Freitag, 21.09.2018

Schaubühne muss China-Tour abbrechen

Eklat:Berliner Ensemble provozierte mit Ibsen-Stück heftige Publikumsdebatte

PEKING. Mittwoch, 12.09.2018 - 20:25 Uhr

Nach­dem ihr Stück »Ein Volks­feind« in Chi­na hef­ti­ge De­bat­ten aus­ge­löst hat, muss die Ber­li­ner Schau­büh­ne ih­re Tournee in der Volks­re­pu­b­lik vor­zei­tig be­en­den.

Tobias Veit, Direktor der Schaubühne, bestätigte am Mittwoch, dass die übrigen zwei Vorstellungen in der ostchinesischen Stadt Nanjing nicht stattfinden werden, weil das dortige Theater eine Absage erteilt habe.

Als offizielle Begründung wurden demnach »technische Probleme« angegeben. Die Berliner gehen jedoch davon aus, dass Zensur der eigentliche Grund für das vorzeitige Ende der Tournee ist. Erste Einschränkungen mussten die Schauspieler so schon nach ihrer ersten Vorführung in Peking vergangene Woche hinnehmen.

»Ein Volksfeind« von Henrik Ibsen handelt von Korruption in einer Kleinstadt, in der die Obrigkeit einen Umweltskandal vor seinen Bürgern vertuschen will. Wie auch bei früheren Aufführungen öffnete sich bei der China-Premiere in Peking zum Ende der Inszenierung die Diskussion zu den Zuschauern.

Ein Teil der Gäste habe dabei ganz offen über mangelnde Meinungsfreiheit, Umweltskandale und staatliche Repression in China gesprochen. Es habe so viel Kritik gegeben, dass nicht mal der Übersetzer im Saal noch hinterherkam. Auch in den sozialen Netzwerken setzte sich die Debatte nach dem Auftritt fort.

Die Folge: Die zweite und dritte Aufführung durfte die Schaubühne nach Diskussionen mit der Pekinger Theaterleitung nur noch ohne Publikums-Diskussion am Ende spielen. Die beiden letzten Vorstellungen, die nun komplett ausfallen, waren für Donnerstag und Freitag in Nanjing geplant.

Spiegel der Situation

Die Bühne tourt mit »Ein Volksfeind« seit seiner Premiere 2012 um die Welt. Die Publikumsreaktionen seien oft ein Spiegel der jeweiligen politischen Situation des Landes und der drängendsten Fragen vor Ort.

dpa

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