Hymnen auf die Freiheit

Claudia Koreck gastiert mit ihrer Band im Aschaffenburger Colos-Saal

Aschaffenburg
2 Min.

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So viel Eu­pho­rie ist sel­ten: Schon bei den ers­ten Tö­nen der Clau­dia-Kor­eck-Be­g­leit­band ist das Pu­b­li­kum im Aschaf­fen­bur­ger Co­los-Saal aus dem Häu­schen, springt der Fun­ke von den Mu­si­kern auf die Zu­hö­rer über.

Nach der

lähmenden Corona-Zwangspause der vergangenen eineinhalb Jahre ist im endlich

wieder einmal voll besetztem Konzertsaal fast so etwas wie Dankbarkeit zu

spüren: Endlich wieder richtige Live-Atmosphäre ohne Einschränkungen, wie es in

einem scheinbar früheren Leben doch eigentlich normal war. Musik die körperlich

zu erleben ist. Eine Lightshow, die diese Bezeichnung verdient. Und: Die

Musiker können wieder in offene Gesichter schauen. Oder wie es Claudia Korecks

siebenjährige Tochter einst formulierte: »Ich will wieder mal fremde Haut

riechen.«

»Auf die Freiheit«, der Titel ihrer vor zwei Jahren erschienenen CD ist da so

etwas wie Programm. Die 3-G-Regel (geimpft, genesen,getestet) lässt zu, was vor

wenigen Wochen noch einen handfesten Skandal ausgelöst hätte: Claudia Koreck

kommt zu ihrem letzten Lied von der Bühne, singt sich durch den Saal bis zum

Ausgang. Und alle sind hellauf begeistert.

So wie sich auch alle über die - vielleicht zu wenigen - Lieder ihrer neuen CD

»Perlentaucherin« freuen: Für diesen Silberling hat Claudia Koreck ein Dutzend

Lieder deutscher Interpreten eingespielt, die den Geschmack der vergangenen

Jahrzehnte geprägt haben. Nenas »Irgendwie, irgendwo, irgendwann« etwa, das im

Januar in einer Folge der TV-Serie »Bergdoktor« zu hören war und so etwas wie

eine Lawine ausgelöst hat. Die positive Resonanz nach der Ausstrahlung hat die

35-Jährige dazu veranlasst, gleich eine ganze CD mit bekannter Songs höchst

unterschiedlicher Künstler einzuspielen.

Wie die »echten« Perlentaucher hat sich die Sängerin und Gitarristin Claudia

Koreck bei der Auswahl dieses Repertoires nicht allzu weit unter die Oberfläche

begeben. Sprich: Sie hat sich Lieder ausgesucht, die sinnbildlich für die

jeweiligen Künstler stehen. Im Konzert waren das - tatsächlich auf Hochdeutsch!

- neben dem Nena-Klassiker auch »Rock me Amadeus« von Falco und »Ein

Kompliment« der Sportfreunde Stiller, auf der CD dazu noch so gegensätzliche

Titel wie »Mensch« von Herbert Grönemeyer, »Immer wieder geht die Sonne auf«

von Udo Jürgens oder »Schrei nach Liebe« von den Ärzten.

Das Risiko, das mit solchen bekannten Ohrwürmern verbunden ist, konnte sie

gekonnt umschiffen Sie hat den Liedern zwar ihren Charakter gelassen, sie aber

auf ihrer ganz eigene Art und Weise interpretiert. Vor den Originalen muss sie

sich dabei nicht verstecken.

Bei zwölf erschienenen CDs hat Claudia Koreck natürlich - von gefühlvoll bis

ausflippend - auch genügend eigenes Material für den gut zweistündigen

Konzertabend. Wobei das Energiebündel aus Traunstein sein Temperament

gelegentlich nur schwer zügeln kann. Mit ihrer Band - ihr Ehemann Gunnar

Graewert (Keyboard), Luke Cyrus Goetze (Gitarre), Andreas Bauer (Bass) und

Oscar Kraus (Schlagzeug) singt und spielt sie sich mit wehenden Haaren immer

wieder in einen Rausch, dass dabei auch schon mal eine Saite ihrer Gitarre

reißt. Das sei ihr schon lange nicht mehr passiert, gibt sie zum Besten - »erst

gestern, vorgestern und am Tag davor«.

Ihr Markenzeichen bleiben dabei neben ein paar englischen Songs vor allem die

bayerisch gesungenen Lieder. Die Lieder, die ihr - wie sie heute mit einer

gewissen Ironie in der Stimme erzählt - einst den Zugang zur Mannheimer

Popakademie versperrt haben. »Zu bayerisch« sei ihr damals gesagt worden.

Erfolgreicher war in dieser Beziehung ihr Mann, der an der von Paul McCartney

in Liverpool gegründeten Institute for Performing Arts gleich zwei Studiengänge

erfolgreich abschloss und heute auch als Produzent und Songwriter arbeitet.

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