Mittwoch, 24.07.2019

Fischsoße für die frühen Christen

Geschichte: Papyrus zeigt Alltagsleben in der Antike

BASEL
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Die ers­ten Chris­ten wa­ren nicht al­le so welt­ab­ge­wandt wie häu­fig ge­dacht. Sa­bi­ne Hu­eb­ner, Pro­fes­so­rin für Al­te Ge­schich­te an der Uni­ver­si­tät Ba­sel, hat ei­nen Pa­py­rus aus dem frühen drit­ten Jahr­hun­dert jetzt ein­deu­tig als äl­tes­ten be­kann­ten christ­li­chen Pri­vat­brief iden­ti­fi­ziert. Er stammt aus Ägyp­ten. Die For­sche­rin kommt zu dem Schluss:

»Die ersten Christen nahmen durchaus am politischen Leben teil, sie reisten und sie besaßen Ländereien.«

Auch kulinarischen Freuden waren sie offenbar nicht abgeneigt: In dem Brief bittet der Absender namens Arrianus seinen reisenden Bruder, »die beste Fischsoße«, die er finden kann, mitzubringen. »Fischsoße war das Maggi der damaligen Zeit«, sagt die Professorin. Die Deutsche hat am Mittwoch ein Buch über Einblicke in den Alltag der ersten Christen veröffentlicht, die sie aus der Basler Papyrus-Sammlung mit rund 65 Schriftstücken gewann. »Diese Brüder verbanden ihren christlichen Glauben offensichtlich mühelos mit dem Alltag als Mitglied der lokalen Oberschicht«, meinte Huebner.

Aus der Feder von Bischöfen

Die Geschichte der ersten Christen müsse teils umgeschrieben werden. Bislang sei vor allem die Christenverfolgung bekannt, sagte Huebner: Christen hätten den Kaiserkult verweigert und seien wegen Verschwörung gegen den Staat angeklagt worden. Die bekannten Quellen zum frühen Christentum stammten vor allem aus der Feder von Bischöfen. »Danach stellt man sich vor, dass sich die ersten Christen nur dem Gebet widmeten, allen Reichtum aufgaben, sich für den Märtyrertod bereithielten und reihenweise vor die Löwen sprangen.«

Der Brief gehört zu einem Archiv mit etwa 1000 Papyri, das vor mehr als 100 Jahren in Fayum in Ägypten gefunden wurde. Daraus seien erst rund 400 Papyri editiert: »Wir wissen nicht, was in den anderen 600 steht«.

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