, das ist neu: Auf ihren Deutschland-Tourneen 2013 und 2016 hat die Band einen weiten Bogen um das Rhein-Main-Gebiet gemacht. Schade eigentlich, denn der Hype um die Briten ist seit einigen Jahren merklich abgeflacht, was untrennbar mit der musikalischen Entwicklung der Kombo zusammenhängt. Die Erwartungen des Frankfurter Publikums sind dennoch aufgeladen mit der Hoffnung auf und der Erinnerung an das, was Mumford & Sons einmal waren: Ein Garant für komplexe Melodiegefüge, als "musikalische Offenbarung" wurde die Band gerne mal bezeichnet, völlig zu recht.

Doch die Band steht an einem Scheideweg. Zwei Alben ("Sigh no More" 2009, "Babel" 2012) haben Frontmann Marcus Mumford, Winston Marshall (Banjo), Ben Lovett (Keyboard) und Ted Twane (Bass) mit Mumford-typischem Indie-Folk gefüllt und damit treu ergebene Fans und Kultstatus gewonnen. Danach folgten zwei Platten, auf denen die Briten eher wie eine gewöhnliche Rockband klingen, die keine herausragenden Ideen mehr hat und das am Mischpult wett machen will. ("Wilder Mind" 2015, "Delta" 2018).

Hintergrund: Mumford & Sons

Die britische Band Mumford & Sons gründete sich 2007 in London, trat bereits 2008 beim renommierten Glastonbury-Festival auf und feierte 2009 den Durchbruch mit ihrem Album "Sigh no more": Dieses war 71 Wochen in den deutschen und 222 Wochen in den US-Charts platziert. Das nachfolgende Album "Babel" wurde 2013 unter anderem für sechs Grammys nominiert und als "Album des Jahres" ausgezeichnet. Diese beiden Alben waren stilistisch im Bluegrass und Folk verortet, akustische Gitarre, Banjo, Klavier und Kontrabass dominierten den Sound. 2015 änderte die Band ihren Stil mit dem Album "Wilder Mind" und setzte verstärkt auf elektronische Klänge und härtere Drums, Banjo war gar nicht mehr zu hören. Das aktuelle Album "Delta" erschien im November 2018 und hielt sich nur elf Wochen in den deutschen Charts. (mm)

Wie könnte es anders sein: Die neuen Songs stehen im Mittelpunkt der aktuellen Delta-Tour, die die Band bis Ende Mai durch Europa, Amerika und Australien geführt haben wird. "Guiding Light", die erste Single-Auskopplung von "Delta", eröffnet den Abend. Dann schlagen drei alte Songs die Brücke zu den Anfängen. Doch von den ersten beiden Alben wird die Band an diesem Abend nur sechs Songs spielen, insgesamt stehen 20 Stücke auf der Setlist. Das ist legitim und jede Band muss die Freiheit haben, sich zu entwickeln. Aber für das Frankfurter Publikum, das fast zehn Jahre auf Mumford & Sons gewartet hat, ist es eben auch ein wenig schade.

Die Bühne steht in der Mitte der Halle

Was sich nicht geändert hat, ist der Anspruch dieser Band, echt und nahbar zu sein. Die Bühne steht in der Mitte der Halle, das Licht hebt und senkt sich darüber, vier Leinwände sollen dafür sorgen, dass alle gut sehen. Das ist noch keine Lagerfeuer-Romantik, lässt die Festhalle aber doch recht heimelig wirken und stellt eine Nähe zwischen Publikum und den bis zu neun Musikern - Bläser, Streicher sind dabei - auf der Bühne her. Einmal steigt Sänger Marcus Mumford auch herunter und dann wieder hinauf auf die Tribüne im Innenraum. Für die Zugabe gruppieren sich die vier Bandmitglieder um ein einziges Mikro, bitten um absolute Ruhe und spielen ein kleines A-Capella-Set. Die Essenz von Mumford & Sons schafft es nach wie vor, die Menschen zu berühren.

Mumford & Sons haben sich die Latte eigenhändig hoch gelegt - und sie sind immer noch die Band zum Niederknien, deren Musik einmal den Sound einer halben Generation definierte. Sie haben am Montag in Frankfurt eine gut durchdachte, solide Show gespielt. Ein rundes Konzert mit berührenden Momenten abgeliefert. Und doch auch sich selbst entzaubert.

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