Dienstag, 16.07.2019

Der Chiemsee-Maler

Ausstellung: Werkschau zum Landschaftsmaler Joseph Wopfner im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt

SCHWEINFURT
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Ein her­vor­ra­gen­der Na­tur­ma­ler wird nur, wer Stun­den drau­ßen in der Na­tur ver­bringt, sie be­o­b­ach­tet, sie stu­diert und sei­ne Ein­drü­cke ver­ar­bei­tet. Und das im­mer wie­der aufs Neue. Un­er­müd­lich. Fort­wäh­rend.

Einer, der genau das getan hat und damit erfolgreich wurde, ist der 1843 in Tirol geborene Josef Wopfner, der in den 1860er Jahren nach München kam. Denn eigentlich war er Stubenmaler und Lithograph, aber er schaffte es 1864 als Schüler an die Münchner Akademie. Dort studierte er in der Meisterklasse des renommierten Historienmalers Carl Theodor von Piloty. Nachdem er sein Studium 1872 erfolgreich abgeschlossen hatte, reiste er noch im Sommer des gleichen Jahres das erste Mal für einen längeren Zeitraum an den Chiemsee, wo er sich auf der Fraueninsel niederließ. Es sollte der Anfang seiner Karriere als Landschaftsmaler sein.

Die Ausstellung »Joseph Wopfner - Landschaftsmalerei zwischen Naturidylle und Dramatik« im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt widmet sich Wopfners Landschaftsmalerei. Das Haus besitzt selbst mehrere seiner Werke: Zwölf Gemälde, 116 Skizzenbücher und 81 Arbeiten auf Papier beherbergt das Museum Georg Schäfer. Ergänzt durch Leihgaben aus Privatbesitz kann das Haus in der Schau 70 Exponate präsentieren. Neben seinen Skizzenbüchern und Zeichnungen, die einen Einblick in die Arbeitsweise des Künstlers geben, werden 25 Gemälde zu sehen sein.

Friedlich, ruhig, harmonisch

Schon früh zeigt sich bei Wopfner eine Spannung zwischen der Schilderung ländlicher Naturidylle einerseits und seinen sich deutlich davon abgrenzenden dramatischen Kompositionen. »Am Chiemsee« von 1916 zeigt eine friedliche, ruhige und harmonische Szene am Wasser. Es ist noch früh am Morgen, als die drei Männer und eine Frau auf dem Kahn unterwegs sind. Während zwei von ihnen das Boot steuern, holen die beiden anderen die Fischernetze ein. Rosiges Morgenlicht fällt auf die Menschen in dem Kahn und taucht sie, das Boot im Wasser und die umliegende Landschaft in sanfte Schönheit.

Es sind Bilder wie jene Leihgabe aus Privatbesitz, die Wopfner den Ruf als Chiemsee-Maler eingebracht haben. Aber nicht immer ist das Treiben der geschäftigen Fischer, Handwerker und Bauern so idyllisch geprägt. Oft kommt es zu einer dramatischen Szenerie wie in »Heuboot im Sturm« von 1887. Da kämpft eine Bäuerin sich zusammen mit ihrem kleinen Sohn und der Tochter durch Regen, Wind und die aufgepeitschten Wellen des Sees mit dem voll beladenen Kahn ans rettende Ufer. Das Boot taucht durch das aufgewühlte Wasser, stürzt durch die Fluten, während die Menschen darin den Elementen schutzlos ausgeliefert sind.

Solche Szenen beeindruckten den Maler immer wieder so sehr, dass er bis ein Jahr vor seinem Tod 1927 jeden Sommer dort verweilte. Um genau solche Bilder zu malen - und um dem gerecht zu werden, was ein Landschaftsmaler am besten kann: ehrlich und mit einer gewissen Demut die Verbindung von Mensch und Natur zu schildern. Immer wieder aufs Neue.

Informationen zur Schau

»Josef Wopfner - Landschaftsmalerei zwischen Naturidylle und Dramatik«: Eröffnung am 25. Mai, 15 Uhr, Museum Georg Schäfer, Brückenstraße 20, Schweinfurt; danach bis 1. September geöffnet Mittwoch bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Dienstag 10 bis 20 Uhr; an jedem ersten Dienstag im Monat freier Eintritt; Führungen jeden Dienstag 18.30 Uhr, jeden Samstag, Sonntag 14 Uhr; Kuratorenführungen mit David Grube am Dienstag, 28. Mai, 18.30 Uhr und Sonntag, 1. September, 14 Uhr; Samstag, 1. Juni, 14 Uhr, Themenführung »Hält die Idylle, was sie heiter verspricht?« mit Sandra Sembach; Sonntag, 11. August, 14 Uhr, Themenführung »Chiemsee - Malerparadies« mit Evamaria Bräuer.

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