Die EAV begeistert Tausende in Lohr

Spessart-Sommer: Erste Allgemeine Verunsicherung begeistert zwei Stunden lang auf dem Lohrer Schlossplatz

Alte Herren, neue Helden
3 Min.

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Auf der Bühne gibt es gar keine Verunsicherung: Sänger Klaus Eberhartinger stand mit Hut im Mittelpunkt des Geschehens und bekam die Ovationen des Lohrer Publikums beim Openair auf dem Schlossplatz.
Foto: Ulf Kampfmeier
»Schaun wir mal nach, ob sie noch leben.« Das sagten sich nicht die Leute auf dem Lohrer Schlossplatz. Vielmehr ließ sich so Klaus Eberhartinger vernehmen, als er verschmitzt nach Erklärung suchte, weshalb so viel los war am Samstagabend rund um die Openair-Bühne. Der Sänger der Ersten Allgemeinen Verunsicherung erzählt nämlich erstens gern kleine Geschichten und zweitens kokettiert er schon ein wenig mit dem Alter.


Bilderserie, "Die EAV begeistern Tausende Fans in Lohr", Ulf Kampfmeier

Jedenfalls ist die EAV schon reichlich in die Jahre gekommen, obgleich nicht alle in der Band seit den Anfangszeiten dabei sind.

Mit 61 kommt auch Klaus Eberhartinger nicht um Zeitbetrachtungen herum. Doch Konzertauftritte machen ihn und seine Mannen allemal munter. Schließlich ist die Sommertour von EAV voll im Gange, weshalb die Gruppe eben auch in Lohr - präsentiert vom Lohrer Echo - einen Zwischenhalt einlegte. »Ihr seids das beste Publikum, das wir seit gestern gehabt haben«, streichelte der Sänger mit leichter Ironie die Bäuchlein der an die 1500 Leute auf dem Schlossplatz.
Die Musiker sind gefragt, weil sie in den letzten 30 Jahren so viele eingängige und immer noch bekannte Pop-Rock-Songs mit einer gehörigen Portion Klamauk gemacht haben. So ziemlich jeder im Publikum wollte noch einmal selber dabei sein und genau das hören. »Heute sind die da, denen das Wetter egal ist - nämlich die ältere Generation«, meinte ein Lohrer, der im Fasching schon so manches Liedchen von EAV adaptierte und nun eben das Original miterleben wollte.
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EAV-Konzert in Lohr
Foto: Ulf Kampfmeier |  37 Bilder

Guter Draht in den Himmel
Pünktlich zum Konzertbeginn hörte der Regen auf und alles war in bester Ordnung. Klaus Eberhartinger kommentierte, das sei so bestellt gewesen. EAV hat trotz bissiger Kritik an der Kirche zumindest einen guten Draht in den Himmel bewahrt. Beim Blick auf ein Werbebanner, das eine männliche Wildsau als Markenzeichen präsentierte, konnte der Frontmann nicht umhin, gut gelaunt anzumerken, dass er sich als Eberhartinger nun durchaus wohl fühle.
»In Lohr sind neue Helden da?« Heldinnen würden auch gehen, lautete die Ansage, denn »neue Helden braucht das Land mit den Köpfen tief im Sand«. Das Helden-Motiv konnten die Musiker gut hernehmen, um ein paar gesellschaftskritische Untertöne anzubringen, die mit den Liedern angeblich immer schon verbunden gewesen sein sollen. Der Blick auf Misslichkeiten wurde aktuell erweitert um die Atomkatastrophe in Fukushima und die griechische Finanzkrise samt Euro-Malaise. »Geld macht nicht glücklich«, sinnierte Klaus Eberhartinger, »speziell wenn man es nicht hat«.
Die letzte Platte von EAV ist vom Vorjahr und auf Reisen ist die Band mit einer Best-of-Show, was einen sehr weiten Spielraum lässt, um dem Publikum entgegen zu kommen. Den Leuten war das recht, denn auf Lieder wie »Ba-Ba-Banküberfall«, »Märchenprinz«, »Küss’ die Hand, schöne Frau«, »Samurai« oder »Fata Morgana« hatten sie es nämlich auf dem Schlossplatz abgesehen. Die Ohrwürmer kamen herüber wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Auch die eingeschobenen und witzig-bissigen Sprüche taten ein Übriges.
Zwar sprang der Begeisterungsfunke nicht sofort mit aller Macht über. Doch nachdem die Dunkelheit über den Schlossplatz gekrochen war, ging die Post ziemlich gut ab.
Das lag auch daran, dass die alten Herren auf der Bühne ohne Pausenunterbrechung auskamen und einfach durchspielten. Für sich genommen ist das schon eine klasse Sache. Außerdem hatten die Musiker erkennbar ihren Spaß, was deutlich ansteckend wirkte.
Am Ende der Show und nach vielen tänzelnden Einlagen zur Musik lächelte Klaus Eberhartinger zufrieden, als er sich endlich ein Handtuch über die Schultern legen und ausgelassen feiern lassen konnte: »Dideldum, dideldei - alles geht einmal vorbei.« Ein wenig abgeschafft war er schon, aber glücklich. Immerhin dauerte der Auftritt zwei Stunden und eine fette Zugabe war auch dabei. Ulf Kampfmeier

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