Donnerstag, 21.02.2019

Was dürfen Hobby-Schatzsucher?

Archäologie: Gericht befasst sich mit Frage, wann Funde als Bodendenkmal gelten

MÜNCHEN
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Ein Chiffriergerät aus dem Zweiten Weltkrieg, das ein Hobby-Archäologe gefunden hatte, war Anlass eines Gerichtsstreits. Foto: Deutsches Museum
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Meh­re­re tau­send Men­schen ge­hen nach An­ga­ben der Deut­schen Son­den­gän­ger Uni­on (DSU) in Deut­sch­land re­gel­mä­ß­ig mit Me­tall­de­tek­to­ren auf Schatz­su­che. Doch was dür­fen sie - und was ist Sa­che pro­fes­sio­nel­ler Ar­chäo­lo­gen? Wo hört das Abenteu­er auf, wo fängt der Denk­mal­schutz an?

Mit diesen Fragen hat sich das Verwaltungsgericht München befasst. In einem Denkmal-Streit um ein Chiffriergerät aus dem Zweiten Weltkrieg, eine sogenannte »Hitlermühle«, einigte sich der 24 Jahre alte Max Schöps am Mittwoch mit dem Freistaat Bayern. Er will künftig Bescheid sagen, wenn er etwas Interessantes findet - und den Archäologen außerdem zeigen, wo genau in einem Wald bei Aying er das Gerät im Jahr 2017 gefunden hat.

Vor oder nach 1945?

Das Verfahren wurde eingestellt, die Kosten trägt der Freistaat. Eine Begründung des Gerichtes: Die Archäologen hätten den Finder auch einfach mal fragen können, ohne ihm gleich Konsequenzen anzudrohen. »Das ist die Eskalation, die da stattgefunden hat.«

Gemeinsam mit einem Freund hatte Schöps das Gerät 2017 mit Hilfe eines Metalldetektors gefunden und dem Deutschen Museum übergeben. Das Denkmalamt fühlte sich übergangen und schrieb den jungen Mann wegen angeblicher Verstöße gegen das Denkmalschutzgesetz an. Daraufhin zog der vor das Verwaltungsgericht, weil er offiziell feststellen lassen wollte, was er nun darf - und was nicht. »Ist denn jedes eiserne Kreuz, jede Patronenhülse und jeder Reichspfennig ein Denkmal«, will er wissen.

Ganz eindeutig fällt die Antwort vor Gericht nicht aus: Grob können Hobby-Schatzsucher sich nach Einschätzung des Gerichtes daran orientieren, dass alles, was jünger ist als 1945, wahrscheinlich kein Denkmal ist. Gleiches gilt - unabhängig vom Alter - auch für sogenannte »Massenfunde« wie beispielsweise Patronenhülsen. Vorsicht ist dagegen geboten bei Funden, die einen besonderen Bezug zum Nationalsozialismus haben. »Weil diese Zeit eine besondere Rolle für die Geschichte dieses Landes spielt«, wie ein Archäologe vom Landesamt vor Gericht betont.

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