Donnerstag, 15.11.2018

Stimmungsvolle Reise vom Frühbarock in die Spätromantik

Sommerkonzert:Im Kloster Himmelthal begeistern Geigerin Ruth Schwachhöfer und Organist Andreas Bolz mit Dialogen von Orgel und Violine

KLOSTER HIMMELTHAL. Montag, 10.09.2018 - 18:35 Uhr

Vor 35 Jah­ren rief Re­gio­nal­kon­tor Pe­ter Schä­fer die Som­mer­kon­zer­te in der klei­nen ba­ro­cken Klos­ter­kir­che in Him­mel­thal ins Le­ben. Heu­te sind sie aus dem Mu­sik­le­ben am Un­ter­main nicht mehr weg­zu­den­ken.

Darin waren sich die gut 100 Zuhörer am Sonntagnachmittag einig, nachdem sie das einstündige Konzert in der atmosphärisch beeindruckenden Kirche aus dem Jahr 1753 genossen hatten. In einem harmonischen und höchst anregenden Dialog zelebrierten die Geigerin Ruth Schwachhöfer und ihr Mann, Andreas Bolz, Dommusikdirektor am Frankfurter Kaiserdom, auf der Barockorgel von 1757 eine ausdrucksstarke und ereignisreiche Reise durch zwei Jahrhunderte vom Frühbarock in die Spätromantik.

Für einige Besucher, die heuer zum ersten Mal eines der Konzerte besucht hatten, war es nicht nur ein Gesamtkunstwerk aus Musik und Architektur, das sie in der Klosterkirche geboten bekamen, sondern viel mehr. »Wenn man so ein Konzert in der hellen, wunderschönen Kirche erleben kann, dann ist das für mich ein besseres Heilmittel gegen aufkeimende Depressionen als viele Medikamente«, verriet vor der Kirchentür eine knapp 50-jährige Frau, die den Weg von Babenhausen ins Kloster Himmelthal gefunden hatte.

Gute Laune von 1680

Tatsächlich verbreitete der helle Klang der Barockvioline schon bei der einleitenden 14. Rosenkranzsonate des Heinrich Ignaz Biber gute Laune, die um 1680 entstanden ist. Ruth Schwachhöfer bannte mit ihrer intensiv klingenden Barockvioline im harmonischen Zusammenspiel mit Boltz auf der Orgel des Johann Conrad Wehr die Aufnahme Marien in den Himmel fast programmmusikalisch in Töne.

Dass Bibers Methode der »Scordatura« viel mehr als ein Spleen war, dass mit der Umstimmung von drei der vier Saiten tatsächlich faszinierende Klangeffekte und eine verblüffende Mehrstimmigkeit erreicht werden kann, bewies die Geigerin jedenfalls in allen vier Sätzen eindrucksvoll.

Ohnehin überzeugten Boltz und Schwachhöfer in allen sieben Kompositionen, die sie sehr klug ausgewählt und angeordnet hatten. Mit den eingeschobenen Orgelstücken von Josef Gabriel Rheinberger und von Johann Pachelbel setzte der Organist schöne, meditative Ruheinseln in diesem intensiven und auch fordernden Konzert mit den facettenreichen Dialogen der Instrumente. Zugleich bewies er, dass die mehr als 250 Jahre alte Orgel seit ihrer Restaurierung durch die Hardheimer Werkstatt Vleugels ein Instrument ist, das zu Recht auch einen Platz in der Reihe »Historische Orgeln Frankfurt Rhein/Main« gefunden hat.

Jeder Zuhörer konnte sich seinen ganz eigenen Favoriten aus den sieben Stationen herauspicken. Für den einen waren es sicher die vier Sätze von Bachs A-Dur Sonate, die beide Musiker kongenial locker und elegant interpretierten und die helle Heiterkeit der Kirche in Bachs Werk spiegelten. Brillant waren die Sicherheit in den Tempowechseln und die spielerisch leichte Interpretation.

Für jeden etwas

Andere wieder waren besonders vom Abschluss begeistert, von der Romanze in G-Dur aus dem Jahr 1881, dem bekanntesten Werk des norwegischen Spätromantikers Johan Severin Svendsen. Boltz übernahm mit der Orgel sehr überzeugend den Part des Orchesters in der Originalversion und Ruth Schwachhöfer hätte sich sicher mit ihrer Interpretation des Soloparts nicht vor dem polnischen Geigenvirtuosen Stanislaus Barcewicz verstecken müssen, der bei der Erstaufführung der Romanze in Oslo Triumphe feierte. Auch in Himmelthal belohnte minutenlanger Beifall die Akteure für ihre Leistung in einem rundum gelungenen Konzert, das jetzt schon viel Lust auf die Sommerkonzerte im kommenden Jahr macht.

HEINZ LINDUSCHKA
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