Montag, 19.11.2018

Ein totaler Augenschmaus

Karikaturen: Caricatura Museum in Frankfurt widmet dem Jazz-Gitarristen, Erzähler und Zeichner Volker Kriegel eine Ausstellung

FRANKFURT. Dienstag, 11.09.2018 - 19:25 Uhr

F.W. Bern­stein soll sich und sei­ne Kol­le­gen der Frank­fur­ter Schu­le ein­mal im di­rek­ten Ver­g­leich mit Vol­ker Krie­gel Drei­vier­tel­ta­len­te ge­nannt ha­ben. Da­ran er­in­nert sich zu­min­dest Achim Frenz, des­sen Ca­ri­ca­tu­ra Mu­se­um in Frank­furt mit den Kon­ter­feis von Bern­stein, Ch­lod­wig Poth, F.K.

Waechter, Robert Gernhardt und Hans Traxler wirbt und ab 13. September dem Multitalent Volker Kriegel eine Ausstellung widmet.

Bis zum 20. Januar 2019 werden seine Zeichnungen und Cartoons am Weckmarkt 17 zu sehen sein. »Schließlich konnte Kriegel nicht nur schreiben und zeichnen, sondern auch noch Musik machen«, unterstreicht Frenz warum man Kriegel einen Hundertprozentigen nennen kann. »Seine Musik habe ich natürlich als Jugendlicher gehört und wenn ich auch kein glühender Jazzfan war, so hat sich mir Volker Kriegel doch als außergewöhnlicher Gitarrist eingeprägt.« Kennengelernt hat er den gebürtigen Darmstädter, der in Wiesbaden lebte und zur Frankfurter Szene gehörte, 1987, als der spätere Caricatura-Chef in Kassel parallel zur Documenta eine Karikatur-Ausstellung als bundesdeutsche Bestandaufnahme organsierte. Da waren auch Werke von Kriegel dabei.

Wie eine alte Verabredung

Später in Frankfurt sah man sich bei einer Gernhardt-Vernissage im Historischen Museum wieder, verabredete, sich wegen einer Werkschau einmal zu treffen. Kriegels früher Tod im Juni 2003 verhinderte die Realisierung. Jetzt, fünfzehn Jahre später, und vor seinem 75. Geburtstag am 24. Dezember, gibt es auch auf Anregung und mit Unterstützung von Volker Kriegels Frau Evelyn Kriegel endlich die lange geplante Würdigung. Kriegels Engagement als Erzähler, Übersetzer, Zeichner und Cartoonist ist nicht minder relevant als sein musikalisches ?uvre mit dem Dave Pike Set, seinen eigenen Gruppen Spectrum und dem Mild Maniac Orchestra sowie dem United Jazz + Rock Ensemble, in denen er auf höchst unterschiedliche wie bahnbrechende Weise seiner Fusion-Idee nachging. Diesem Teil von Kriegels Karriere wird die hr-Bigband am 22. und 23.11. im hr-Sendesaal ihre Referenz erweisen, wenn mit John Schröder, Jesse van Ruller und Martin Scales gleich drei Kollegen sich dem Gitarren-Stilisten annehmen. So einzigartig wie sein Spielstil war auch sein Schreib- und Zeichenstil. Amüsant waren seine Bücher wie »Der Rock'n'Roll-König«, die »Olaf«-Serie (ein Elch will fliegen und tauchen lernen) oder seine Übersetzung von Dickens »Ein Weihnachtsmärchen«, allesamt von ihm illustriert. »Ich habe mir die Sachen letzte Woche noch mal so richtig angeguckt, bin alles mal langsam durchgegangen, als die Exponate gehängt waren«, erzählt Frenz, wie ihm dabei die große Genialität von Kriegels Werk wieder so richtig bewusst wurde. »Jeder digitale Karikaturist, von denen wir ja sehr viele haben im Moment, sollte mal vorbeikommen und sich anschauen, wie schön solche Zeichnungen auch sein können. Da merkt man einfach die Qualität, die dahintersteckt. Die kleinen Zeichnungen mit der Feder, dieser Strich und wie die Farbe aufgetragen wurde - das ist einfach grandios für Liebhaber von Zeichnungen. Für alle, die so etwas mögen, ist das ein totaler Augenschmaus.« Auch wenn der Fokus der Veranstaltung auf Volker Kriegels visuellen Arbeiten liegt, so wird auch ein Film von ihm zu sehen sein wie auch ein Mitschnitt von einem Konzert von 1977, das das Mild Maniac Orchester auf dem nahen Römerberg spielte.

bAusstellung Volker Kriegel, Frankfurt, Caricatura Museum, Eröffnung: 12. September, 18 Uhr,-ab 13. September bis 20. Januar 2019, Di. - So. 11-18 Uhr, Mi. 11-21 Uhr, Eintritt: 6 Euro http://caricatura-museum.de/

DETLEF KINSLER
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