Die Wunder der Mondscheinsonate

Konzert: The OhOhOhs auf Sommerwiese vor Jahrhunderthalle Frankfurt - Sopranistin Maja Bader als Gast

FRANKFURT
2 Min.

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Kann es an­ge­hen, dass ein Stu­dent der Frank­fur­ter Mu­sik­hoch­schu­le zwar tags­über der klas­si­schen Kla­vier­li­te­ra­tur nach­geht, je­doch in sei­ner Frei­zeit in ei­ner Band Punk spielt und beim abend­li­chen Gang in die Dis­ko­thek zu Tran­ce und Tech­no auf der Tanz­fläche um­her hüpft? Es kann!

Florian Wäldele handhabt seither nicht nur virtuos den Flügel, sondern zeigt auch Expertise beim Sampling am Synthesizer und rockt als Punk nicht nur im Proberaum. Zumal er auch noch über Talente als Perkussionist verfügt. Einen musikalischen Sparringspartner, den er kennt, seit er als Kind an einem Kletterkurs teilnahm, kann Florian auch vorweisen: Dessen Name lautet auch Florian, Florian Dreßler um genau zu sein. Und Florian II fühlt sich zu Hause in der Perkussions-Welt - von Soul und Funk über Downbeat und Electro bis hin zu Jazz und Latin reicht da die Palette. Sampling beherrscht er auch. Beide Florians machen schon seit Jahren gemeinsam Musik. Anfänglich Techno oder halt irgendwas Elektronisches - der Zeitgeist der Neunziger wollte es so. Doch erst jetzt, nach einigen EPs, erscheint die erste LP / CD mit einem ganz anderen Konzept von The OhOhOhs.

Fröhliche Release-Party

Ein Name übrigens, der sich von der New Yorker Band Yeah Yeah Yeahs her ableitete, ein Duokonzept, dass sich an The Black Keys und The White Stripes orientierte. Aus diesem ganz besonderen Anlass macht es Sinn, das Ereignis mit einer fröhlichen Record-Release-Party zu begehen. Gesagt, getan. Als ziemlich aufgekratzt erweist sich jene Besucherschar, die zahlreich auf der Sommerwiese der Frankfurter Jahrhunderthalle angetreten ist, um die Veröffentlichung von Album »Sturm & Drang« zu bejubeln.

Ein Titel, der auf eine Strömung der deutschen Literatur in der Epoche der Aufklärung, die etwa von 1765 bis 1785 hauptsächlich von jungen, etwa 20- bis 30-jährigen Autoren getragen wurde, verweist. Aber darüber hinaus auch die damals zeitgenössische Musik beeinflusste und inspirierte. Tatsächlich speist sich die Klangwelt von The OhOhOhs aus der Klassik - eben jener Epoche, wie schon der in Moll gehaltene wie getragen im Tempo arrangierte Titelsong zum Auftakt unterstreicht.

Um den Sound noch authentischer klingen zu lassen, baten Florian I & II das von Michael Strecker (Violine 1) geleitete Ensemble OMNIAstrings mit Ines Strecker (Violine 2), Karolina Rybka (Viola), Attila Hündöl (Violoncello) und Christian Undisz (Kontrabass) um Beihilfe. Da tönt das mehrheitlich instrumentale Repertoire, darunter Johann Sebastian Bachs »Präludium No. 2 c-Moll« sowie die in Tempo und Takt recht unterschiedlich geratenen Sätze 1 und 3 von Ludwig van Beethovens »Mondscheinsonate«, gleich umso furioser.

Zumal auch noch eine wunderschöne Stimme erklingt: Für die zeitlupenhaften Lieder »Wunder« und »Der Tod und das Mädchen« konnte das Frankfurter Gespann die wunderbare Schweizer Sopranistin Maja Bader gewinnen. Im güldenen Glitzerhosenanzug demonstriert die bildhübsche Brünette auch in jenen ruhigen Momenten dramatische Stimmgewalt.

Herrlich angejazzt

Beim Schwelgen in jenen herrlich angejazzten Klassiktönen dürften zumindest ältere Semester ein Déjà vu ereilen: Erinnert die lockere hingezauberte Melange doch häufiger mal an jenes Ensemble, das von 1959 an internationale Erfolge feiern konnte: Im Play Bach Trio, gegründet vom französischen Pianisten, Komponisten und Arrangeur Jacques Loussier mit Bassist Pierre Michelot und Schlagzeuger Christian Garros, stand das subtil verjazzte Werk Bachs im Mittelpunkt. Als sämtliche »Sturm & Drang«-Songs abgehakt sind, besinnen sich The OhOhOhs im Zugabenteil auf ihre künstlerischen Anfänge. Mit Techno-Kabinettstückchen auf einem frühen Synthesizer der Marke Yamaha SK-20 treibt Florian Wäldele das Publikum an, massiv rhythmisch unterfüttert von Florian Dreßler und dem Jubel eines längst im Partymodus befindlichen Publikums.

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