Eintritt in eine ganz eigene Welt

Ausstellung: In »Papierwelten« zeigen drei Künstler die Faszination von Papier, das zu Kunst wird

Seligenstadt
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Objekt von Irmtraud Klug-Berninger im Kunstforum Seligenstadt.
Foto: Bettina Kneller
Werk von Rainer Storck in der Ausstellung »Papierwelten«.
Foto: Rainer Storck
Stacheliges Wesen, luftige Flugobjekte und gewichtig-leichtes Buch: Werke von Anna Bludau-Hary (links und rechts) und Irmtraud Klug-Berninger (Mitte) im Gewölbe der Galerie Kunstforum in Seligenstadt. Fotos: Bettina Kneller
Foto: Bettina Kneller

Wir machen uns darauf Notizen. Wir bekommen auf ihm Rechnungen. Wir erhalten darauf Zeugnisse. Papier ist ein Gebrauchsgegenstand. Für gewöhnlich. Es geht aber auch anders. Dass man aus Papier durchaus mehr als das Übliche machen kann, zeigen drei Künstler derzeit in »Papierwelten« in der Galerie Kunstforum in Seligenstadt (Kreis Offenbach).

Eine davon kommt aus unserer Region und ist so etwas wie eine Meisterin dieses Fachs: Irmtraud Klug-Berninger aus Obernburg (Kreis Miltenberg). Die 1944 geborene Künstlerin beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Papierkunst. Das Buch hat sie seit jeher zu den meisten ihrer Papierobjekte inspiriert. Viele ihrer Werke auch in Seligenstadt nehmen auf das Buch Bezug. Beispielsweise »Palimpsest« oder »Gelbe und rote Seiten«: Aufgefächerte Seiten, die durchscheinend sind und mit farbigen Einsprengseln aus Bildern und Texten versehen sind. Wie kostbares Pergament mit Buchmalerei aus dem Mittelalter wirkt das - modern interpretiert. Die Technik, die Klug-Berninger dafür verwendet, ist sehr aufwendig. Altes Wissen, alte Geschichten werden neu erzählt, so scheint es dem Betrachter. So hauchzart auf der einen Seite, so gewichtig sind sie auf der anderen.

Lyrisch, poetisch

Es sind lyrische, poetische Objekte, die zum Entdecken einladen und gleichzeitig zum Nachdenken über den Wert von Büchern und Geschriebenem. In Zeiten der Digitalisierung gewinnen Klug-Berningers Objekte daher noch mal mehr an Bedeutung.

Ähnlich, aber doch ganz anders wirken Anna Bludau-Harys Objekte, für die die Künstlerin japanisches Washipapier, Seidenpapier und dünnen Draht verwendet. Das verbindet sie zu Kokons, die sich an Wände heften. Oder zu Wolken, die sich durch den Raum ziehen. Und zu Käfern, die sich ihren Platz in der Galerie gesucht haben. Es sind hauchzarte Gebilde, so fragil und leicht. Der Draht bildet Rostspuren auf dem Papier. So wirken die Objekte transparent, was ihnen noch mal mehr Leichtigkeit verleiht.

Von innen beleuchtet

Manche der Kunstwerke der 60-jährigen aus Köln stammenden Künstlerin sind auch von innen beleuchtet. Was den Eindruck erweckt, dass die Objekte auf den Tischen und an den Wänden zu schweben scheinen.

Bludau-Harys Themen sind eindeutig in der Natur verhaftet. Es sind Strukturen, die man aus der Natur kennt und dort findet: das Gegliederte einer Raupe, das Facettierte eines Insekts findet sich auf den Oberflächen ihrer Kunstwerke wieder. Der Verweis auf die Verletzlichkeit von Natur wird bei der Künstlerin zu einer hauchzarten Bitte, sie zu schützen.

Der Mann im Bunde der drei Künstler in Seligenstadt ist Rainer Storck. Er arbeitet am minimalistischsten. Aus Schichten verschiedener Papiere baut er seine Bilder. Der gebürtige Düsseldorfer, der seit 2007 sein Atelier in Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz hat, formt aus Papieren unterschiedlicher Dicke und Qualität Landschaften, Bühnen, Einblicke in Räume. Mit wenigen Strichen Farbe betont er mal hier, mal dort etwas. Besonders seine kleinen Arbeiten beeindrucken. Ein Sonnenaufgang in den Bergen, ein Tag auf dem Land, ein Sommerabend am Meer, ein Blick über den See auf das andere Ufer, die Ansicht eines Gebäudes in der Stadt. Es sind Impressionen - und könnten für einen anderen Betrachter auch etwas ganz anderes meinen. Storck überlässt es jedem selbst, was er in seinen Werken erkennen möchte.

Papier ist vielfältig - und mehr als nur ein Gebrauchsgegenstand. Dass es ein Mittel für den Eintritt in eine ganz eigene Welt sein kann, wird in Seligenstadt in »Papierwelten« deutlich. Mehr als einmal.

Informationen zur Schau

»Papierwelten«:

Ausstellung in der Galerie Kunstforum im Alten Haus, Frankfurter Straße 13, Seligenstadt; Telefon 06182/924451; Internet www.kunstforum-seligenstadt.de

Bis 12. Dezember geöffnet Freitag, Samstag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

Rund 70 Werke auf drei Stockwerke verteilt von Irmtraud Klug-Berninger aus Obernburg, Anna Bludau-Hary aus Worms und Rainer Storck aus Bad Kreuznach sind in der Ausstellung zu sehen; weitere Informationen zu den Künstlern unter www.klug-berninger.de

www.annabludau.de

www.rainerstorck.de

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!