Montag, 10.12.2018

Vorbild fürEgoismus

Von Martina Jordan

Kommentieren
13.03.2018 Main-Echo: Martina Jordan
Fotograf: Victoria Schilde  | Datum: 13.03.2018

Kin­der brau­chen gu­te Vor­bil­der, kei­ne Fra­ge. Rück­sicht­nah­me auf an­de­re muss von Er­wach­se­nen vor­ge­lebt wer­den, sonst macht es we­nig Sinn, die­ses Ver­hal­ten von Kin­dern ein­zu­for­dern. Doch un­se­re Ge­sell­schaft ve­r­än­dert sich, Ego­is­mus wird in ei­ner Form gepf­legt, die Be­sorg­nis er­re­gend ist.

Immer weniger Verkehrsteilnehmer halten sich an Regeln, parken dort, wo es dem persönlichen Wohlbefinden am besten entgegen kommt, fahren noch bei Rot schnell über die Kreuzung, die anderen werden schon aufpassen.

Auch im Sportbereich, speziell auf dem Fußballplatz, verrohen die Sitten. Das Normalmaß an verbaler Unterstützung der eigenen Mannschaft ist längst überschritten. Wenn Erwachsene vom Spielfeldrand aus Kinder lautstark zum brutalen Foul am Gegenspieler auffordern, dann hat sich das mit der Vorbildfunktion gründlich erledigt. Beziehungsweise in eine fürchterlich falsche Richtung entwickelt.

Es muss verboten sein

Grenzenlose Ich-Bezogenheit - sie kennt keine gesellschaftlichen Schranken. Sie gedeiht auch gerne unter einem vornehmen Deckmantel. Seinen Kindern vorleben, dass alles erlaubt ist, was nicht explizit verboten wurde - keine Einstellung, die das Miteinander fördert. Da wäre die hochgewachsene Frau, die sich beim Hallen-Turnier der zehnährigen Fußballer direkt an der Bande platziert. Zuschauen will sie nicht, ihr Sohn hat Pause. Er steht mit seinen Freunden neben ihr, verfolgt das aktuelle Match.

Auf die Bitte anderer Eltern, sie möge sich ihrer Größe wegen nicht direkt ins Blickfeld stellen, sondern einen Platz auf der Tribüne suchen, entgegnet die Dame spitz: Es sei ja nicht verboten, hier vorne zu stehen. Nun, das vielleicht nicht, bekommt sie zur Antwort, es sei allerdings sehr unhöflich, weil sie, die zudem offensichtlich kein Interesse am Spielgeschehen habe, anderen die Sicht nehme. Das beeindruckt die Frau wenig. Weil nicht verboten, verharrt sie provokant an Ort und Stelle.

Immerhin: An diesem Tag lebt sonst kein Erwachsener seinen Egoismus derartig plakativ aus. Verbal ausfällig wird auch niemand, Kritik an Schiedsrichter-Entscheidungen hält sich in erträglichen Grenzen. Es hätte schlimmer kommen können.

cIhre Meinung zum Thema:lesermeinung@main-echo.de

Lade Inhalte...
Kommentare Beste Bewertungen Neueste Kommentare Älteste Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!