»Ich bringe gerne Leute zum Lachen«

Auf einen Kaffee mit. . . :Theaterautorin Hanna Goldhammer aus Grünmorsbach - Zwei neue Stücke in einem Jahr geschrieben

Haibach
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Tee auf der Turnmatte: Theaterautorin Hanna Goldhammer (rechts) im Gespräch mit Redakteurin Fee Berthold-Geis. Hier in der Turnhalle des TSV Grünmorsbach trainiert die 24-Jährige Kinder im Leistungsturnen. Die Liebe zum Theater fand sie hier - als sie als Kind Theaterstücke anschaute, in denen ihre Mutter mitspielte. Fotos: Thomas Minnich
Foto: Thomas Minnich
Heim­spiel für Han­na Gold­ham­mer: Vor dem In­ter­view in der Hal­le des TSV Grün­mors­bach schiebt sie den Mat­ten­wa­gen in die Mit­te des Rau­mes. Hier trai­niert die 24 Jah­re al­te Thea­ter­au­to­rin Kin­der im Leis­tung­s­tur­nen. Hier hat sie die ers­ten Thea­ter­stü­cke ge­se­hen, in de­nen ih­re Mut­ter mit­spiel­te.

Mittlerweile hat Goldhammer, die in Hösbach (Kreis Aschaffenburg) wohnt, im Deutschen Theaterverlag ihr drittes Stück veröffentlicht.

Das erste, »Der Enkeltrickbetrug«, wurde auch in Österreich gespielt. Dieses Jahr ist »Wette Wette Viererkette« erschienen, jetzt im Oktober ihr drittes, das den Titel »Chaos, Kohle, Karneval« trägt. Zeit für ein Gespräch mit Fee Berthold-Geis - bei einer Tasse Tee. Goldhammer, die hauptberuflich als Physiotherapeutin arbeitet, mag keinen Kaffee.

Wie halten Sie Ihre Ideen fest?

Ich schicke sie meinem Freund per Sprachnachricht.

Wo schreiben Sie?

Im Garten. Bis vor Kurzem in meinem Kinderzimmer in meinem Elternhaus. Jetzt bin ich ausgezogen und schreibe in meinem Wohnzimmer.

Wie lange schreiben Sie an einem Stück?

Etwa zwei bis drei Monate. Momentan habe ich noch keinen Laptop oder Computer. Ich schreibe alles auf meinem Tablet.

Wer darf es zu erst lesen?

Meistens meine Mama.

Die Ihre Liebe zum Theater geweckt hat?´

Genau. Sie hat zehn Jahre lang Theater gespielt. Von klein auf haben meine Schwester und ich sie auf der Bühne gesehen - meistens hier in der Halle des TSV Grünmorsbach. Meine Schwester und ich wollten immer gerne mitspielen, aber wir waren zu klein.

Im Oktober ist Ihr drittes Stück »Chaos, Kohle, Karneval« erschienen.

Das ist ein Schwank.

Für Ihr Alter ist das Genre untypisch.

Stimmt. Ich wusste auch gar nicht, dass das Schwank heißt. Aber ich wollte etwas schreiben, das so ähnlich ist wie die Stücke, die meine Mutter früher gespielt hat.

Warum?

Weil mir das gut gefällt. 2017 habe ich das erste Stück geschrieben. Kurz vorher war in der Theatergruppe meiner Mama an einem Abend eine Schauspielerin ausgefallen. Da bin ich eingesprungen. Es hat mir so viel Spaß gemacht, auf der Bühne zu stehen und in die Rolle zu schlüpfen. Da wusste ich: Das möchte ich schreiben. Das Durchschnittsalter bei den Aufführungen meiner Stücke ist hoch (lacht). Bei einer Aufführung saßen ältere Damen in der Reihe hinter mir. Eine sagte: »So gelacht habe ich schon lange nicht mehr.« Das war so schön zu hören. Mir ist es egal, ob ältere Leute oder jüngere zuschauen. Ich freue mich, wenn ich die Zuschauer zum Lachen bringe.

Die Männer in Ihren Stücken sind immer ungeschickt. Sie können sich auch oft nicht erinnern, was passiert ist.

Stimmt. Das ist etwas klischeehaft. In diesem Genre wird sehr viel mit Klischees gearbeitet. In der heutigen Zeit wird aber versucht, nicht mit Vorurteilen zu arbeiten, Frauen- und Männerrollen gleich zu setzen. Das finde ich auch alles richtig und gut. Aber ohne diese Klischees würden meine Theaterstücke nicht funktionieren.

Im Stück machen Frauen dem Fußball-Schiedsrichter schöne Augen, um ihn abzulenken.

