Donnerstag, 21.02.2019

Reales und Fiktion mischen sich immer mehr

Installation:Bunny Rogers im Frankfurter Zollamt

FRANKFURT
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Installation: Riesenkalamar und Eisberg von Bunny Rogers. Foto: Axel Schneider
Foto: Axel Schneider

Puh, das muss man erst mal ver­dau­en, was Bun­ny Ro­gers meint: Die Er­in­ne­rung an den Lie­b­lings­zei­chen­trick­film ist ge­n­au­so real wie die Er­in­ne­rung an ei­nen to­ten, ge­lieb­ten Men­schen. Ist der To­te et­wa nicht per­sön­li­cher?

Aber junge Menschen ticken oft ganz anders, vor allem wenn sie, wie Rogers, sich schon als Kind vom Sog des Internets haben mitreißen lassen. Noch heute fällt es der 28-jährigen US-amerikanischen Künstlerin schwer, das Reale vom Imaginären zu trennen, wie sie offen zugibt.

Nicht nur bei Rogers verschiebt sich die Wahrnehmung, für viele Menschen vermischen sich zusehends Reales und Fiktion. Auf subtile Weise zeigt das Bunny Rogers jetzt im Frankfurter Zollamt MMK, dem Ableger des Museums für Moderne Kunst schräg gegenüber des Haupthauses. In ihrer ersten institutionellen Einzelschau in Europa trumpft die Künstlerin gleich groß auf - vor einem Jahr durfte sie sich schon im renommierten New Yorker Whitney Museum präsentieren.

Aus der Tiefe des Meeres

Im Zollamt riecht es modrig, und die Sicht ist auch stark eingeschränkt durch violette, rote und grünblaue Strahler. Auf dem Boden liegt ein fluoreszierendes Ungetüm, ein neun Meter langer Riesenkalmar, der mit seinen riesigen Tentakeln und kleinen Noppen täuschend echt aus Silikon geformt wurde. Wasserpfützen täuschen vor, dass er just aus dem Meer gezogen wurde. Aber Riesenkalmare wurden bisher nie lebend in ihrem Lebensraum gesehen. Hinter dem flachen Tier türmt sich nun ein kolossaler Eisberg auf, den man ertasten darf, um sich von seiner Echtheit zu überzeugen.

Von der Tiefe des Meeres geht es unversehens in die Höhe eines Eisbergs - beides hat mit prägenden Kindheitserlebnissen der Künstlerin zu tun. Während sich viele Kinder für das Weltall begeisterten, war Bunny Rogers vom Leben im Meer fasziniert. Oft war sie in Naturkundemuseen, und sie hat eine Erlebnisschau kurz nach dem »Titanic«-Film besucht. Doch die Lebenswelt des Riesenkalmars werden wir wohl nie erfahren können, bis heute sind 80 Prozent des Ozeans unerforscht. Das Meer bleibt irreal, während wir den Eisblock ertasten und uns eine Vorstellung von den Gefahren des »Titanic«-Schiffes machen können.

Doch die Künstlerin treibt das Verwirrspiel noch weiter, indem sie auf den Längsseiten des Raumes einen Metallzaun mit dünnen spitzen Stäben aufstellt und mit Medaillons verziert, die eine Schlange und einen Schmetterling zeigen, also Gefahr und Verwandlung symbolisieren. Wo befinden wir uns? Drinnen im Museum oder draußen auf dem Friedhof? In einem Zoo oder im Horrorkabinett, aus dem wir nicht entweichen können, da uns der spitze Zaun davon abhält? Oder träumem wir nur schlecht?

bBis 28. April; geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr. Internet: www.mmk-frankfurt.de

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