Abenteuerlustige mit Hang zur Verwüstung

Konzert: Die Musikerin Mogli gastiert im Frankfurter Palmengarten

FRANKFURT
2 Min.

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Mit der Lie­be kann das so ei­ne Sa­che sein. Amor er­weist sich ja öf­ter Mal als lau­nisch-trü­ge­ri­sche Di­va. Was jetzt noch rosa­rot und him­mel­blau er­scheint, kann mor­gen schon vor­über sein.

So erging es der 1994 in Frankfurt am Main als Tochter eines Algeriers und einer Deutschen geborenen und aufgewachsen Vokalistin, Komponistin und Multiinstrumentalistin Selima Taibi: 2016 glaubte sie im Buchautoren, Filmemacher und Abenteurer Felix Starck den Mann fürs Leben gefunden zu haben.

Überglücklich gab sie damals zu Protokoll: »Seit wir uns trafen, ist klar, dass wir gemeinsam durchs Leben gehen möchten. Wir sind fast immer zusammen und haben viel Freude daran, gemeinsam zu arbeiten und die Welt zu erkunden. Ein neues Filmprojekt passt da perfekt.« Mit Berner Sennenhund Rudi begab sich das junge Glück von Februar bis Dezember 2016 auf Abenteuerreise von Alaska bis runter nach Mexiko in einem zum Wohnmobil umgebauten Highschoolbus.

Starcks nach »Pedal The World« (2015) zweiter Dokumentarfilm »Expedition Happiness« (2017) über den US-Roadtrip mit der Musik von Taibi als Soundtrack geriet via Kino und Netflix zum Erfolgshit. Parallel kam auch Selima Taibis Musikkarriere mächtig in Gang - ihr zweites Album »Wanderer (Expedition Happiness Soundtrack)« von 2017 unter ihrem seit Kindheit zuerst als Spitzname, dann als Künstlerpseudonym angenommenen Alias Mogli erregte weltweites Interesse.

Private Niederlagen offenbart

Sechs Jahre später gastiert Mogli unter komplett geänderten Vorzeichen im Rahmen der Freiluft-Veranstaltungsreihe »Summer In The City« in der Konzertmuschel des Frankfurter Palmengartens. Von Starck hat sie sich mittlerweile getrennt. Hinter ihr liegt auch ein monatelanger Burnout, wo die Endzwanzigerin, die stets auf ihr Bauchgefühl hört, gute wie schlechte Stimmen in sich vernahm. Offen redet sie über diese privaten Niederlagen im Laufe des 90-minütigen Konzerts. Es klingt aber nicht nach Lamento, sondern wie eine selbstbewusste Analyse, eine wache Reflexion, die hinter ihr liegt. Selima Taibi strahlt im gemusterten Minikleid zu Doc Martens Plateauboots Stärke und Kraft, aber auch Verletzlichkeit und Sensibilität aus.

Auch ihre kompakter Auszug aus vier Alben - LP »Ravage« (Verwüsten) mit der Aufarbeitung der Ereignisse der vergangenen Jahre erschien 2022 - , den sie mit drei Begleitern an E-Gitarre, Keyboards und Schlagzeug akzentuiert, besitzt facettenreiche Varianten: Eine abwechslungsreiche selbstkomponierte Mixtur aus Indiepop, Electro, Psychedelic und New Wave.

Thematisch ausgerichtet an den äußeren wie inneren Erlebnissen, Eindrücken und Entwicklungen der Künstlerin. Dynamisch unterfüttert durch Moglis an die junge Marianne Faithfull angelehntes Stimmtimbre. Souverän ohne allzu routiniert zu wirken, wechselt sie zwischen Mikrofon, E-Gitarre sowie Sampler und Klangmodifizierer.

Als ein Wechselbad der Gefühle erweisen sich auch Tempo und Takt: Mal ergeht sich Selima Taibi in zeitlupenhaftem Chill-Out, dann trumpft sie mit rasant tanzbarem Uptemo auf. Für den randvoll gefüllten Palmengarten mit seiner auf sowohl auch Picknickdecken wie auch Sitzbänken platzierten Besucherschar ein monumentales Ereignis, dass zum Finale stürmischen Applaus erntet.

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