Die immerwährende Rebellion

Literatur: Michael Seiterle erzählt in »Sinon der Held« griechische Geschichte neu - Einer der produktivsten Autoren im Mainviereck

Aschaffenburg
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Er ist ei­ner der pro­duk­tivs­ten Au­to­ren im Main­vier­eck, der 1977 in Köln ge­bo­re­ne und in Aschaf­fen­burg le­ben­de Mi­cha­el Sei­ter­le - und mit sei­nem nun im Ha­nau­er Co­con Ver­lag ver­öf­f­ent­lich­ten Ro­man »Si­non der Held« be­weist der haupt­be­ruf­li­che Ge­schäfts­füh­rer des Tou­ris­mus­ver­bands Spess­art-Main­land, dass er auch ei­ner viel­sei­tigs­ten ist.
Was macht einen Mensch zum Helden? Eine Frage, die uns im Medienzeitalter tagtäglich auf sehr unterschiedliche Weise beantwortet wird: Wir sehen in den Fernsehnachrichten die Aufnahmen der Namenlosen, die im syrischen Ost-Ghouta unter Bombenteppichen begraben werden und wir erleben die Tränen eines jungen Amerikaners, der dem von einem Amoklauf verursachten Tod seines Freundes den nachträglichen Sinn für eine friedlichere Zukunft zu geben versucht. In unserem Verständnis sehen wir hier Opfer - tatsächlich aber sind das die Menschen, die uns zeigen, welch Wert unser Leben hat.
Hang zum Humoresken
Michael Seiterle hat in Lyrik und Prosa gerne einen Hang zum Humoresken, zeigt sich in »Sinon der Held« aber überraschender und dankenswerter Weise sehr einfühlsam in die Gedankenwelt eines Mannes, der scheinbar keine Chance hat, eben die aber zu nutzen versucht - und eben diese Einfühlsamkeit berührt einen bei der Lektüre.
Höchst gegenwärtiger Mensch
Denn durchaus hätte sich der Autor in seiner erstmals im Herbst 2016 als E-Book veröffentlichten Interpretation des trojanischen Kriegs aus den griechischen Heldensagen auch in rein komödiantischer Weise dem Thema nähern können - was sicherlich den Lesegenuss nicht geschmälert hätte: Michael Seiterle hat in vorangegangenen Veröffentlichungen - zum Teil mit Mitgliedern des von ihm geleiteten Vereins zur Förderung der Dichtung am Untermain - bewiesen, dass er die Fähigkeit besitzt, Komödie und Drama nahezu deckungsgleich zu bringen. Seiterles erster Roman unterscheidet sich allerdings insofern von seinen anderen Werken, als Sinon sich seiner ganzen Tragik bewusst ist - und sein Witz keine achselzuckende Resignation, sondern die stille Rebellion gegen das scheinbar Unausweichliche ist.
Was zu allen Zeiten die Helden des Alltags ausmacht: Und so ist Sinon auch nicht in der Vergangenheit verortet, er ist ein höchst gegenwärtiger Mensch, der endlich den Mut findet zu erzählen, dass die Helden der griechischen Mythologie doch sehr fehlbare Charaktere waren und sich auf Kosten jenes Mannes Sinon verewigten, der tatsächlich den Trojanern die Geschichte eines scheinbar harmlosen Pferdes aufschwatzte und damit den Untergang Trojas einläutete.

bMichael Seiterle: Sinon der Held. Cocon Verlag Hanau 2018; 330 Seiten; 14,90 Euro
Stefan Reis
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