Die Welt mit weiblichen Augen sehen

Ausstellung: »Starke Frauen 2020« zeigt sieben zeitgenössische Positionen von Künstlerinnen im Aschaffenburger Kunstlanding

Aschaffenburg
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Das sind starke Frauen: Kuratorin Elisabeth Claus mit den Künstlerinnen Anne Pfeifer, Gerda Enk und Hildegard Elma (von links).
Foto: Stefan Gregor
Blick auf die Werke von Ulrike Donié (links und vorne im Bild) und Christine Fiebig (im hinteren Raum) in der Ausstellung »Starke Frauen 2020« im Kunstlanding. Fotos: Stefan Gregor
Foto: Stefan Gregor

Starke Frauen? Sind es die, die alles ertragen ohne sich zu beklagen? Oder sind es genau die, die sich wehren und laut werden? Sind es die Leisen oder die Lauten? Irgendwie klingt der Titel der neuen Ausstellung im Aschaffenburger Kunstlanding, die von Samstag an zu sehen ist, etwas überstrapaziert.

Dafür aber lässt er Spielraum - für die Künstlerinnen selbst und für die Betrachter. Denn die Bandbreite, die die drei Kuratorinnen Elisabeth Claus, Tanja Walter und Lena Giegerich vom Neuen Kunstverein Aschaffenburg in der Schau zeigen, ist groß. Sie beginnt mit fantasievollen Positionen wie jener von Ulrike Donié.

Ihre grellbunten Gemälde zeigen Strukturen, die an belebte Natur erinnern: bemooste Stämme in der Erde, Teiche, ein Stück Wiese oder Wald. Tiere, Einzeller, Insekten krabbeln darin herum. Aber Donié lässt die Bedeutung ihrer Bilder offen. Vielmehr entlarvt sie damit die Tatsache, dass uns alle archetypische Bilder einen. Dass viele in der einen Figur den Wurm sehen oder den Baum. Dennoch fasziniert der Blick auf ihre Gemälde, auf denen riesige Gräser wuchern, und ihre Skulpturen, die wie riesige Spinnen oder Heuhüpfer im Raum ruhen und auf ihren Sprung zu warten scheinen. Man fühlt sich wie ein Zwerg in einem Paradies.

Ähnlich verträumt, aber wahrhaftiger sind Christine Fiebigs Zeichnungen. Von asiatischer Tuschemalerei inspiriert sind ihre eigentlichen Motive Landschaften. In diesem Jahr aber hat sie das Märchen Rotkäppchen und der Wolf zu einer Serie angeregt, die sie nun in Aschaffenburg zeigt. Nur zeigt sie in ihren Zeichnungen nicht das Geschehen an sich, sondern ihr Blick verliert sich in Wiesen und Wäldern am Wegesrand, in denen sich die Märchenfiguren bewegen. Der Traum von Freiheit des kleinen Mädchens wird zum Alptraum. Und hinter den duftigen Blumen und zarten Zweigen lauert das Unheimliche - auch bei Fiebig.

Weniger subtil als viel mehr extrovertiert sind Gerda Enks Stratigraphien. Sie füllen eine Längsseite eines Raumes im Kunstlanding. Ein Bilderbogen von Leben, Leiden, Lieben und Lachen. Sich überlagernde Motive erzählen von der Corona-Zeit, in der die Würzburger Künstlerin zwar die Natur genoss, aber in der sie sich auch vor Krankheit und Tod fürchtete. Dieses Gefühlschaos drückt sie in ihren collageartigen Bildern aus.

Wer die Ruhe danach sucht, ist bei Hildegard Elma genau richtig. Ihre aus nur zwei Blau- und einem Rotton komponierten Gemälde nur aus senkrechten Strichen, mal wässriger, mal trockener gezogen, sind wie Meditationen für Maler wie für Betrachter. Eine ähnliche Ruhe strahlen auch Melanie Wioras Fotoarbeiten aus. Wogende Wellen, das ewige Eis. Atemberaubend und unwirklich, aber doch existierend, denn die Künstlerin hat ihre Fotografien nicht digital nachbearbeitet.

Auch der Humor kommt bei den starken Frauen nicht zu kurz. Diese Position besetzen Grit Reiss mit ihren Fotografien von Menschen, deren Köpfe in Trichtern stecken und die verrenkt auf Hockern Platz genommen haben, und Anne Pfeifer mit ihren kinetischen Klangskulpturen. Sie hüpfen an den Wänden, vollführen Tänze in Vitrinen und machen seltsame Töne dabei.

»Starke Frauen« sind sieben eindringliche zeitgenössische Positionen, die die Bandbreite des Lebens vor Augen führen - mit weiblichen Augen gesehen.

Im Überblick: »Starke Frauen« - Öffnungszeiten

»Starke Frauen 2020«: Eröffnung am Samstag, 26. September, von 14 bis 20 Uhr, Kunstlanding Aschaffenburg; bis 22. November zu sehen Dienstag 14 bis 19 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 11 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung; Internet www.kunstlanding.de

Parallel zu »Starke Frauen 2020« werden im Erdgeschoss in der Reihe »show it again« Gemälde (Color Siteplan) von Elvira Lantenhammer gezeigt, die in Schloss Homburg am Main (Kreis Main-Spessart) lebt und arbeitet. Die Künstlerin bekommt den Kulturpreis der Stadt Würzburg 2020. ()

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