Keine Weihnachtsidylle mit Ochs und Esel

Religion: Michael Triegel malte vor drei Jahren ein etwas anderes Krippenbild - Die Katze steht für das Böse

BAUNACH/BAMBERG
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Michael Triegel schuf das Bild »Menschwerdung« im Jahr 2018. Foto: Michael Triegel
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Jahr für Jahr be­schwö­ren wir ein Idyll, das es wahr­schein­lich gar nicht gab. Denn Jo­sef und sei­ne hoch­schwan­ge­re Ma­ria hat­ten kei­ne Un­ter­kunft bei Ver­wand­ten in Beth­le­hem be­kom­men. Die Ent­bin­dung fand in ei­nem kal­ten Stall statt, so die gän­gi­ge Über­lie­fe­rung.

Diese vertraute Szene malte Michael Triegel zwar in seinem Bild »Menschwerdung«, er deutete dabei aber etliches um. Zu sehen sind nur Maria, Josef, das Kind und einer der drei Heiligen Könige. Die beiden anderen Könige fehlen, ebenso die Hirten sowie Ochs und Esel.

Dafür hat sich hinter dem Heiligen eine Katze im Stroh zum Dösen hingestreckt, rechts liegt ein Lamm. Aber das verweist doch auf Ostern, oder? Und die Katze, so der in Leipzig lebende Maler, steht für das Böse. Auch die Eltern wirken eher besorgt als glücklich. Josef deutet auf einen Kranz aus Menschen- und Tierschädeln, der einen Fötus in der Gebärmutter umschließt. Dieser Kranz hängt über dem Neugeborenen und hält zugleich das Tuch, vor dem das Kind mehr schwebt als liegt.

Hinweise auf Ostern

So finden sich in diesem vor drei Jahren entstandenen Bild mehrere Hinweise auf Ostern, das für Triegel den Kern der christlichen Botschaft birgt, die Auferstehung. Für ihn fasst der Schädelkranz den Hauptgedanken des Gemäldes zusammen: »Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen. Doch - und das ist mein Anliegen - das lässt sich auch umgekehrt denken. Das entstehende Leben sprengt die Umklammerung des Todes. Leben als ein Trotzdem!«, erklärt der 1968 in Erfurt geborene Maler, der sich vor sieben Jahren katholisch taufen ließ.

Michael Triegel ist ein gläubiger, aber oft auch zweifelnder Künstler, der brillant malen kann wie die Alten Meister vor 500 Jahren. Seine Idee war es, Weihnachten zu spiegeln als ersten Schritt zur Passion. Die wird angedeutet mit dem Lamm, den Totenköpfen und der Statik der Scheune, denn die nach oben führende Treppe und der Stützbalken bilden ein Kreuz. So kreist das Bild um Geburt, Tod und Auferstehung.

Das vielschichtige Gemälde hängt im Hochaltar der Kirche St. Oswald in Baunach, rund 15 Kilometer nördlich von Bamberg gelegen. Die fränkische Kirchengemeinde hatte bei Triegel ein Altarbild in Auftrag gegeben, der Maler sich dafür aber viele Freiheiten ausbedungen: »Eine Idylle im kuschligen Stall mit Ochs und Esel kam für mich nicht in Frage.« Aber das wissen viele Gemeinden längst, dennoch erhält Triegel viele Anfragen. Vor allem in bayerischen Kirchen hängen etliche seiner Bilder.

Eigene Tochter als Maria

Die haben oft reale Personen als Modelle. Für Maria war es seine damals 17-jährige Tochter, der König trägt Triegels Züge. Der Maler will, wie er das ausdrückt, »die Figuren nicht als ideale Archetypen, als blutleere Abziehbilder darstellen, gerade dann, wenn die Bildthematik das Archetypische, Allgemeine behandelt. Der Betrachter soll fühlen, dass es um Individuen geht, dass er den handelnden Personen, die historisch in weiter Ferne lebten, im Hier und Jetzt begegnen könnte.«

In Baunach wird die drei Meter hohe und fast zwei Meter breite »Menschwerdung« eingerahmt von vergoldeten barocken Elementen, neben Blumen auch Blattwerk, Kapitelle, Säulen und geschnitzte Ornamente, bekrönt aber von einem Verkündigungsengel. Doch der kühne Zusammenprall von Barock und Gegenwart funktioniert durchaus.

Ohnehin hat Michael Triegel ein Gemälde geschaffen, das gut in die jetzige Phase zwischen Angst und Hoffnung passt. Das Wochenblatt »Die Zeit« adelte ihn schon als »besten religiösen Maler seiner Zeit«. In die Schlagzeilen geriet er bereits 2005, als der damalige Würzburger Bischof sein »Auferstehung«-Bild im dortigen Museum am Dom abhängen ließ - der Christus war ihm zu (splitter)nackt. Dabei hatte sich Christus längst in Apoll verwandelt, den Gott des Lichtes und der Heilung.

Einem breiten Publikum bekannt wurde Michael Triegel aber erst 2010 mit seinem Porträt von Papst Benedikt XVI. Triegel malte einen zusammengesackt dasitzenden alten Mann, der mit großer Skepsis, aber auch mit leichter Milde den Betrachter anblickt. Für dieses schonungslos realistische Bild wurde der Künstler viel gescholten, wohl zu Unrecht. Immerhin zeigt er den Papst als normalen Menschen mit allen Stärken und Schwächen, nicht als Oberhirten, der über allem schwebt.

Seither gilt Michael Triegel als »Papstmaler«, zumal bald ein zweites, ähnlich kritisches Porträt folgte. Er malt altmeisterlich und fotorealistisch und wird zur »Neuen Leipziger Schule« gezählt, auch wenn nur wenige Maler heute die Geduld haben, bis zu 20 Schichten feiner Öllasur aufzutragen. Dadurch erhalten die Bilder strahlende Farben und klare Konturen.

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