Filmmogul »Atze« Brauner stirbt mit 100

Kino: Holocaust-Überlebender drehte gegen das Vergessen - Viele Kassenschlager

BERLIN
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Er hat den deutschen Nachkriegsfilm geprägt: Artur Brauner, hier mit Tochter Alice, starb am Sonntag im Alter von 100 Jahren in Berlin. Archivfoto (2016): Britta Pedersen (dpa)
Foto: Britta Pedersen
Bei ihm stan­den sie al­le vor der Ka­me­ra: Ro­my Schnei­der, Son­ja Zie­mann, Heinz Rüh­mann, O.W. Fi­scher, Pe­ter Alex­an­der und Ca­te­ri­na Va­len­te. Film­pro­du­zent Ar­tur Brau­ner präg­te mit sei­ner Ber­li­ner Cen­tral Ci­ne­ma Com­pa­ny den deut­schen Nach­kriegs­film.

Der Mann mit dem Menjou-Bärtchen und der sorgfältig gewählten Garderobe galt als Inbegriff des eleganten Filmmoguls - und als unermüdlicher Kämpfer gegen das Vergessen. Am Sonntag starb Brauner im Alter von 100 Jahren in Berlin, wie seine Familie bestätigte.

»Atze«, wie ihn seine Freunde nannten, liebte öffentliche Auftritte mit seiner Frau Maria (1925-2017) und fehlte jahrzehntelang bei keinem gesellschaftlichen Ereignis in Berlin. Er war zu Hause in der glamourösen Filmwelt.

Doch bis zuletzt war Brauner auch ein Mahner wider das Vergessen. Als Holocaust-Überlebender, der 49 Verwandte durch die Verbrechen der Nazis verlor, kämpfte er für das Andenken der ermordeten Juden.

In Lodz geboren

»Ich lebe manchmal stundenlang in der Vergangenheit«, sagte Brauner einmal. Oft habe er Alpträume, erzählte der am 1. August 1918 im polnischen Lodz als Sohn eines jüdischen Holzgroßhändlers geborene Produzent.

Viele seiner Filme erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus: »Morituri« (1948), »Hitlerjunge Salomon« (1990), »Babij Jar« (2003), »Der letzte Zug« (2006) und eines seiner letzten, gemeinsam mit seiner Tochter Alice produzierten Werke »Wunderkinder« (2011) über den Einmarsch der deutschen Wehrmacht in der Ukraine. Brauner überlebte den Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion.

1946 kam er nach Berlin und gründete im selben Jahr seine CCC-Filmgesellschaft. Als »Hans Dampf in allen Gassen« war Brauner alles in einem: Atelierchef, Dramaturg, Besetzungsboss und Buchhalter.

Bald standen die großen Stars der deutschen Unterhaltungsbranche in seinen Studios in Berlin-Haselhorst vor der Kamera. Brauner schuf ein kleines Hollywood in Deutschland. Mehr als 700 Kinofilme und TV-Produktionen entstanden dort - darunter auch viele leichte, bisweilen seichte Unterhaltungsstreifen.

Die Karriere von »Atze« gipfelte in den 50er und 60er Jahren in Filmen wie »Der brave Soldat Schwejk«, »Der Tiger von Eschnapur«, »Mädchen in Uniform« und vielen Filmen mit Peter Alexander und Caterina Valente.

Brauner gilt neben Produzent Horst Wendlandt außerdem als Vater der Karl-May-Filme. Von »Der Schut« bis »Old Shatterhand« mit Lex Barker und Pierre Brice verfilmte er in den 60er Jahren viele der Abenteuerromane.

Anfang der 70er Jahre drohte die Fernsehkonkurrenz, den mächtigsten deutschen Produzenten in den Ruin zu stürzen. Die berühmten CCC-Studios hielten nur noch einen Notbetrieb aufrecht. Seit den 80er Jahren konzentrierte sich Brauner dann auf politische und sozialkritische Produktionen.

»Hitlerjunge Salomon«

So entstand 1990 »Hitlerjunge Salomon« von Agnieszka Holland. Die auf einer wahren Begebenheit beruhende Geschichte eines jüdischen Jungen, der die Nazi-Zeit überlebte, weil er sich als Hitler-Junge ausgab, stieß im Gegensatz zu Deutschland in den USA auf große Zustimmung. Das Drama gewann einen Golden Globe, wurde von der deutschen Auswahlkommission aber nicht für einen Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Das schmerzte Brauner bis zuletzt.

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