Freitag, 16.04.2021
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Wie gewonnen, so zerronnen: Thierry Neuville vom Alzenauer Hyundai-Team lässt in der Türkei große Chance liegen

Motorsport
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Der Weg zum WM-Titel wird nach der Rallye Türkei für Thierry Neuville ein steiniger.
Foto: Fabien Dufour
Am Freitag noch der Strahlemann, am Ende enttäuschter Achter. Thierry Neuville vom Alzenauer Hyundai-Team hat bei der Rallye Türkei seine große Chance im Kampf um die Fahrer-WM nicht nutzen können.

Immerhin bauten die Unterfranken die Führung in der Herstellerwertung aus. Für Teamchef Andrea Adamo, aber nur ein schwacher Trost. Nicht nur der Italiener wusste: Es war viel mehr möglich.

»Definitiv nicht das Ergebnis, das wir uns erhofft haben«, so Adamo. Zwar fuhr Andreas Mikkelsen als Dritter aufs Podium, doch Dani Sordo (Reifenschaden) und vor allem Thierry Neuville (Unfall) verpassten als Fünfte und Achte durchaus mögliche Topplätze.

Nur noch WM-Dritter

Besonders bitter lief es für Neuville, der in der WM-Wertung mit 180 Punkten von Platz zwei auf drei zurückfiel, hinter Türkeisieger Sebastien Ogier (193) und Toyota-Pilot Ott Tänak (210).

Dabei sah es am Freitag noch bestens für den Belgier aus. Er setzte auf Regen, hatte so die richtigen Reifen, nahm der rutschenden Konkurrenz mächtig Zeit ab und lag auf Rang drei, in Schlagdistanz zum Führenden.

Doch der Auftakt am Samstag wurde für Neuville zum Fiasko. Der Belgier war anschließend äußerst aufgebracht. Die Rennleitung hatte die Abstände zwischen den Fahrzeugen auf drei Minuten verkürzt, entsprechend staubig war es. »Ich dachte, ich hätte im Staub eine Kurve gesehen, aber das war ein Graben«, sagt Neuville. Er schoss über die Kurve hinaus, traf einen im Staub versteckten Stein, der ihn aushebelte. »Wir landeten auf der Seite im Graben.« Zwar konnten er und Beifahrer Nicolas Gilsoul den Hyundai wieder flott machen, sie verloren aber vier Minuten, die Rallye war gelaufen. »Ab dem Moment konzentrierten wir uns darauf, einige Punkte in der Power Stage zu holen. Ich habe alles gegeben, mehr ging nicht«, sagte Neuville, der als Prüfungszweiter immerhin vier Extrapunkte erhielt.

Besonders bitter für den Vizeweltmeister: Kurz nach seinem Unfall war für Ott Tänak die Rallye beendet. Ein Elektrikschaden stoppte den Esten. Neuville hätte in der Gesamtwertung sehr dicht an den Toyota-Fahrer heranrücken können.

Hätte. »Da gibt es nichts zu diskutieren. Die Fakten sind, dass er in Deutschland einen Reifenschaden hatte und jetzt hier einen Unfall. Das sieht für die Meisterschaft jetzt nicht gut aus«, grantelte Adamo, der sich natürlich auch über verpasste Punkte in der Hersteller-WM ärgerte. »Nach einem schwierigen Freitag bat ich meine Leute, mit der Situation klarzukommen, das bestmögliche Ergebnis einzufahren und so viele Punkte für die Herstellerwertung zu holen wie möglich. Vielen Dank an alle, die meine Bitte verstanden und unterstützt haben«, so Adamo mit einem kleinen Seitenhieb.

Bereits am Freitag war klar, dass die harten Pisten in der Türkei den Autos alles abverlangen. Durchkommen war oberstes Ziel.

Am besten schaffte das bei den Alzenauern Andreas Mikkelsen. »Wir haben uns darauf konzentriert, uns aus Schwierigkeiten herauszuhalten und gleichzeitig ein gutes Tempo zu fahren - und das ist uns gelungen«, sagte der Norweger, der weitgehend von Problemen verschont blieb.

Sordos Reifenschaden

Dani Sordo haderte ein wenig: »Ohne unseren Reifenschaden am Freitag hätten wir um ein noch besseres Ergebnis kämpfen können. Die Strecken können jedoch extrem hart sein, deshalb ist Platz fünf nicht schlecht«, so der Spanier.

»Das einzig Positive, das ich von dieser Rallye mitnehme, ist, dass wir unsere Führung in der Meisterschaft ausgebaut haben«, lautete das Fazit Adamos. Und auch da könnte der Vorsprung, drei Läufe vor Saisonende, mehr als aktuell 19 Punkte auf Toyota betragen. Denn der größte Konkurrent schwächelte im Kollektiv.

Teamchef Tommi Mäkinen musste einen Tiefschlag nach dem anderen einstecken. Reifenschäden, Ausrutscher und technische Defekte. Für Jari-Matti Latvala, Kris Meeke oder Ott Tänak war es eine Rallye zum Vergessen.

R

Rallye-WM, 11. Lauf in Marmaris/Türkei (309,86 Prüfungskilometer/986,280 Gesamtkilometer):

Gesamtwertung, Endstand:
1. Sébastien Ogier/Julien Ingrassia (Frankreich) - Citroen C3 WRC 3:50:12,1 Std.
2. Esapekka Lappi/Janne Ferm (Finnland) - Citroen C3 WRC +34,7 Sek.
3. Andreas Mikkelsen/Anders Jaeger Synnevaag (Norwegen) - Hyundai I20 WRC +1:04,5 Min.
4. Teemu Suninen/Jarmo Lehtinen (Finnland) - Ford Fiesta WRC +1:35,1
5. Daniel Sordo/Carlos del Barrio (Spanien) - Hyundai I20 WRC +2:25,9
6. Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila (Finnland) - Toyota Yaris WRC +2:59,1
7. Kris Meeke/Sébastien Marshall (Großbritannien) - Toyota Yaris WRC +3:53,3
8. Thierry Neuville/Nicolas Gilsoul (Belgien) - Hyundai I20 WRC +5:34,8

Fahrer-Wertung, Stand nach 11 von 14 Wettbewerben:
1. Ott Tänak (Estland) - Toyota 210 Pkt.
2. Sébastien Ogier (Frankreich) - Citroën 193
3. Thierry Neuville (Belgien) - Hyundai 180
4. Andreas Mikkelsen (Norwegen) - Hyundai 94;
...
10. Daniel Sordo (Spanien) - Hyundai 72

Team-Wertung, Stand nach 11 von 14 Wettbewerben:
1. Hyundai Shell Mobis WRT 314 Pkt.
2. Toyota Gazoo Racing WRT 295
3. Citroen Total Abu Dhabi 259
4. M-Sport Ford WRT 184

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