Mittwoch, 19.06.2019

Hardrock-Band Kiss auf letzter Europa-Tournee

Musik: Die maskierten Rocker begeistern Fans

LEIPZIG
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Seit Jahr­zehn­ten ist es ein Ri­tual. Erst brum­men die Ver­stär­ker. »You wan­ted the best, you got the best«, brüllt es aus den Bat­te­ri­en von Laut­sp­re­chern, »the hot­test band in the world: Kiss!« Ein oh­ren­be­täu­ben­der Knall, der schwar­ze Vor­hang mit dem sil­ber­nen Band­lo­go fällt, und das Rock'n'Roll-Spek­ta­kel be­ginnt.

In Leipzig starteten Kiss den europäischen Teil ihrer ausgedehnten »End Of The Road«-Tour. Es soll ihre letzte Tournee sein.

Auf Plattformen gleiten Kiss auf die Bühne hinab, während sie »Detroit Rock City« vom Albumklassiker »Destroyer« (1976) spielen und im Hintergrund der Bühne das Feuerwerk in Strömen regnet. Auf ihrer Abschiedstour geben Paul Stanley, Gene Simmons, Tommy Thayer und Eric Singer in der Arena Leipzig noch mal einige ihre größten Hits zum Besten: »Shout It Loud«, »Calling Dr. Love« oder »Cold Gin« sind unter Rockfans seit Jahrzehnten Kult.

»End Of The Road«

»End Of The Road ... aber ist es das?«, lautet der erste Satz im Programmheft zur Tour. Schon einmal kündigten Kiss ihren Abschied an und gingen in den Jahren 2000-2001 auf »Farewell Tour«. Doch Stanley und Simmons machten kurz darauf einen Rückzieher, tauschten die Originalmitglieder Ace Frehley und Peter Criss wegen Differenzen durch die jüngeren Thayer und Singer aus und tourten einfach weiter.

Jetzt soll wirklich Schluss sein. »Wir können das nicht ewig machen«, betonte Bassist und Sänger Simmons vor dem Konzert im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Simmons ist 69, sein langjähriger Bandpartner und Kiss-Mitgründer Stanley ist 67. »Wir sind jetzt auf der Spitze des Olymps und genießen die Aussicht«, sagt Simmons. »Wenn du die Spitze erreicht hast, ist der richtige Zeitpunkt aufzuhören.«

Damals war alles wilder

Während der rund zweistündigen Abschiedsshow erinnert die Band an alte Zeiten. Auf dem riesigen Bildschirm auf der Bühne sind frühe Aufnahmen von Kiss aus den 70er-Jahren zu sehen. Damals war alles wilder: die Haare, die Posen, das Benehmen. Heute lassen es Kiss etwas langsamer und gemütlicher angehen - verständlich, wenn man wie Frontmann Stanley eine neue Hüfte hat.

Stimmlich muss sich der Sänger bei den höheren Tönen mehr anstrengen als früher - aber er liefert. Und er lässt es sich nicht nehmen, an einem Drahtseil über das Publikum zu fliegen. Von einem Podest in der Mitte der Halle singt er erst »Love Gun« und dann den wohl größten Kiss-Hit in Deutschland: »I Was Made For Loving You«.

Die spektakulären Bühnenshows sind neben dem Make-up das Markenzeichen von Kiss. Kaum ein Song, bei dem nicht irgendwas explodiert oder brennt. »Wenn du eine neue Band siehst, Sir Paul McCartney oder Wrestling, und dann siehst du Feuerbälle und Explosionen, was glaubst du, woher das kommt, Peter Maffay?«, scherzt Deutschland-Kenner Simmons, der während der Show mehrfach deutsch spricht. Am Ende des stampfenden »War Machine« speit er Feuer.

Später wird er beim düsteren »God Of Thunder« Kunstblut spucken. In den 70er-Jahren schockten Kiss mit solchen Ideen die Eltern und Moralwächter. Religiöse Gruppen protestierten gegen die Band aus New York. Heute ist Kiss Familienunterhaltung.

bNach Konzerten in München, Essen, Berlin, Hannover, Iffezheim (am 6. Juli) und anderen europäischen Städten setzen Kiss ihre Tournee in Nordamerika und Australien fort.

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