Mittwoch, 21.08.2019

Berauscht und beseelt

Musiktheater: Kammeroper Frankfurt mit »Die verkehrte Braut« im Palmengarten - Noch drei Aufführungen

FRANKFURT
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Ermanno (rechts) ist vernarrt in Ernestina. Foto: Wolfgang Fuhrmannek
Foto: Photographer:Wolfgang Fuhrmannek
Sie lässt sich nicht ver­scha­chern. Und sie lässt sich nichts bie­ten. Da fährt sie lie­ber ih­re Kral­len aus und wehrt sich: Er­nes­ti­na (Dzu­na Kaln­i­na) ist al­les an­de­re als das bra­ve Töch­ter­lein, das sich so ein­fach mir nichts dir nichts ver­hei­ra­ten lässt.

Und schon gar nicht mit so einem Trottel wie Buralicchio (Timon Fuhr), der zwar reich ist, aber ansonsten ziemlich einfältig. Alleine das ist schon genügend Zunder für eine abendfüllende, spannende Geschichte.

Erzählt wird die Geschichte der Widerspenstigen von der Kammeroper Frankfurt, die mit Rossinis »Die verkehrte Braut« in diesem Jahr ihr silbernes Jubiläum feiert. Seit 25 Jahren tritt das Ensemble während der Sommermonate im Palmengarten auf. Und nun hat sich Intendant Rainer Pudenz diese Opernrarität ausgesucht und hat sie überaus launig inszeniert.

Vernarrt in Ernestina

Ermanno (Ralf Simon) ist vernarrt in Ernestina und hofft, dass der Plan von Rosalia (Louise Fenbury) und Frontino (Ilja Aksinov) aufgeht. Die beiden möchten den mittellosen Chaoten gerne als Hauslehrer von Ernestina installieren, damit dieser dann ungestört die Sympathien der Angebeteten erringen kann. Aber Vater Gamberotto (Thomas Peter) hat andere Pläne für seine Tochter. Er möchte den reichen Buralicchio an ihrer Seite sehen.

Das schlichte Bühnenbild von Frank Keller und Mateo Vilagrasa mit einem großen Schrank, drei riesigen Gemälden und zwei Monstersofas lässt genügend Raum für das große Drama. Raum, den die Sänger nutzen. Und nachdem es im ersten Anlauf für Ermanno nicht gut ausgeht und er von Buralicchio sogar Prügel bezieht als unliebsamer Konkurrent, muss ein neuer Plan her. Derweil sträubt sich Ernestina mit jeder Faser ihres Körpers gegen den ihr zugedachten Ehegatten. Alleine zu sehen, wie Kalnina den eingebildeten Gockel Buralicchio wieder und wieder abblitzen lässt, ist göttlich.

Sieg der Liebe

Aber nicht nur das Spiel kann sich sehen, auch die Stimmen können sich hören lassen. Kalnina mit ihrem trotzigen Mezzosopran, der gegen Ende weicher wird, wenn Tenor Ralf Simon seinen Ermanno vom Sieg der Liebe jubeln lässt und sie mit einstimmt.

Aber bis dahin ist es ein weiter Weg für Ermanno. Er muss einen langen Atem beweisen und auf die List hoffen, die sich Rosalia und Frontino ausdenken, um Buralicchio endgültig von Ernestina abzubringen. Sie streuen das Gerücht, dass Ernestina in Wahrheit ein Kastrat ist - was den Macho sofort das Weite suchen lässt. Der Widersacher ist vertrieben, die Widerspenstige ist gezähmt und sinkt in die Arme des Mannes, der sie aufrichtig liebt: Ende gut, alles gut.

Was die Aufführung zu einem Genuss werden lässt, ist das Spiel unter freiem Himmel, das nach Einbruch der Dunkelheit erst so richtig berauscht und beseelt. Es ist ein kurzweiliger Abend mit viel Witz und Komik und einem Rossini durchaus angemessen. Der Maestro jedenfalls hätte sich mehr als einmal vor Lachen auf die Schenkel geklopft - um dann wieder in Romantik zu schwelgen. Hach.

bWeitere Aufführungen: 14., 16. und 17. August, jeweils 19.30 Uhr, Musikpavillon im Palmengarten.

Hintergrund: Rossinis Oper brachte Ärger

Mit 19 Jahren hat Gioachino Rossini »L'equivoco stravagante« - wie »Die verkehrte Braut« im Original heißt - geschrieben. Das Publikum war amüsiert, aber die Zensur war entsetzt und bestand auf Änderungen. Sie bemängelte die Veralberung der Reichen und des Militärs sowie die Verspottung der Kastraten. Lediglich drei Vorstellungen gab es 1811, dann folgte ein striktes Aufführungsverbot. Rossinis Oper verschwand in der Versenkung und schaffte es erst 1965 wieder auf eine Bühne - allerdings nur äußerst selten. Hierzulande war die Oper bislang in nur drei Städten zu sehen: Berlin, Hamburg und Bad Wildbad. ()

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