Donnerstag, 21.02.2019

Die Chaostruppe der bayerischen Politik

Parodie:Wolfgang Krebs im ausverkauften Aschaffenburger Hofgarten-Kabarett - »Eine Mauer an der Grenze zu Hessen«

Aschaffenburg
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Wolfgang Krebs. Foto: Björn Friedrich
Foto: Björn Friedrich

Da ha­ben sich zwei wohl auch sprach­lich ge­fun­den: Der ei­ne, der Fran­ge (par­don: Fran­ke) Mar­kus Sö­der hat Pro­b­le­me mit den har­ten Kon­so­n­an­ten. Der an­de­re, der Nie­der­bay­er Hu­bert Ai­wan­ger, tut sich mit dem »A« schwer, das bei ihm im­mer wie ein »O« klingt - al­so Ono­nos statt Ana­nas.

Kaum haben sich CSU und Freie Wähler nach der jüngsten Landtagswahl in Bayern zu einer Koalition zusammengeschlossen, kommt kein bayerischer Kabarettist an dieser humoristischen Vorlage vorbei. Auch nicht Wolfgang Krebs, der am Freitag das Publikum im ausverkauften Aschaffenburger Hofgarten-Kabarett mit seinem aktuellen Programm »Geh zu, bleib da!« begeisterte.

Der Oiwanger Hubert ist halt nun mal ein Unikum, ein Geschenk und Lottogewinn für alle, die aus den Marotten ihrer Mitmenschen Kapital schlagen wollen. Und doch ist der Chef der »Freien Quäler« für Krebs nur ein Baustein, der für sein Panoptikum des bayerischen Landlebens und der Politik im Freistaat ganz nützlich ist.

»In der Provinz«, lässt Krebs eine seiner Figuren sagen, »verschmelzen Tracht und Niedertracht.« Es wird dort aber offensichtlich auch der Wille zur Macht geübt: Viele große Politiker kommen aus den kleinen Städten. Und sie lernen dort fürs Leben: Wenn man einen Gegner nicht besiegen kann, muss man ihn so fest umarmen, dass er keine Luft mehr bekommt. Oder ihn so lange ignorieren, bis er an der eigenen Existenz zweifelt.

Nur etwas aufgetragen

Im Mittelpunkt des Programms steht der fiktive Unternehmer Schorsch Scheberl, dessen Werbespots zwischen den einzelnen Punkten Krebs Zeit zum Wechsel von Jacke und Perücke geben: Dieser Schorsch ist - was seine mit vielen Plaketten geschmückte Jacke dokumentiert - nicht nur Vorsitzender eines jeden Vereins in Untergamskobenzeißgrubengernhaferlverdimmering. Er bestimmt mit seinem ebenfalls fiktiven Firmenimperium auch das Leben in diesem Ort. Für nahezu jede Lebenslage hat eines seiner Unternehmen das passende Angebot. Sein Motto dabei: »Eine Hand wäscht die andere.«

Die Lacher sind garantiert: Wie bei Aiwanger muss Wolfgang Krebs auch bei seinen anderen Figuren nur ein kleines bisschen zu dick auftragen oder die Realität lediglich um Nuancen überzeichnen. Kurz umziehen - und schon steht ein täuschend echter Edmund Stoiber auf der Bühne. Ein Edmund Stoiber, der sich - wie im richtigen Leben - immer wieder herrlich verhaspelt, der vor lauter Enthusiasmus den Faden verliert und mit seinem Sprechtempo verbal aus der Kurve fliegt.

Dieser Stoiber sinniert darüber, dass für den Niedergang der CSU auch die Armutsmigration vom restlichen Deutschland nach Bayern schuld ist - zum Beispiel aus Bremen und Teilen des Ruhrgebiets. Weil diese Zuwanderer nicht kapieren, dass zur bayerischen Leitkultur auch die Wahl der CSU gehört, müsse als Sofortmaßnahme hinter Aschaffenburg eine schützende Mauer gebaut werden: »Und die Hessen müssen sie bezahlen.«

In Krebs' Chaostruppe sind sie alle vertreten, die Bayerns Ruf im restlichen Deutschland prägen: Der zischelnde Horst Seehofer, dessen Lachen an eine Schlange erinnert. Der durchgeistigte Joseph Ratzinger, der mal Papst Benedikt XVI. war. König Ludwig II., von dessen Bauten - »im Außenbereich und ohne Baugenehmigung« - der Tourismus im Freistaat noch heute profitiert. Ebenfalls fiktiv, aber aus früheren Krebs-Programmen bekannt ist die erfolglose Allgäuer Schlagerikone Meggy Montana, die ein Loblied auf die finanziellen Vorzüge der Zukünftigen singt: »Alles was ich an dir mag ist dein Bausparvertrag.«

Dazu noch ein Kurzauftritt von Angela Merkel in Bayern und eine witzige Talkshow-Runde mit dem früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck sowie unter anderem dem ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein.

Zuviel Schadenfreude ist beim Blick auf die bayerischen Protagonisten aber nicht angebracht: »Ob ihr wollt oder nicht«, sagt Krebs zu seinem Aschaffenburger Publikum. »ihr gehört auch zu Bayern!«

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