Hat Zukunft, dieser Mann

Kabarett: Christof Spörk brilliert in »Ebenholz« in der Obernburger Kochsmühle

Obernburg
2 Min.

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Christof Spörk.
Foto: Heinz Linduschka
Er hat auch am Un­ter­main sei­ne Fans, der ös­t­er­rei­chi­sche Mu­si­ker und Ka­ba­ret­tist Chri­s­tof Spörk. Ein be­f­reun­de­tes Ehe­paar hat­te 60 Be­kann­te in die Vor­stel­lung am Sams­tag ge­lockt und da­mit für ei­ne aus­ver­kauf­te Kochs­müh­le in Obern­burg ge­sorgt - eher die Aus­nah­me bei Künst­lern, die nicht im TV prä­sent sind.
»Geworben« wurden die Besucher durch Mund-zu-Mund-Propaganda, nicht durch WhatsApp, denn diese mobile Nachrichten- und Kommunikationsplattform hat bei Christof Spörl keine guten Karten. Er bedauert: »Petting ist doch längst durch WhatsApp abgelöst.« Manchmal fühlt er sich alt, der 44-jährige promovierte Politikwissenschaftler aus der Steiermark, der sich längst für den Weg als Musiker und Kabarettist entschieden hat, und bekennt das augenzwinkernd in seinen Liedern.
»Die EU ist schuld« heißt es mit ironisiertem »gesundem Volksempfinden«, die seuchenähnliche Verbreitung von Lärmschutzwänden nimmt er im »Echolied« aufs Korn und im fast schon orgiastischen »Yeah«-Song spielt er in zahllosen Haufenreimen souverän mit dem Verhalten des Mainstream-Publikums. Da ist es nur ein kleiner Schritt bis hin zur »Touristenpolka im Jahr Eins nach dem Musikantenstadl«.
Spörk ist ein glänzender Musiker, der das Publikum mit der Steirischen Harmonika genau so begeistert wie am Keyboard, wenn er darauf zwischen Ländler, Polka, Schuhplattler, Blues und Jazz seine musikalischen Pirouetten dreht. Und ganz zum Schluss greift er endlich auch noch zu dem Instrument, das seinem dritten Soloprogramm den Titel geliefert hat: zur Ebenholzklarinette. Bei der Improvisation über »Somewhere over the rainbow« zeigt er dann Qualitäten, mit denen er problemlos ein Stockwerk unter der Kleinkunstbühne als Solist bei einem Klassikkonzert der Obernburger Musikschule auftreten könnte.
Suche nach dem roten Faden
Wenn man Spörk eines nicht vorwerfen kann, dann ist es Berechenbarkeit und die penetrante Suche nach einem roten Faden. Der Programmname ist ein Beispiel für die manchmal leicht chaotische Kreativität, die seine Auftritte prägt, denn »Ebenholz« spielt nun wirklich kaum eine Rolle. Aber was soll‘s? Christof Spörk ist so sympathisch, hat so gute Einfälle, geht so spontan auf Publikumsreaktionen ein und ist zu jeder Sekunde in der Lage, die Zuhörer mit skurrilen Text- und Musikeinfällen zu verblüffen, dass in den 90 Minuten keine Sekunde Langeweile in der Kochsmühle aufkam.
Denn langweilig ist ein Programm wirklich nicht, wenn in einem Song die Tiere beklagen, dass die Menschen nicht artgerecht leben, wenn schnell klar wird, dass die Karriereleiter sich in den meisten Fällen bei genauem Hinschauen als Hamsterrad entpuppt, wenn in einer »Popballade aus der Sicht einer Frau« der Ehestreit in die existenzielle Drohung mündet: »Mach dich nie wieder über mein I-Phone lustig!« und Umweltschutz im satirischen »Werbeslogan« daherkommt: »Schneekanonen machen Schnee beim wärmsten Föhn. Wir sagen euch ein Dankeschön!« Und wenn dann noch in der Einmannshow des tollen Musikers durch Loops eine kleine Kapelle auf die Bühne der Kochsmühle gebeamt wird und die Zuschauer mit dem »Erwartungshaltung-Trick« auch noch mit konkreter Lebenshilfe in den Alltag entlassen werden, dann ist klar: Spörk bietet kein traditionelles Kabarett, aber eines mit Zukunft.
HEINZ LINDUSCHKA
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