Eröffnung im Bann der Natur

Fränkische Musiktage:Gegensätzliche Werke zum Thema »Pastorale« im Kulturforum Alzenau

Alzenau
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Mit ei­ner glän­zen­den, aber auch opu­len­ten, 130 Mi­nu­ten am Stück dau­ern­den Ver­an­stal­tung wur­de die 46. Aufla­ge der Frän­ki­schen Mu­sik­ta­ge am Frei­ta­g­a­bend im Kul­tur­forum Al­zenau er­öff­net.

Die Musiktage haben sich mittlerweile zum ältesten Musikfestival in der Metropolregion Frankfurt Rhein-Main entwickelt, wie Vorsitzender Jörn Weipert informierte. 50 Musikerinnen und Musiker wirken heuer bei 15 Veranstaltungen mit. Wie bereits im vergangenen Jahr verteilten sich die Besucher im Kulturforum auf drei Etagen, um den Anforderungen in der Pandemie gerecht zu werden.

Idyllisches Leben

Das diesjährige Thema lautet »Pastorale« und wurde im Eröffnungskonzert eindrucksvoll und vielschichtig interpretiert. Hochkarätige Ausführende waren zum einen die Vocalsolisten Frankfurt sowie Violinistin Franziska Hölscher mit einem elfköpfigen und von ihr geleiteten Ensemble vom Music Campus Frankfurt RheinMain. Als Pastorale bezeichnet das Programmheft »einen zentralen Menschheitstraum - das behütete Leben in idyllischen Verhältnissen«. Wie unterschiedlich Komponisten wie Igor Strawinsky (vor 50 Jahren gestorben) oder Darius Milhaud diese Erklärung musikalisch inszenierten, veranschaulichten sowohl Strawinskys Pastorale für Sopran und Kammerensemble in inniger Attitüde als auch die drei in krasser Diskrepanz dazu stehenden Sätze von Milhauds Petite symphonie op. 49 »Pastorale«.

Den musikalischen Höhepunkt stellte eine Neu-Interpretation von Ludwig van Beethovens »Pastorale«-Symphonie dar. Die Fassung für Vokal- und Kammerensemble auf Texte von Friedrich Hölderlin (Doppel-Jubiläum: jeweils 250. Geburtstag von Hölderlin und Beethoven im Jahr 1770 - wegen Corona nachgeholt) stammt von M.G. Fischer und Gerhard Müller-Hornbach. Auf beeindruckende Weise wurde hier Natur musikalisch erlebbar gemacht, seien es menschliche Emotionen im berühmten ersten Satz (»Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande«) oder heftige Naturereignisse wie Gewitter und Sturm (»Wenn ich fern auf nackter Heide wallte«).

Die Sänger und Musiker zogen das Publikum in den Bann der Natur, ließen ein beglückendes Miteinander hören und zeichneten sich durch makellos-erfrischende Einsätze aus. »So ist die ganze Natur nothwendig eine Wirkung der höchsten Weisheit« schrieb Beethoven in seinem Tagebuch und appellierte bereits damals zur Besinnung an ein vernünftiges Mensch-Natur-Verhältnis.

Den diesjährigen Eröffnungs-Vortrag hielt Klavier-Legende Alfred Brendel. Er feierte am 5. Januar seinen 90. Geburtstag. Brendels Vortrag »Goethe und Beethoven« widmete sich den beiden Genies in der Metapher von »zwei unvergleichlich hohen Türmen«. Auf sowohl unterhaltsame als auch fundierte Weise näherte sich der Referent den beiden Koryphäen in ihren musikalischen und literarischen Erlebnisbreiten. Er beschrieb dabei zum Beispiel auch auf humorvolle Weise das überlieferte Aussehen sowie die Charakteristik der Handschriften. Während Goethe eine »kontrollierte Handschrift« besaß, so Brendel, stieß Beethoven »an die Grenzen des Lesbaren«.

bKomplettes Programm und Tickets unter fraenkische-musiktage.de

Hintergrund: Music Campus RheinMain

Der Music Campus Frankfurt RheinMain ist ein Forum für junge Künstler der klassischen Musik, das alljährlich im Herbst die internationale junge Elite in der Rhein-Main-Region zusammenführt. Geleitet wird sie in diesem Jahr von der 1982 in Heidelberg geborenen Geigerin Franziska Hölscher, die vor zehn Jahren ihre Karriere bei den Fränkischen Musiktagen begann.

Die Teilnehmer sind ausgewählte Preisträger und Finalisten internationaler Wettbewerbe. Pandemiebedingt können in diesem Jahr nur Musiker teilnehmen, die derzeit in Deutschland leben. (dh)

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