Eine Kunstform, die nie perfekt sein kann

Lena Försch: Die Organisatorin des Würzburger Improvisationstheater-Festival über die Verletzlichkeit des Genres

WÜRZBURG.
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Lena Förtsch Organisatorin des 17. Würzburger Improtheaterfestivals Bildunterschrift 2018-10-25 --> Lena Förtsch begann bereits als Teenager von 15 Jahren mit dem Improvisationstheater. Foto: Michaela Schneider
Foto: Michaela Schneider
Es gilt als ei­nes der äl­tes­ten Events inn­er­halb der eu­ro­päi­schen Sze­ne: das Würz­bur­ger Im­pro­thea­ter-Fes­ti­val. Vom 25. bis 28. Ok­tober wer­den heu­er zum in­zwi­schen 17. Mal Im­pro­vi­sa­ti­ons­künst­ler aus zahl­rei­chen Län­dern an fünf ver­schie­de­nen Spie­l­or­ten in der Stadt am Main auf­t­re­ten. Zu­dem seit Jah­ren zen­tra­ler Kern des Fes­ti­vals:

Workshops für die Schauspieler. Bereits seit 13 Jahren tritt Lena Försch, gerade einmal 28 Jahre jung, regelmäßig in verschiedenen Impro-Ensembles auf inklusive Gastauftritten im Ausland. Seit 2009 ist sie festes Ensemblemitglied der Würzburger Improtheater-Gruppe »Der Kaktus«. Im Interview spricht die Festival-Mitorganisatorin über den besonderen Reiz des Improtheaters und verrät, weshalb es auch für Schauspieler einen Verhaltenskodex braucht.

Frau Försch, erstmals mit Improvisationstheater zu tun hatten Sie als Schülerin in einem Workshop - und kamen danach nicht mehr davon los. Warum?

Ich war von Anfang an vom permanenten Risiko begeistert, in dem man sich bewegt. Die Zuschauer wollen dieses Risiko sehen. Das ist ein Weg, den man im realen Leben oft nicht gehen kann.

Auf YouTube gibt es ein Video von Ihnen mit dem Titel »Was uns Improvisationstheater für den Alltag lehrt«. Darin sagen Sie auch, Improvisationstheater lehre Demut. Wie meinen Sie das?

Improvisationstheater lehrt, sein Ego loszulassen. Man darf als guter Improvisationskünstler auf der Bühne nicht an allen eigenen Ideen festhalten wollen. Ein Prinzip lautet: Sag ja; akzeptiere was von deinem Spielpartner kommt; bringe weitere Ideen ein. Folgender Gedanke bereichert mein Leben sehr: Zuhören bedeutet die Bereitschaft zu Veränderungen. Auch ist Improvisationstheater ein tolles Training, Verletzlichkeit zuzulassen. Erste Regel des Improvisationstheaters: Habe den Mut zu scheitern.

Wie lehren Sie diesen Mut zum Scheitern, wenn Sie Improvisationstheater unterrichten?

Gebe ich Workshops für Neulinge, spielen sie häufig erst einmal negativ oder negierend. Das ist ein Stück weit Selbstschutz. Ich sage dann: Geht positiv ran, seid verletzlich! Das Publikum will auf der Bühne Menschen sehen, die fehlbar sind. Und das Improvisationstheater ist eine Kunstform, die nie perfekt sein kann. Ich arbeite in Workshops gerne mit lustigen Spielen, die jeden einmal - salopp gesagt - blöd aussehen lassen. Dabei merke ich immer wieder: Die Teilnehmer haben Spaß, das Bedürfnis ist eigentlich groß, nicht ständig perfekt aussehen zu müssen.

Wie viel echte Improvisation sehe ich als Zuschauer auf der Bühne, wie viel ist Absprache?

Nehmen wir als Beispiel den »Maestro« als zentrales Element unseres Würzburger Improtheater-Festivals am Eröffnungsabend. Dabei handelt es sich um einen Schauwettkampf um die Gunst des Publikums. Das Gerüst steht: Jemand führt Regie, zehn bis 14 Spieler treten an und werden in verschiedene Szenen gelost, das Publikum kann sich durch spontane Zurufe einbringen und stimmt durch Applaus über die Szenen ab. Wie dieses Gerüst dann aber gefüllt wird, ist völlig offen. Alles was nun passiert ist Improvisation.

Beim Impro-Festival wollen Sie verschiedene Kunstformen des Genres zu zeigen. Zum Beispiel?

Einen Fokus legen wir heuer mit der Show »The Bechdel Test« auf Frauenbilder. Sie will in improvisierten Geschichten komplexe weibliche Figuren erforschen. Den Bechdel Test gibt es wirklich. Er wurde in den 80er-Jahren entwickelt, erforscht wurden Frauenrollen im Film mit dem Augenmerk auf der Frage, ob zwei Frauen vorkommen, die miteinander sprechen und dabei andere Themen haben als Männer. Nur eine überraschend niedrige Zahl an Filmen bestand. Ganz anderes wird das Publikum zum Beispiel bei »Europe 2121« erwarten. Ein Kollektiv von Schauspielern, Tänzern und Musikern beschäftigt sich in einer improvisierten Performance aus Bewegung, Musik und Wort mit einem Europa, das zu großen Teilen unbewohnbar geworden ist - ob durch Krieg, Klimawandel oder wirtschaftlichen Zusammenbruch. Auch haben wir zum Beispiel eine Kindershow im Programm, diese ist aber bereits ausverkauft.

b Tickets im Vorverkauf in Würzburg im Jugendkulturhaus Cairo, H2O, in der Kellerperle, im Nähcafé Edeltraud, im B-Hof und bei Zeychen&Wunder. Festival-Hotline Telefon 0931/416933. Online-Vorverkauf sowie das Programm auf der Festival-Website www.improtheaterfestival.de.

MICHAELA SCHNEIDER
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