Erste Eva, zweite Eva - was nun?

Wechselausstellung: Frankfurts Jüdisches Museum zeigt die "weibliche Seite Gottes"

FRANKFURT
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Datierung: um 1920, Material/Technik: Gemälde / Tempera auf Holz, Höhe x Breite: 98,0 cm x 93,7 cm, Inventar-Nr.: SG 1156, , Artist: Franz von Stuck , Copyright: bpk / Städel Museum
Foto: Städel Museum
Wes­halb soll Gott aus­ge­rech­net ein Mann sein? Vi­el­leicht ist Gott ei­ne Frau, vi­el­leicht bei­des in ei­nem? Ei­ne gu­te Fra­ge in frau­en­be­weg­ten Zei­ten. Aber die Bi­bel schei­det als Rat­ge­ber aus, sie stif­tet nur Ver­wir­rung.

So heißt es in der Schöpfungsgeschichte: "Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie." Aber wenig später ist Adam der erste Mensch, der immerzu allein ist und von Gott einen zweiten Menschen zur Seite bekommt - Eva, geschaffen aus Adams Rippe.

Diese zwei Bibelstellen widersprechen sich eklatant. Doch dieses Dilemma umschifften die jüdischen Gelehrten elegant. Immerhin vertreten sie die älteste der drei Religionen, die an nur einen Gott glauben. Die Gelehrten meinten, vor der Eva aus Adams Rippe habe es schon eine erste Eva gegeben, die sich aber partout nicht unterwerfen wollte und sich schließlich zur männerverschlingenden Dämonin Lilith gewandelt habe.

So konnte die zweite Eva bleiben, zugleich wurde der zweigeschlechtliche Gott unmöglich gemacht - eine Dämonin kann keine Göttin sein. Die christlichen Schriften übernahmen zwar nicht diese Auslegung, jedoch die Idee der verführerischen Frau. Aber, um die Verwirrung komplett zu machen: Wenn Gott laut erster Bibelversion zweigeschlechtlich ist, dann müssen es ja auch die Menschen nach seinem Abbild sein. Was nun?

Hilfe verspricht das erst kürzlich wiedereröffnete Jüdische Museum Frankfurt, dass jetzt im Neubau seinen unterirdischen, rund 650 Quadratmeter großen Saal für Wechselausstellungen einweiht mit "Der weiblichen Seite Gottes", so der Titel der Schau. Sie verbindet kulturhistorische Spuren von Göttinnen in den drei großen monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam mit Darstellungen der bildenden Kunst - ein Überblick von antiken Figurinen bis zu heutigen Werken.

Vor drei Jahren war die Schau bereits in Österreich zu sehen, jetzt wurde sie mit vielen Exponaten aus der bildenden Kunst erweitert. Schon im alten Israel wurde zwar der Monotheismus propagiert, aber zahllose Gläubige beteten auch zu bestimmten Göttinnen, die nicht nur für Fruchtbarkeit zuständig waren, wenn es mal nicht gleich mit dem Nachwuchs klappte.

Aber die Schau zeigt auch die Gemeinsamkeiten zwischen Judentum, Christentum und Islam. So wurde in Ägypten die Isis als Göttin der Geburt und Wiedergeburt, aber auch des Todes verehrt; später übernahm das die griechisch-römische Kultur. Die oft als stillende Mutter dargestellte Isis wurde zum Vorbild für die christliche Maria, die Jesus die Brust gibt. Und die verführerische Eva ist auch ein dankbares Thema für Künstler, wie Franz von Stucks Gemälde aus der Zeit um 1920 belegt.

Freilich sorgten fromme Schwärmereien dafür, dass die Frau doch ebenbürtig neben Gott und Jesus war. Am schönsten zeigt das eine Schreinmadonna aus dem 15. Jahrhundert. Die knapp 80 Zentimeter hohe Holzfigur trägt das Jesuskind auf dem Arm, ihren Bauch kann man jedoch aufklappen - und erblickt zuoberst eine Taube für den Heiligen Geist, darunter Gottvater, der ursprünglich seinen gekreuzigten Sohn in den Armen hielt.

Der Sohn ging zwar später verloren, aber auch so erscheint die Gottesmutter als Urgöttin, die Gottvater und Jesus gebiert. Das war damals Ketzerei. Und heute? Vielleicht ist doch mehr dran an den biblischen Worten vom zweigeschlechtlichen Gott.

Bis 14. Februar; geöffnet Dienstag und Donnerstag 10 bis 21, Mittwoch und Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Internet: www.juedischesmuseum.de

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