Ärger um Tanzdirektorin Mei Hong Lin

Ballett: Tänzer beklagen Machtmissbrauch

Darmstadt
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»Die wichtigste Aufgabe ist ein Ensemble aufzubauen und passende Tänzer auszusuchen. Ich versuche künstlerische Profile zu erschaffen und zu kreieren, aber auch zu pflegen«, hatte die Choreografin Mei Hong Lin dem Magazin Stadtleben 2009 in einem Interview gesagt. Ein hoher Anspruch - der mittlerweile in der Kritik steht. Denn es gibt massiven Ärger um den Führungsstil der 62-jährigen Ballettdirektorin, die seit 2013 Tanzdirektorin des Landestheaters Linz ist und zuvor seit 2004 das Tanztheater am Staatstheater Darmstadt leitete.

Inzwischen ist Mei Hong Lin vorläufig freigestellt von ihren Aufgaben, wie ein Sprecher des Landestheaters Linz mitteilte. Die kommissarische Leitung der Tanzkompanie übernehmen derweil die Kompanie-Managerin Roma Janus und Landestheater-Intendant Hermann Schneider. Im Februar wurde der Intendant informiert, dass Mitglieder der Tanzkompanie Lins Führungsverhalten kritisieren. Mei Hong Lin hat die Vorwürfe schriftlich und in mehreren Gesprächen stets als falsch und unrichtig von sich gewiesen und von Mobbing einzelner Ensemblemitglieder gegen ihre Person gesprochen.

Schwere Vorwürfe

Die Vorwürfe wiegen zum Teil schwer. So soll sie Tänzer so überbeansprucht haben bei Proben zu neuen Stücken, dass acht von ihnen dadurch Verletzungen erlitten. Lin soll sich bei der Arbeit auch geweigert haben, Sanitäter zu alarmieren für verletzte Tänzer. Ein Tänzer beklagte, Lin habe ihm zur Beerdigung seines Großvaters keine freien Tage gestattet. Dabei ist sogar eine Dienstfreistellung für einen Trauerfall vorgesehen. Ein weiterer Tänzer soll, nachdem er sich krank gemeldet hatte, Anrufe von Lin bekommen haben, in denen sie den Grund seiner Krankmeldung erfragt haben soll. Zudem soll Lin die Idee eines Ensemblemitglieds für ein Ballett am Ende für ihre eigene ausgegeben haben.

Premiere am 30. Oktober

Vor Beginn der aktuellen Spielzeit gab es dann eine Neuverteilung der Kompetenzen in der Leitung der Tanzkompanie. »Und weiter haben wir den Arbeitspsychologischen Dienst Linz beigezogen und in vielen Gesprächen mit der Kompanie und der Tanzdirektorin versucht, die Situation für alle Beteiligten zu verbessern«, so Hermann Schneider. Doch schon zwei Wochen nach Probenaufnahme kam es erneut zum Streit hinter den Kulissen. Die Freistellung Mei Hong Lins folgte dann kürzlich.

Am 30. Oktober soll nach aktuellem Stand dennoch Mei Hong Lins Inszenierung »Cinderella« Premiere haben. Ohne die umstrittene Tanzdirektorin.

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