4000 Regalmeter voller Bücher

Ausstellung: Das Frankfurter Museum Angewandte Kunst blickt in einer Schau auf den Verlag Walther König - Zahlreiche wichtige Reprints veröffentlicht

FRANKFURT
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Claus Boehmlers "Pincocchio"-Buch sollte Kindern auf einfache Weise das Zeichnen nahebringen, hat sich aber nicht durchgesetzt. Es erschien 1969 im ein Jahr zuvor gegründeten Kunstbuch-Verlag König. Foto: Rademacher-Günzel Bildunterschrift 2022-05-12 --> Claus Boehmlers »Pincocchio«-Buch sollte Kindern auf einfache Weise das Zeichnen nahebringen, hat sich aber nicht durchgesetzt. Es erschien 1969 im ein Jahr zuvor gegründeten Kunstbuch-Verlag König. Foto: Rademacher-Günzel
Foto: Rademacher-Günzel
Wo nur an­fan­gen, bei A oder bei 1968? »Zu­erst die chro­no­lo­gi­sche Schau, sie gibt ei­nen gu­ten Über­blick«, emp­fiehlt Ku­ra­to­rin Eva Lin­hart - recht hat sie. Denn was Walt­her Kö­n­ig in 54 Jah­ren ge­leis­tet hat, ist kaum auf ei­nen Nen­ner zu brin­gen.

Doch das Frankfurter Museum Angewandte Kunst bewältigt das bravourös mit einer aphabetisch sortierten Schau von 300 Künstlern und mit einer größeren, strikt chronologischen Schau von 1000 Künstlerbüchern, die im Verlag von Walther König erschienen sind. König studierte erst kurz Jura, wurde aber dann lieber Buchhändler.

Antiquarisch und druckfrisch

Der jetzt 83-Jährige ist in Kunstkreisen bestens bekannt für seine 45 Buchhandlungen in deutschen und europäischen Museen, aber auch für die Kölner Zentrale mit 4000 Metern voller Bücher, ob antiquarisch oder druckfrisch. Quasi nebenbei ist er Verleger, hat neben den Künstlerbüchern rund 3000 weitere Kunstbände herausgebracht: Ausstellungskataloge und Monografien, aber auch Bücher über Architektur, Fotografie und ästhetische Theorie. Dann gibt es noch Kasper König, der auch im Kunstbereich wirkte, als Ausstellungsmacher, als Chef der Frankfurter Städelschule und des Kölner Museums Ludwig.

Gemeinsam gründeten die Brüder 1968 den Kunstverlag. Da der jüngere Kasper zu dieser Zeit in New York arbeitete, konnte man gut mit den Verlagsorten New York und Köln angeben. In Amerika lernte er Franz Erhard Walther kennen und schlug seinem Bruder vor, doch ein Buch über den Künstler zu machen,der mit Stoffen arbeite, die man auf verschiedenste Weise benutzen solle. Da außer der Freundin kein weiteres Modell zur Verfügung stand, posierte auch Kasper König für das kleine Buch, das jetzt in einer Vitrine zu sehen ist.

Es ist das zweite Künstlerbuch, das eigentlich das erste sein sollte, aber die Produktion verzögerte sich. Freilich war der Druck von Alison Knowles computergeneriertem Gedicht im Jahr 1968 auch nicht viel einfacher, aber das Buch war dann doch schneller fertig. Nur schade, dass man keines der Bücher anfassen oder drin blättern darf, sondern alles nur mit den Augen abtasten kann - obwohl das, dank feinster Gestaltung, schon eine Freude ist. So entpuppt sich die Schau als kleine Geschichte der modernen Kunst ab den 60er Jahren. Es sind alle versammelt, die heute Rang und Namen haben, vom Fotografen Nobuyoshi Araki bis zum Bildhauer Heimo Zobernig.

Nazi-Schau »Entartete Kunst«

Zudem hat Walther König viele Werke wieder aufgelegt, die für unser heutiges Verständnis sehr wichtig sind. Als Reprint brachte er 1988 den Ausstellungsführer der infamen Nazi-Schau »Entartete Kunst« in München und Berlin 1937 heraus. Oder eine der Schachteln, die Tausendsassa Marcel Duchamp mit kleinen Repliken seiner Werke bestückte, darunter auch das Urinal, das er 1917 zum Kunstwerk erklärt hatte. Bereits 1969 erschien Claus Boehmlers »Pinocchio«-Buch, das Kindern auf simple Weise das Zeichnen beibringen sollte. Leider hat sich das Buch nicht durchgesetzt.

Dennoch hat Walther König immer Glück gehabt, berichtet er beim Ausstellungsrundgang. Viele Bücher haben nur kleinste Auflagen, selbst Bände mit 1000 Exemplaren sind noch nach Jahren lieferbar. Nur ein Buch ging weg wie warme Semmeln und bringt es seit 2003 auf mehr als 250.000 Verkäufe: »Findet mich das Glück?«, verfasst vom Künstlerduo Peter Fischli und David Weiss. Das schmale Buch versammelt 300 Fragen, ganz banale wie zutiefst philosophische. »Kann ich noch fahren?«, heißt es da, kurz darauf: »Bin ich ein Sonderling?« Oder sehr grundsätzlich: »Was denkt mein Hund?«

bBis 27. August; Dienstag, Donnerstag und Freitag 12 bis 18 Uhr, Mittwoch 12 bis 20 Uhr, Samstag/Sonntag 10 bis 18 Uhr. Katalog 19 Euro. Internet: https://www.museumangewandtekunst.de

Hintergrund

Claus Boehmlers »Pincocchio«-Buch sollte Kindern auf einfache Weise das Zeichnen nahebringen, hat sich aber nicht durchgesetzt. Es erschien 1969 im ein Jahr zuvor gegründeten Kunstbuch-Verlag König. Foto:

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