Dienstag, 11.08.2020
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Warum soll mein Kind ausgerechnet schießen?

Schießsport: Auch acht Monate nach Winnenden bleibt die Frage, ob Jugendliche in Schützenvereine eintreten sollen

Schießsport
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Es gibt wohl nicht viele Sportarten, für die man sich rechtfertigen muss. Beim Schießsport allerdings ist das so eine Sache. Knapp acht Monate nach dem Amoklauf eines 17-Jährigen im schwäbischen Winnenden werden Schützenmitglieder immer noch oft argwöhnisch beäugt, stellen viele Menschen sich die Frage, warum bereits ein Zwölfjähriger eine Waffe in der Hand halten soll.

Gerade nach dem Amoklauf von Winnenden stellt sich für viele Menschen immer noch die Frage, ob Schießsport für Kinder und Jugendliche sinnvoll sei.
Foto: Ralf Hettler
Gaujugendleiter Martin Meister ist sich der Problematik bewusst. Er schildert, dass diese Art Diskussion in letzter Zeit zwar weniger geworden ist, Jugendliche aber dennoch ab und an darauf angesprochen werden. Er betont, dass es in erster Linie wichtig für die Schüler sei, sich nicht diskriminieren zu lassen, denn Schießsport sei ein Sport wie jeder andere. Man müsse lernen, mit dem Luftgewehr verantwortungsvoll umzugehen. Bewusst wird der Begriff Waffe vermieden, es handele sich vielmehr um ein Sportgerät. Wer dennoch misstrauisch bliebe, der sei jederzeit eingeladen, sich diese Sportart beim Training genauer anzuschauen.
Wie ein Basketballer seinen Basketball braucht oder der Kugelstoßer seine Kugel, benötigt der Schütze eben ein Gewehr, um sein Ziel zu treffen und sportliche Erfolge feiern zu können. Schüler- und Jugendschützen schießen hauptsächlich mit Druckluftgewehren, es handelt sich um sogenannte Einzellader. Folglich liegt zwischen jedem Schuss das Nachladen. Es wird nicht geballert, optisches Ziel sind nur runde Papierscheiben.
Hohe Disziplin
Der Umgang mit dem Sportgerät erfordert hohe Disziplin. Weder die elterliche Erziehung zur Gewaltfreiheit noch die Friedensgesinnung gingen dabei verloren. Vielmehr werde Teamgeist gefordert, Siege und Niederlagen gemeinsam mit dem Jugendleiter durchgesprochen.
Der Schütze ist bei seinem Wettkampf auf sich gestellt, ein Kontrollmittel ist der Bildschirm neben ihm am Schießstand. Deshalb ist Schießsport ein sehr objektiver Sport. Es gibt keinen Schiedsrichter, der am schlechten Ergebnis Schuld ist.
Es gilt eine Faustregel, wann man am besten den Schuss abgibt: Zehn bis 15 Sekunden sollte man ruhig stehen, bis die letzten Schwankungen nachlassen, erst dann, wenn Körper und Atmung ganz ruhig sind, löst man den Abzug. Falls der Schütze diesen Punkt verpasst, setzt er das Sportgerät nochmals ab, um sich erneut zu konzentrieren.
Enorm viel Spaß
Die Jugendlichen des Vergleichsschießens bekräftigen alle, dass Schießen enorm viel Spaß mache. »Es geht hier ja nicht darum, Menschen abzuschießen, sondern sein Ziel zu treffen«, betont der amtierende Schüler-Gaumeister Christian Bruns. Auch gebe es keine Beeinflussung von Mitkonkurrenten während eines Wettkampfes. Schießsport sei vielmehr »ein Fenster für das Gefühlsleben eines Kindes«, wirbt der SV Diana Dettingen. Als genauer Gradmesser für die eigene aktuelle Verfassung zeige das Ringergebnis unbarmherzig jedes körperliche Unwohlsein, Ärger in der Schule oder einen Trainingsrückstand an. hk

Weitere Informationen zu Vereinen und
Organisation bei der Bayerischen
Schützenjugend unter www.bssj.de

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