Architekturpreis für Ehepaar Scheffler

Auszeichnung: Lebenswerk von Brigitte und Ernst Ulrich Scheffler gewürdigt - Akzente gesetzt mit Bauwerken auch in Aschaffenburg

Aschaffenburg
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Der Aschaffenburger Theaterplatz mit Stadtloggia und Sonnenuhr vor dem Stadttheter. Ein Entwurf des Architektenpaares Scheffler. Foto: Stefan Gregor
Foto: Stefan Gregor
Der Antikengang im Frankfurter Museum Liebieghaus. Foto: Scheffler+Warschauer/W. Krase
Foto: Scheffler
Die Gestaltung des Veranstaltungssaals im Kurpark Hanau-Wilhelmsbad: schnörkellos und klar. Foto: Scheffler
Foto: Scheffler

Respekt vor dem Bestand als Leitmotiv für ein bald 50-jähriges Schaffen - so würdigte Wolfgang Voigt, der ehemalige stellvertretende Leiter des Deutschen Architekturmuseums, das Wirken des Frankfurter Architektenpaares Brigitte und Professor Ernst Ulrich Scheffler. Für ihr Lebenswerk wurden die beiden am Samstag in Aschaffenburg mit dem Großen Preis für Baukultur des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine (DAI) ausgezeichnet.

Dass der ausrichtende Aschaffenburger Verein die Schefflers für den Preis vorschlug, war wohlüberlegt, wie der Vorsitzende Bernd Keßler in seiner Begrüßung sagte: »Wir wollten einen Preisträger der in der Region einen Namen, aber auch eine bundesweite Bedeutung hat.« In Aschaffenburg haben die Schefflers schon Wohnhäuser gebaut und aktuell die Kita im Nilkheimer Neubaugebiet Anwandeweg. »Exquisiten Städtebau«, wie Voigt bestätigte.

Altes und Neues vereinen

Dominiert wird das Wirken jedoch vom Umbau des Theaters, der Neugestaltung des Theaterplatzes und dem Bau der Stadtloggia. Damit hätten die Schefflers »das Herz der Stadt neu modelliert«, so Voigt. In seiner Laudatio zog Voigt eine Linie von dem Umbau und der Erweiterung des Skulpturenmuseums Liebieghaus am Frankfurter Museumsufer, mit dem Scheffler 1986 den Durchbruch mit seinem kurz zuvor gegründeten eigenen Büro schaffte, und dem Haus des Buchhandels, ebenfalls in Frankfurt. Das Vorhandene respektieren, gleichzeitig aber Neues entwickeln und einfügen sei in diesen Fällen das entscheidende Element der Arbeit gewesen. Ganz so wie in der Aschaffenburger Oberstadt. Beim Umbau des Aschaffenburger Theaters habe das Paar »aufeinander abgestimmte Interventionen mit viel Feingefühl erledigt.« Besonders kritisch war die Platzgestaltung. »Einen neuen Platz zu schaffen, der angenommen wird und belebt ist, ist keine Kleinigkeit. Den Schefflers ist das rundum gelungen.«

Oberbürgermeister Jürgen Herzing (SPD) hatte bei einem Empfang am Nachmittag auf den über zehn Jahre dauernden Planungsprozess hingewiesen. In Aschaffenburg verstünden Verwaltung und Stadtrat unter Baukultur das Ringen um das beste Ergebnis. Für den Bereich Theater sei ein Kompromiss gefunden worden, der Altes und Neues vereine und in der Bürgerschaft angenommen werde. Scheffler unterstützte diese Auffassung in seiner Dankesrede. Ungeachtet aller Wandlungen bleibe die Aufgabe von Architekten immer gleich: »Zusammen mit den Bauherren Lösungen zu finden, das macht diesen Beruf so spannend wie eh und je«.

