Dienstag, 23.07.2019

Glocken, Teppiche und Wasserflasche

Ausstellung: »The Wolf and the Head on Fire« von Dawn Kasper im Frankfurter Portikus

FRANKFURT
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Dawn Kaspers »The Wolf and the Head on Fire« im Portikus.
Foto: Bettina Kneller
Viel Technik, Geräte und Kabel sind Teil der Installation.
Foto: Bettina Kneller
Romantische Ausblicke an Stellwänden.
Foto: Bettina Kneller
Glocken hängen in »The Wolf and the Head on Fire« von der Decke. Fotos: Bettina Kneller
Foto: Bettina Kneller

Ei­nen Wolf sucht man ver­ge­bens, ei­ne Geiß eben­falls. Und doch spie­len sie in Dawn Kas­pers In­stal­la­ti­on »The Wolf and The Head on Fi­re« im Frank­fur­ter Por­ti­kus die Hauptrol­le. Denn die ame­ri­ka­ni­sche Künst­le­rin be­zieht sich in ih­rer In­stal­la­ti­on auf Ae­s­ops Fa­bel »Der Wolf und das Geiß­lein«.

Das Ausstellungshaus ist immer gut für Überraschungen und innovative Einsichten in die Kunst. Und so macht auch die 217. Schau keine Ausnahme.

Mitten im Studio

Wer den Raum betritt, der sieht jede Menge Glocken an langen Schnüren von der Decke hängen. Alle in Griffhöhe der in der Mitte des Raumes sitzenden Künstlerin. Eine Harfe steht ebenfalls zentral im Zimmer. An Holzwänden sind verschiedene Fotografien von Landschaften befestigt. Eine E-Gitarre liegt auf einem Tisch, daneben gruppieren sich viele technische Musikgeräte wie Verstärker oder Keyboards. Auf dem Boden und auf dem Tisch liegen Glühbirnen als Lichtquellen. Teppiche sind ausgelegt, an den Wänden entlang stehen Sofas und Sessel, die die Besucher einladen zum Verweilen und zum Zuhören. Denn die Künstlerin bedient alle diese Gegenstände, spielt eine Komposition, die jedes Mal ein bisschen anders klingt - während der Besucher mitten in diesem Studio steht und der Künstlerin zuhört und zusieht, wie sie arbeitet.

Teuer und aufwendig

Die technische Ausstattung der Installation ist teuer und aufwendig. Aber für Kasper selbst steht nur bescheiden eine Wasserflasche bereit zum Durststillen. Es ist der Hinweis darauf, wie frugal so ein Künstlerleben sein kann. Auch die 1977 geborene Performancekünstlerin erlebt das und macht das zum Inhalt ihrer Aufführungen. Dawn sieht aber in diesem Verzicht auch ein mythologisches Element ihrer Arbeit.

Große Vorbilder

Ein bisschen erinnert das alles an große Vorbilder wie beispielsweise Joseph Beuys. Der installierte 1974 in einer New Yorker Galerie die Performance »I like America and America likes me«, bei dem er ganz isoliert vier Tage mit einem Kojoten zusammenlebte. Der anfangs scheue Hund, der von den Indianern als heilig verehrt, von den Weißen aber oft nur verachtet wird, wurde immer zutraulicher.

»The Wolf an the Head on Fire« ist Dawn Kaspers erste Einzelausstellung in Deutschland. Seit mehr als einem Jahrzehnt untersucht sie die Grenzen von Kunst und Leben, des Öffentlichen und des Privaten sowie zwischen Atelier und Ausstellungsraum.

Was man auch an dem in der Ecke stehenden Monitor, auf dem beständig Webseiten wie von Zauberhand auf und wieder zu geklickt werden, sehen kann. Bilder, Texte, Hinweise aus der Vergangenheit und der Gegenwart tauchen auf dem Display auf. Es soll den Weg Caspers darstellen, wie sie für ihre Performances Informationen im Netz sucht. Die sichtbare künstlerische Produktion wird so als Werk mit einbezogen.

Am Ende sorgen alle diese Elemente für eine verzauberte Stimmung, die einen über das Leben und seinen Sinn nachdenken lässt. Und das obwohl man kein einziges Mal einen Wolf oder ein Zicklein zu Gesicht bekommt.

Informationen zur Schau

»Dawn Kasper: The Wolf and the Head on Fire«: Bis 30. Juni im Portikus Frankfurt, Alte Brücke 2 / Maininsel; geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, Mittwoch 11 bis 20 Uhr; Performances am 14. Juni, 19 Uhr mit Marc LeBlanc; 21. Juni, 19 Uhr mit Mariechen Danz; 28. Juni, 19 Uhr mit Andrew Lampert. ()

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