Das ist die Frage, ob es das in Zukunft noch geben wird oder ob es heißt: Das ist sexistisch. Aber die Klischees sind ja in den Köpfen drinnen. Wenn sich das auf der Bühne widerspiegelt, löst das etwas aus bei den Leuten. Beim aktuellen Stück gibt es die Rolle einer Spielerfrau, die nicht schlau ist. Ich wäre aber nie auf die Idee gekommen, die Geschlechterrollen zu tauschen. Dass sie die Spielerin ist und der Mann der Spielermann. Dann müsste man bewusst damit spielen und es dann überzeichnen. Und trotzdem funktioniert das dann auch nur über das gleiche Grundklischee der doofen Spielerfrau. Ein Schwank lebt sehr von Klischees. Und ich bringe gerne Leute zum Lachen.

Gute Unterhaltung zu schreiben oder wirklich Lustiges, ist schwieriger. Trauriges zu schreiben, ist leichter.

Ich probiere gerade auch viel aus. Meine Kurzgeschichten sind eher düster. Nächstes Jahr erscheinen im Kaufmann Verlag zwei Kinderbücher von mir. Das sind Auftragsarbeiten. Der Verlag wollte die biblische Ostergeschichte aus Sicht eines Esel erzählt bekommen. Zu Weihnachten erscheint auch eins.

Im echten Leben sind Sie Physiotherapeutin?

Genau. Nach meinem Abitur am Hanns-Seidel-Gymnasium habe ich die Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht. Ich wollte in einem Studium nicht die Lust am Schreiben verlieren. Außerdem mag ich Sicherheit und ein festes Einkommen. Es ist ein schöner Beruf. Er hat ein paar Schattenseiten, im System könnten ein paar Sachen verbessert werden. Aber die Arbeit mit den Patienten ist toll. Ich bekomme viel Inspiration, weil die Patienten mir viel erzählen. Ich benutze die Geschichten nicht, überlege aber oft: Wie wäre die Situation gewesen, wenn es anders ausgegangen wäre?

Wie kam der Kontakt zum Deutschen Theaterverlag zustande?

ch habe das Manuskript meines ersten Stücks an verschiedene Verlage geschickt. Der Deutsche Theaterverlag war interessiert.

Wie viel verdienen Sie pro Stück?

Das ist unterschiedlich. Ich bekomme Geld pro Aufführung und pro verkauftes Manuskript. Die Theatergruppen bezahlen Gebühren an den Theaterverlag, davon bekomme ich die Hälfte.

Wie viel ist das?

Die Gruppen müssen pro Aufführung zehn Prozent ihrer Einnahmen bezahlen, aber mindestens 70 Euro. Die Hälfte davon bekomme ich. Das heißt, jedes Mal, wenn es gespielt wird, bekomme ich mindestens 35 Euro. Fünf Gruppen haben das Stück »Der Enkeltrick« gespielt. Auch in Österreich in Ladis. Bei drei Gruppen habe ich bei den Aufführungen zugeschaut.

Wie war das so?

Toll. Ich war sehr aufgeregt, wie die das machen und ob es den Zuschauern gefällt. Zwei Gruppen wussten, dass ich im Publikum sitze. Die Schauspieler waren aufgeregt, weil ich da war und haben sich geehrt gefühlt. Dabei sehe ich mich gar nicht in der Rolle, ich war selbst so aufgeregt. (lacht)

Ist bestimmt spannend, zu sehen, was ein Regisseur aus Ihrem Text macht.

Ist es. Ich habe das Stück dreimal gesehen und es war jedes Mal anders. Die Gruppen spielen das Stück meist in ihrem örtlichen Dialekt. Je nachdem, wo ich das anschaue, muss ich schauen, ob ich das dann verstehe. (lacht) Ich habe noch nie gedacht: Oh Gott, was haben die aus meinem Stück gemacht? Oft erlebe ich schöne Überraschungen. In »Der Enkeltrickbetrug« gibt es eine Szene, da muss ein Mann seiner Tochter sagen, dass er ihr Vater ist. Die Gruppe hat das so umgesetzt, dass er sehr aufgeregt ist, erst sein Asthmaspray inhaliert und dann sagt: »Ich bin Dein Vater!«

Wie Darth Vader in »Star Wars«?

Ja. Das fand ich super umgesetzt.

Zur Person: Hanna Goldhammer

Hanna Goldhammer (24) aus Straßbessenbach (Kreis Aschaffenburg) ist hauptberuflich Physiotherapeutin und hat im Oktober ihr drittes Theaterstück im Deutschen Theaterverlag veröffentlicht. Nach »Der Enkeltrickbetrug« (2018) erschienen dieses Jahr »Wette Wette Viererkette« und »Chaos, Kohle, Karneval«. Theatergruppen haben »Der Enkeltrickbetrug« unter anderem in Ladis in Österreich, Kressbronn am Bodensee und in Wolpertswende (Baden-Württemberg) aufgeführt. Dann kam die Pandemie und die Theaterbühnen waren verwaist. Die Zeit nutzte die ehemalige Leistungsturnerin, die in Hösbach wohnt, auch zum Schreiben. Neben den zwei Stücken schrieb sie für Kinder die biblische Ostergeschichte aus Sicht eines Esels erzählt. Die Auftragsarbeit erscheint im Frühjahr im Kaufmann Verlag. ()

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