Freitag, 16.11.2018

Wie ein Ritterschlag für Streamingdienst Netflix

Sonntag, 09.09.2018 - 19:40 Uhr

Es ist wie ein Rit­ter­schlag für Net­f­lix. Bis­her galt der St­rea­ming­di­enst vor al­lem als An­bie­ter für Se­ri­en. Doch Net­f­lix pro­du­ziert im­mer mehr Fil­me - und konn­te bei den Fest­spie­len Ve­ne­dig nun ei­nen enor­men Er­folg fei­ern.

Gleich zwei Hauptpreise gingen an Netflix-Werke, darunter zum ersten Mal in der Festivalgeschichte sogar die höchste Auszeichnung für den besten Film: »Roma« des Oscar-Preisträgers Alfonso Cuarón gewann am Samstagabend den Goldenen Löwen. Außerdem ging die Trophäe für das beste Drehbuch an die Brüder Ethan und Joel Coen für »The Ballad of Buster Scruggs«, ebenfalls von Netflix produziert.

Erster Preis für Mexiko

»Roma« ist ein vielschichtiges, wunderschön gefilmtes Werk über das Leben im Mexiko der 70er Jahre. Regisseur Cuarón fokussiert dabei auf zwei junge Frauen, die als Haushälterinnen bei einer wohlhabenden Familie leben und sich dabei auch um die Kinder kümmern. Cuarón erklärte, sein Werk sei eine Hommage an sein früheres Kindermädchen. Der Preis für den Film ist zugleich der erste Goldene Löwe für Mexiko.

So verdient die Auszeichnung aber auch ist: Sie wird den Streit um die Rolle von Netflix in der Kinowelt fortsetzen. Denn warum wird ein Film mit dem höchsten Preis eines Festivals ausgezeichnet, wenn er anschließend nur in wenigen Kinos und dafür vor allem beim Streamingdienst zu sehen sein wird? Beim Festival Cannes sorgte die Auseinandersetzung in diesem Jahr dafür, dass Netflix letztendlich all seine eingereichten Beiträge wieder zurückzog, darunter auch Cuaróns jetzigen Löwen-Gewinner.

Allerdings muss man gleichzeitig honorieren, wie viel Geld Netflix mittlerweile für hochkarätige Regisseure und herausragende Filme bereitstellt: Auch »Roma« sowie der episodisch erzählte Western-Beitrag »The Ballad of Buster Scruggs« der Coen-Brüder sind beides bemerkenswerte Werke - offensichtlich sah das die Venedig-Jury ebenfalls so.

Kein Untergang des Kinos

Für den Jury-Präsidenten Guillermo del Toro (»Shape of Water«) bedeutet das starke Abschneiden von Netflix jedenfalls nicht den Untergang der Filmwelt. »Ich glaube nicht, dass dies der Anfang vom Ende für Irgendetwas ist«, sagte der Mexikaner am Samstagabend. Es sei eher die Fortsetzung von dem, was vor gut 100 Jahren mit der Erfindung von Film begonnen habe.

dpa
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