Bunte Spieluhr, die sich zur magischen Stunde einschaltet

Bühne: Rimski-Korsakows »Die Nacht vor Weihnachten« in der Frankfurter Oper als Operntraum

FRANKFURT
2 Min.

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Der Bär tapst auf der Büh­ne her­um. Mit­ten in ei­ner ei­si­gen Win­ter­land­schaft läuft das brau­ne Zot­tel­tier auf die zar­te Bal­le­ri­na zu, for­dert sie zum Tanz auf, ein paar Schrit­te, ein paar Dre­hun­gen ma­chen sie zu­sam­men, doch dann wen­det sie sich wie­der ab von ihm. Zwei Wel­ten be­geg­nen sich. Zwei Wel­ten, die nicht zu ve­r­ei­nen sind.

Das ist nur eines von sehr vielen poetischen Bildern, das Regisseur Christof Loy in der Oper »Die Nacht vor Weihnachten« an der Frankfurter Oper erdacht hat - und das mit dazu beiträgt einen Zauber zu entfachen, der seinesgleichen sucht.

Die Operninszenierung ist eine bunte Spieluhr, die sich zur magischen Stunde einschaltet und in die der Zuschauer hineingezogen wird. Zweieinhalb Stunden Feuerwerk auf der Bühne, das alle Register der Illusion zieht. Zweieinhalb Stunden Klangfeuerwerk im Orchestergraben und Stimmen, die einen dahinschmelzen lassen. Man kann weinen, bekommt Gänsehaut, kann lachen, schmunzeln, sich wundern.

Fliegen durch die Nacht

Die Oper von Nikolai A. Rimski-Korsakow, am 10. Dezember 1895 uraufgeführt, spielt in einem ukrainischen Dorf am Weihnachtsabend. Hexe und Teufel fliegen durch die Nacht und stehlen den Mond und die Sterne. So mystisch beginnt der Abend. Ein dunkler Kosmos mit tausenden glitzernden Sternen am Firmament und ein sonst wie in Schnee und Eis erstarrter weißer Guckkasten rahmen die Handlung (Bühne Johannes Leiacker). Der Schmied Wakula hat sich unglücklich in die schöne Oxana, die Tochter des Gutsherrn, verliebt. Sie zieht ihn auf, macht sich über ihn lustig. Er aber meint es ernst, will sie heiraten. Das verwöhnte Mädchen geht zum Schein auf seinen Antrag ein und fordert, dass Wakula ihr Schuhe der Zarin besorgen soll. Dann wolle sie ihn heiraten - wohl wissend, wie unerfüllbar ihr Ansinnen ist.

Doch Wakula schmiedet einen Pakt mit dem Teufel, der ihn nach Sankt Petersburg fliegt direkt in den Zarenpalast. Dort angekommen schenkt ihm die Zarin in Sektlaune ihre schönsten Schuhe. Und die bringt Wakula geschwind seiner Angebeteten, die ihn endlich erhört. Und dann kann es wirklich Weihnachten werden.

Marathonhafte Partitur

Der Opernabend ist in vielerlei Hinsicht ein Superlativ. Es wird viel geflogen - Flugchoreograf Ran Arthur Braun hat mit dem Ensemble Außergewöhnliches geleistet -, es wird in höchsten Tönen gesungen, in romantischster Manier musiziert - Dirigent Sebastian Weigle führt das Opernorchester zu Höchstleistungen in dieser marathonhaften Partitur - und der Chor hat viele bewegende Einsätze. Ein Traum, der einen entführt in eine Welt voller Romantik und vergessener Schönheit. Da stören noch nicht mal die folkloristischen oder derben Einsprengsel. Georgy Vasiliev als Wakula, Julia Muzychenko als Oxana oder Enkelejda Shkoza als Hexe Solocha singen und spielen mit Inbrunst.

Und wenn am Ende der Chor mit flackernden Kerzen in der Hand einen berührenden Choral anstimmt und die Kerzen in Erinnerung an Verstorbene am Bühnenrand feierlich abstellt, dann hat man einen Bildermarathon hinter sich, der einen nicht sich satt sehen hat lassen, sondern der im Gegenteil Lust auf immer mehr gemacht hat. Ein Operntraum, den man mitträumen sollte.

Informationen zum Opernbesuch

»Die Nacht vor Weihnachten« (Dauer 180 Minuten mit Pause): weitere Aufführungen am 17., 19. (15.30 Uhr), 23. (18 Uhr), 25. (15.30 Uhr), 2. (15.30 Uhr) und 8. Januar, jeweils 19 Uhr; beim Besuch gilt derzeit 2G-plus; www.oper-frankfurt.de

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