Wohnraum planen

Die Schefflers lassen sich mit ihrem umfangreichen Werk aber nicht darauf reduzieren, in einem problematischen Umfeld sensible Änderungen vorzunehmen. Zwei Beispiele für prägende Neubauten nannte Voigt. Die Deutsche Schule in Budapest, das größte Werk des Büros, habe zu einer gelungenen Auseinandersetzung mit der an dieser Stelle schwierigen Landschaft geführt. Daneben ein vom Volumen her kleines, aber mit besonderen Raffinesse ausgeführtes Projekt: Der U-Bahn-Aufgang am Willy-Brandt-Platz vor dem Frankfurter Schauspielhaus, der nicht auf Säulen ruht, sondern auf einer tragenden Glaskonstruktion.

Eines der jüngsten Projekte des Ehepaares Brigitte und Ernst Ulrich Scheffler beschäftigt sich mit dem aktuellen Thema Wohnraumbeschaffung. Bei der Erweiterung der denkmalgeschützten Fritz-Kissel-Siedlung in Frankfurt-Sachsenhausen haben sich die beiden für eine Aufstockung mit Holzmodulen entschieden. Der Wohnraum wächst, die Grünflächen bleiben.

Keine Klassifizierung

Welcher Architektenschule, welcher Stilrichtung lassen sich Brigitte und Ernst Ulrich Scheffler zuordnen? So eine Klassifizierung wollte Voigt nicht vornehmen. »Sie sind nur sie selbst und immer wieder anders«. Dazu attestierte er ihnen einen »Mangel an Eitelkeiten.« Am besten charakterisiere das Wirken ihr eigenes Zitat: »Wir suchen nicht das Revolutionäre, wir suchen das Angemessene.« In einer Reminiszenz erinnerte sich Scheffler an die Architekturbüros vor 50 Jahren, als er im weißen Kittel mit Tusche auf Papier zeichnete. »Heute sieht es in machen Büros aus wie in einer Anwaltskanzlei.« Natürlich wird auch in den Räumen der Schefflers längst mit modernen Mitteln gearbeitet. In einem Detail gilt das nicht für den Chef selbst. »Ich zeichne nach wie vor mit der Hand.« Für Voigt ein besonderes Markenzeichen: »Zum Werk Schefflers gehören diese Zeichnungen.«

Neues Wissen, alte Erfahrung

Altes und Neues verbinden wie in vielen ihrer Bauten, das haben die Schefflers inzwischen für ihr Büro geschafft. Durch den Einstieg der Tochter und deren Ehemann, beide ebenfalls Architekten, bietet »Menges Scheffler Architekten« die Verbindung von »neuem Wissen und alter Erfahrung«, so der Seniorpartner. Ernst Ulrich Scheffler räumte ein, dass die Arbeit von neuen Schwerpunkten bestimmt werden: Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Lebensdauer, Abfallwirtschaft. »Aber wer das beherrscht, der kann den Beruf noch lange ausüben.«

Info: Verband Deutscher Architekten und Ingenieurvereine

Der Verband Deutscher Architekten und Ingenieurvereine wurde vor 150 Jahren als Dachorganisation gegründet und versteht seine Aufgabe in der Förderung der Baukultur. Bundesweit sind in 28 Regional- und Lokalvereinen 5300 Mitglieder organisiert. Präsident ist der Berliner Architekt Arnold Ernst, der in Aschaffenburg für zwei Jahre wiedergewählt wurde. Der Aschaffenburger Verein war nach längerem Dornröschenschlaf vor elf Jahren wiedergegründet worden und zählt heute rund 50 Mitglieder. Vorsitzender ist der frühere Stadtplanungsreferent Bernd Keßler. Seit 1990 verleiht der DAI alle zwei Jahre den Großen Preis für Baukultur. Für das Lebenswerk wurden unter anderem bereits David Chipperfield, Norman Foster, Albert Speer, Oswald Mathias Ungers oder Frei Otto ausgezeichnet.

Die Ehrung des Ehepaares Brigitte und Professor Ernst Ulrich Scheffler sollte im vergangenen Jahr sein, anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Aschaffenburger Vereins, wurde wegen Corona aber erst in diesem Jahr nachgeholt. ()

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