Freitag, 22.02.2019

Ehre für Expressionistin Else Lasker-Schüler

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Denkmal für Else Lasker-Schüler in Wuppertal. Foto: Bernd Thissen (dpa)
Foto: Bernd Thissen

Franz Kaf­ka moch­te ih­re Ge­dich­te nicht. Aber für Gott­fried Benn war El­se Las­ker-Schü­ler die »größ­te Ly­ri­ke­rin, die Deut­sch­land je hat­te«. Die oft schrill an­ge­zo­ge­ne Künst­le­rin war An­fang des 20. Jahr­hun­derts ein Hin­gu­cker auf den Stra­ßen von Ber­lin. Ih­re aus­drucks­star­ken Ge­dich­te be­ein­dru­cken im­mer noch.

Am 11. Februar 1869 wurde Else Lasker-Schüler in einem jüdischen Elternhaus in Elberfeld geboren, das heute ein Stadtteil von Wuppertal ist. Ihre Heimatstadt feiert die exzentrische Frau und Expressionistin zum 150. Geburtstag unter dem Titel »Meinwärts«.

Bohemeleben und Flucht

Ihr Leben zwischen Boheme in Berlin, Verfolgung und Flucht aus Nazi-Deutschland spiegelt sich in ihrem Werk deutlich wider. Eine Ikone ist geradezu das Gedicht »Mein blaues Klavier«, geschrieben 1936 in der Schweiz. Auf wenigen Zeilen verdichtet sind die Erinnerung an Kindheit und die Erfahrung von Verlust und Gewalt in der NS-Zeit.

Eigentlich war der jungen Else Schüler ein bürgerliches Leben bestimmt. Der Vater war Privatbankier, Ehemann Berthold Lasker ein Arzt. Mit ihm zieht sie von Wuppertal nach Berlin - und entdeckt das Künstlerleben. Treffpunkt waren Künstlercafés, mittendrin als Dauergast Else Lasker-Schüler.

Ihre Gedichte veröffentlichte Lasker-Schüler in Büchern, Zeitungen und etwa der expressionistischen Zeitschrift »Der Sturm«. »Sie war ihrer Zeit voraus und ihre Texte verführen heute noch«, meint Hajo Jahn, Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft. »Sie war ständig in finanziellen Nöten«, berichtet die Germanistin Gabriele Sander, »sie hat auf Risiko gelebt«. Um Geld für sie aufzutreiben, spendeten 1913 Künstler Bilder für eine Auktion in München. Zu den Stiftern gehörten August Macke, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Oskar Kokoschka und Franz Marc. Verkauft wurde aber kaum etwas. Lasker-Schüler war inzwischen zweifach geschieden und alleinerziehende Mutter. Ein Skandal.

Postkarten-Freundschaft

Mit Franz Marc verband sie eine einzigartige Postkarten-Freundschaft. Vier Jahre lang, bis zu Marcs Tod 1916 im Ersten Weltkrieg, dauert der von beiden mit Zeichnungen bestückte Briefwechsel. Davon erzählt eine Ausstellung im im Wuppertaler Von der Heydt-Museum (6. Oktober bis 16. Februar 2020).

Ihre Theaterstücke werden nur noch selten aufgeführt. Der Deutsche Bühnenverein nennt für die Jahre von 2012 bis 2017 nur zwei Inszenierungen. Im Jubiläumsjahr ist das anders. Das Schauspiel Wuppertal führt im Juli ihre Tragödie »IchundIch« auf.

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