»Wenn es hässlich wird, akzeptiere es«: Lützelbacher Extrem-Radsportler Tina und Timo Büttner beim »Rando Imperator«

Rad-Extremsport
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Tina und Timo Büttner vom Lützelbacher Drahtesel-Team
Foto: Jochen Reeg
Küh­le Tem­pe­ra­tu­ren - in den Ber­gen Schnee­fall! Die Wet­ter­prog­no­sen sind nicht un­be­dingt das, was sich ein Rads­port­ler er­hofft, wenn er 650 Ki­lo­me­ter von Mün­chen bis ins ita­lie­ni­sche Ferra­ra vor sich und da­bei 3800 Höh­en­me­ter zu klet­tern hat. Doch sich von Wid­rig­kei­ten sch­re­cken zu las­sen, ist für Ti­na und Ti­mo Bütt­ner oh­ne­hin ein Ta­bu.

Das Paar aus Lützelbach (Odenwaldkreis) will an diesem Wochenende das Langstrecken-Radabenteuer »Rando Imperator« bewältigen. Das Motto der beiden Sportler vom Team Drahtesel: »Immer positiv denken, wird schon werden!«

Noch etwas markanter hat auf der Website des Veranstalters ein Radkollege formuliert, worauf es ankommt, wenn sich neben unerwarteten Pannen, schmerzenden Muskeln und bohrender Müdigkeit während der Nachtstunden das Wetter als nicht kalkulierbares Restrisiko herausgestellt hat: »Wenn es hässlich wird - akzeptiere es!«

Leicht gesagt! Das wissen auch die beiden Lützelbacher. Seit zehn Jahren sucht das Duo sportliche Herausforderungen extremer Natur. Am Anfang stand der Ötztaler Radmarathon mit einer Streckenlänge von 238 Kilometern und 5500 Höhenmetern. Dabei hat besonders der Schlussabschnitt mit knackigem Anstieg über 21 Kilometer Eindruck hinterlassen - eine Herausforderung für den Körper und eine echte Willensprüfung, aber eben »auch ein unglaubliches Gefühl, wenn man dem Gipfel immer näher kommt und dann über die Ziellinie fährt«, sagt Tina Büttner. Und ihr Mann ergänzt: »Wenn man einmal dieses Gefühl hatte, will man das immer wieder.«

Timo Büttner
Foto: Manfred Weiß

Extrem-Touren im Burgenland

Drei Mal hat das verheiratete Mixed-Team die Transalp, eines der härtesten Etappenrennen der Welt, bewältigt, dazu den Schweizer Radmarathon Alpenbrevet. Vor zwei Jahren ging es über 360 Kilometer in mehreren Runden um den Neusiedler See - ein Sportevent, das unter dem Label Burgenland Extrem Tour erahnen lässt, was auf die Teilnehmer zukommt. Das Seenumland kennen Tina, 40 Jahre, und Timo, 43 Jahre, inzwischen auch als Läufer über einen auf 120 Kilometer verkürzten Rundkurs.

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Die Rad-Extremsportler Tina und Timo Büttner
Foto: Jochen Reeg |  5 Bilder

»Was wir treiben«, gibt Timo Büttner zu, »ist schon fast so etwas wie eine Sportsucht«. Auf der anderen Seite vermittelt der Radsport dem Paar, das weite Teile des Jahres auf dem Campingplatz in Miltenberg verbringt und von dort mit dem Bike immer wieder so eben mal in den Odenwald zur Arbeit fährt, das Gefühl, ein erfülltes Dasein zu führen. »Träume nicht dein Leben - Lebe deinen Traum!« steht auf der selbst entworfenen Sportbekleidung der beiden Lützelbacher.

Bei ihren Touren geht es ihnen vor allem um »das Gesamterlebnis«. Man drückt schon gerne mal aufs Tempo, wie zuletzt am 1. Mai beim berühmten Straßenrennen um den Henninger Turm mit Freunden aus dem Team Drahtesel. Lieber aber sind Tina und Timo Büttner Herausforderungen, die ihnen eine satte Portion Ausdauer abverlangen - und bei denen man auch noch Land und Leute kennenlernen kann.

Zeitlimit von 43 Stunden

Durchhaltevermögen ist beim »Rando Imperator« auf jeden Fall gefordert. Die zu bewältigenden 3500 Höhenmeter auf der römischen Via Claudia Augusta sind nicht das Problem. Es ist die Länge des Brevets, der in maximal 43 Stunden zu bewältigen ist. Das Team Büttner will jedoch deutlich schneller sein, um »im Hellen anzukommen und in Ferrara gemeinsam noch einen schönen Abend genießen zu können«. Dazu werden sie Widerständen trotzen und sich auch gegenseitig Mut machen müssen, wie Tina Büttner sagt. Schneidender Gegenwind oder monotones Pedalieren im »Tunnel« der Nacht können einen schon mal glauben lassen, »fast verrückt zu werden«. Dann, so die Lützelbacherin, ist es gut, »wenn sich die Partner in schweren Momenten gegenseitig hochziehen«.

Tina Büttner
Foto: Manfred Weiß

Nach dem Start in München in aller Frühe geht es an diesem Samstag entlang der Loisach nach Ehrwald in die Zugspitzregion und über den Fernpass. Nach einem Abstecher in die Schweiz über die Norbertshöhe nach Nauders ist der Reschenpass zu überqueren, dann führt die Route auf den Etschtalradweg und dort entlang nach Bozen, über Trient am Gardasee und Mantua in der Poebene schließlich zum Ziel in Ferrara. Unterwegs gibt es sechs Verpflegungsstellen, an denen auch die Kleidung gewechselt werden kann. immer wieder haben Timo und Tina Büttner gerätselt, wie lange sie hier nachts von den Rennrädern steigen sollen. Eine zu lange Rast verbietet sich allerdings, um nicht »zitternd wieder aufs Rad zu müssen«.

Leistungsschub nach Herz-OP

Ihrem ambitionierten Sporthobby ordnet das Ehepaar vieles unter. Um den Haushalt einigermaßen zu organisieren, beginnt für die beiden der Tag schon um 5 Uhr. Pro Woche schrubben sie im Durchschnitt 500 Radkilometer herunter. Und dann gilt es ja auch noch den Anforderungen des Jobs in der orthopädischen Praxis in Höchst (Tina) und im Radladen des Schwiegervaters in Lützelbach (Timo) gerecht zu werden.

Hinter der Entscheidung, dem Sport so großes Gewicht beizumessen, steckt auch ein starkes persönliches Motiv. Timo Büttner fand den Weg zu Spitzenleistungen erst vor zehn Jahren, nachdem er wegen einer angeborenen Aortenisthmusstenose am Herzen operiert worden war. Zuvor fuhr er seiner Partnerin »nur hinterher«, heute ist Tina dankbar, wenn Timo ihr auch einmal Windschatten gewährt.

Die beiden Radsportler informieren über ihre Tour:

Per Live-Tracking  https://api.endu.net/track/map2/322
Facebook https://m.facebook.com/tinaundtimode/?ref=bookmarks
Internetseite: https://www.tinaundtimo.de/

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