Gentleman und Drummer: Charlie Watts wird 75

Geburtstag: Mick Jagger dominiert die Bühne, doch die Seele der Rolling Stones ist der elegante und zurückhaltende Schlagzeuger

London
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Charlie Watts
Der Schlagzeuger der Rolling Stones: Charlie Watts. Foto: Ennio Leanza (dpa)
Foto: Ennio Leanza (KEYSTONE)
»Sil­ly old farts«, dum­me al­te Für­ze, nennt Char­lie Watts sei­ne Rol­ling-Sto­nes-Kol­le­gen manch­mal, denn ei­gent­lich wür­de er sei­ne Wo­che­n­en­den lie­ber mit Jazz-Mu­sik ver­brin­gen als um die Welt zu tou­ren. Auf den ers­ten Blick wirkt er fast zu spie­ßig für die Sto­nes: An­zug­trä­ger, zu­rück­hal­tend, edel, mit ge­schul­tem Au­ge für gra­fi­sche De­tails - und ein Drum­mer aus Lei­den­schaft.
Im vergangenen Jahr verriet er via Twitter: »Sogar wenn ich in einer Bar mit nur zwei Leuten spiele, habe ich Schmetterlinge im Bauch, sobald ich an meinem Schlagzeug sitze.« Diesen Donnerstag feiert der wohl eleganteste Schlagzeuger der Rockmusik seinen 75. Geburtstag.
Mit zehn entdeckt der kleine Charlie Platten von Miles Davis und John Coltrane, und damit seine Liebe zum Jazz und Blues: »Ich habe Charlie Parker immer bewundert, bis heute«, sagt er dem britischen Blatt »Daily Telegraph«. »Aber der erste, dessen Spiel ich bewusst gehört habe, war Baritonsaxofonist Gerry Mulligan, und das Stück war ›Walking Shoes‹ mit Chico Hamilton am Schlagzeug. Deshalb wollte ich Schlagzeug spielen.« Der Beginn einer jahrzehntelangen Schlagzeugerkarriere mit diversen Jazz-, Blues- und Boogie-Woogie-Formationen - und eben den Rolling Stones.
Gut bezahlter Job als Grafiker
Weil sich keiner mehr erinnern kann, hat man sich als Gründungstermin auf den ersten Auftritt im legendären Londoner Marquee-Club am 12. Juli 1962 geeinigt. Charlie Watts kommt erst ein halbes Jahr später dazu, am 12. Januar 1963 im Ealing Blues Club. Er hat damals einen gut bezahlten Job als Grafiker und lässt sich erst ködern, bei den Stones einzusteigen, als sie mit ihren Auftritten Geld verdienen. Obwohl er schon da mit Hingabe abends und am Wochenende Jazz spielt.
Die Entscheidung hat sich bezahlt gemacht, musikalisch und finanziell. Die Stones hätten das Glück gehabt, viel Geld für Zeit im Studio ausgeben zu können, sagt er ein halbes Jahrhundert später.
Im Gegensatz zu Mick Jagger und Keith Richards vermeidet Watts das Rampenlicht. Als Jazzmusiker schätzt er musikalische Kollaboration und schweißt die Band zusammen - nicht nur, wenn er den Rhythmus auf der Bühne vorgibt, sondern auch wenn sich Jagger und Richards über Jahre hinweg immer wieder verkrachen.
Man sieht es ihm zwar nicht an, aber auch Watts hat harte Jahre hinter sich - mit Alkohol und Heroin. 2004 übersteht der frühere starke Raucher eine Kehlkopfkrebserkrankung; laut »Times« raucht er nicht mehr, trinkt nun am liebsten Kaffee. Seit 1964 ist er mit derselben Frau verheiratet, der Künstlerin Shirley Watts, mit der er eine erwachsene Tochter hat.
Keine Lust mehr auf Festivals
Dennoch merkt man dem leicht zerknitterten Edel-Rocker mit dem weißen Haar allmählich das Alter an. Im vergangenen Oktober sickerten Zusatzklauseln für ihre jüngste Welttournee durch: Unter anderem verlangen die Stones schriftliche Gebrauchsanleitungen für alle elektronischen Geräte in ihren Hotelzimmern, berichtete die amerikanische Entertainment-Plattform »TMZ« amüsiert. Da passt auch, dass Charlie Watts angeblich kein Handy besitzt und keine Lust mehr hat auf Open-Air-Festivals. Sein Wochenende stelle er sich anders vor. Deutsche Presse-Agentur (DPA)
Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!