Montag, 24.09.2018

Tanzende Monster, lebendige Bücher

Museumstechnik:Stellwand und Vitrine waren gestern - Heute hält Hightech Einzug in die Ausstellungen

Biebergmünd Montag, 10.09.2018 - 18:34 Uhr

Die Mu­se­en set­zen bei ih­ren Aus­stel­lun­gen zu­neh­mend auf Tech­nik wie Ka­me­ras, Sen­so­ren und vir­tu­el­le Rea­li­tä­ten. Das ist auch in Hes­sen zu be­o­b­ach­ten. Im Frank­fur­ter Sen­cken­berg Mu­se­um et­wa ist ein vir­tu­el­les Zu­sam­men­tref­fen mit Di­no­sau­ri­ern mög­lich. Aber nicht im­mer ist mo­der­ne Tech­nik das pas­sen­de Mit­tel für Aus­stel­lun­gen.

Die neue Ausstellung »Unboxing« (»Auspacken«) der Kasseler Grimmwelt passt in eine Pappschachtel: Bastelmaterial, Zeichnungen, ein Märchenbuch, eine Musik-CD und mehr. Die Box können Kitas und Schulen kostenfrei bestellen. Es handelt sich quasi um eine analoge Miniversion der Inhalte, die in dem Kasseler Ausstellungshaus eine ganze Halle füllen. Hier werden sie allerdings durch Technik zum Leben erweckt. Statt Fantasiewesen mit Tierköpfen zu basteln, verwandeln sich die Besucher selbst in diese Figuren.

Ihre Körper und Bewegungen werden auf eine Wand projiziert. Der Computer ergänzt mal Spinnenbeine, mal Käfer- oder Vogelköpfe. Die Figuren tanzen oder hüpfen - je nachdem, was der Ausstellungsbesucher macht. »Hier wird jeder zum Fantasiewesen und kann in Interaktion treten«, sagt Kassels Kulturdezernentin Susanne Völker.

Eine solche Schau wäre vor 20 Jahren kaum möglich gewesen. Doch die modernen multimedialen Möglichkeiten erlaubten »assoziative, narrative und mitmachorientierte Angebote auch für komplexe Themen«, erklärt Völker. »Die Technik macht uns unabhängig von der rein sprachlichen Vermittlung.«

Im Frankfurter Senckenberg Museum gibt es seit Ende 2016 eine VR-Installation (Virtual Reality), mit der Besucher dank einer speziellen Brille in die Welt der Dinosaurier eintauchen können. In diesem Jahr kam eine virtuelle Installation zum Jurameer dazu.

Mit solchen multimedialen Formaten, erklärt Projektleiter Philipe Havlik, ließen sich Dinge immersiv und spielerisch darstellen, die bisher nicht zu vermitteln gewesen seien. »Der Trend geht immer mehr in Richtung Infotainment, und Museen konkurrieren mit anderen Freizeiteinrichtungen um ihre Besucher«, sagt der Wirbeltierpaläontologe.

Das Museum Wiesbaden setzt auf eine digitale Ergänzung seines Angebots. Neben den analogen Exponaten kann eine App verwendet werden, die Sprecherin Susanne Löffler als »Multimedia-Guide« bezeichnet. Die App kam in den vergangenen Ausstellungen »Caravaggios Erben« und »Wiesbadener Heimsuchung« zum Einsatz. Zudem arbeitet das Museum mit Augmented-Reality-Projektionen, also einer computergestützten Erweiterung der Wahrnehmung, im Rahmen seiner Sonderausstellungen. Laut Löffler entwickelt das Museum derzeit eine neue Version der App, die im Juni nächsten Jahres zur Ausstellung der Jugendstilsammlung fertig sein soll.

Außerdem stellt das Museum seine Exponate sukzessive online, so dass Besucher diese während ihres Rundgangs auf Smartphones oder Tablets ergänzend sehen können. »Wir sind ja mit Natur und Kunst ein Zwei-Sparten-Haus«, erläutert Löffler und fügt an: »Im Bereich der Naturwissenschaften ist das eine gute Ergänzung, denn wir können in den Vitrinen nicht alle Ausstellungsstücke beschriften, online ist das jedoch möglich.«

Auch wenn das Wiesbadener Museum die Digitalisierung vorantreibt, ist Löffler der Meinung, dass dies auch in Zukunft nur eine Ergänzung sein könne und dürfe. »Das Museum ist nach wie vor ein Ort, um Werke an der Wand zu studieren.«

Das Hessische Landesmuseum in Darmstadt macht den Multimedia-Einsatz vom Ausstellungsthema und den gezeigten Objekten abhängig. Die 2017 gezeigte Schau zur Raumfahrtmission »Rosetta« etwa habe sich perfekt für eine Multimediashow geeignet, so eine Sprecherin. Mit 33 000 Besuchern sei sie die am besten besuchte Sonderausstellung nach der Wiedereröffnung des Landesmuseums im September 2014 gewesen. Auch bei der nächsten Sonderschau »Stages - Episoden des Lebens« vom 28. September 2018 bis 27. Januar 2019 sollen multimediale Elemente eingesetzt werden.

bDie Sonderpräsentation »Unboxing« ist bis 13. Januar in der Grimmwelt Kassel zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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