Donnerstag, 26.11.2020
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Vom Schulsport zum Bayernkader

Judo: Erlenbacher Gymnasium hat großen Zulauf bei dem Kampfsport und bringt Talente hervor

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Wenn sich ihre Schützlinge im differenzierten Sportunterricht an den Kragen gehen, gerät Lehrerin Anja Ühlein ins Schwärmen.
Foto: Petra Reith
Erlenbach, Hermann-Staudinger-Gymnasium (Elsenfelder Str. 55), Turnhalle (zwischen Hauptgebäude und Bahngleisen), für Jugendsport: Judo, Lara Schurz (sie wirft) hat es innerhalb eines Jahres von der Schul-AG in den Bayernkader geschafft Foto: Petra Reith Bildunterschrift 2018-05-03 --> Innerhalb eines Jahres hat es Lara Schurz vom Schulsport in den Bayernkader geschafft. Hier lässt sich Grüngurt Robin Ballweg von der Aufsteigerin aufs Kreuz legen. Fotos: Petra Reith
Foto: Petra Reith
Als Ma­rit ih­re Mit­schü­le­rin An­na mit den Bei­nen in den Schwitz­kas­ten nimmt, ge­rät An­ja Üh­lein ins Schwär­m­en. »Sc­hön, wenn sie sich ge­gen­sei­tig et­was bei­brin­gen«, sagt die Leh­re­rin für Sport und Che­mie am Er­len­ba­cher Her­mann-Stau­din­ger-Gym­na­si­um.

Was Ühlein so begeistert verfolgt, ist selbstverständlich keine Pausenhof-Rauferei, sondern eine Partnerübung im differenzierten Sportunterricht. Judo heißt das Wahlfach, das sich am HSG großer Beliebtheit erfreut – und der Schule schon etliche Erfolge bei »Jugend trainiert für Olympia« beschert hat.

Beim Bayernfinale am kommenden Dienstag in München sind die Erlenbacher mit vier Mannschaften vertreten. Drei Teams haben sich als Bezirksmeister für den Landesentscheid qualifiziert, eines ist als Zweiter nachgerückt. Insgesamt stehen seit der ersten Teilnahme an JtfO-Wettbewerben im Schuljahr 2008/09 für die HSG-Judoka 19 erste Plätze im Bezirk sowie auf bayerischer Ebene drei Titel und acht weitere Podestplätze zu Buche.

Eine solche Bilanz ist kaum denkbar ohne Schüler, die die Kampfkunst im Verein gelernt haben und betreiben. Ein Beispiel ist Anja Ühleins Sohn Lukas, der den Autor dieser Zeilen schon vor einigen Jahren bei der Serie »Schmitt macht mit« aufs Kreuz gelegt hat. Inzwischen kämpft der 17-Jährige für DJK Aschaffenburg in der Männer-Landesliga. Das Erlenbacher Gymnasium muss künftig auf ihn verzichten: Lukas, der im Judo als Braungurt den höchsten Schülergrad erreicht hat, macht gerade Abitur.

Seiner Mutter, die selbst den schwarzen Gürtel trägt, muss aber um den Nachwuchs im Schulteam nicht bange sein. Im differenzierten Sportunterricht kann sie um die 30 Schüler begrüßen. »Einige kommen, obwohl sie gar nicht müssten«, sagt die Lehrerin. »Faszinierend« findet sie, »dass so viele aus der Schule in die Vereine kommen.« Diesen Weg ganz eindrucksvoll beschritten hat Lara Schurz, die demnächst ihren 15. Geburtstag feiert.

Von Mitschülerin ermuntert

Erst vor einem Jahr hat Lara mit Judo angefangen, nachdem Ühlein auf der Suche nach einer Kämpferin für die obere Gewichtsklasse im Sportunterricht auf sie aufmerksam geworden war. Marit aus der Parallelklasse – selbst erfolgreiche Judoka und Kunstradfahrerin – empfahl ihr, sich doch auf die Matte zu wagen. Lara erinnert sich: »Am Anfang habe ich mich unwohl gefühlt.« Doch das hielt nicht lange an. »Mega« sei es inzwischen: »Es ist wie eine große Familie, auch über die Schule hinaus.«

Lara schloss sich dem JC Obernburg an, dem zweiten Verein neben dem TV Elsenfeld, mit dem das Erlenbacher Gymnasium in Sachen Judo kooperiert. Und feierte schnell auch außerschulische Erfolge bis hin zum Landesmeistertitel und Bronze bei der süddeutschen Meisterschaft in ihrem ersten U 18-Jahr. Mittlerweile gehört Lara sogar zum Bayernkader.

»Das ist so passiert«, sagt sie und lächelt. Forsch dagegen formuliert sie schon ihr Ziel für die deutschen Titelkämpfe 2019: Nach Rang fünf in diesem Jahr soll es im kommenden ein Podestplatz sein. Am vergangenen Samstag untermauerte Lara ihre Ambitionen mit Rang drei beim internationalen Bundessichtungs?turnier in Erfurt. Laut Anja Ühlein hätte sogar ein besseres Ergebnis herausspringen können, hätten die Kampfrichter im Halbfinale nicht eine Wertung zurückgenommen.

»Einfach der Hammer«

»Lara ist der Hammer, einfach der Hammer«, sagt Ühlein. Zwar fehle der 14-Jährigen zwangsläufig die Erfahrung auf der Matte, dafür sei sie sehr ehrgeizig, müsse »eher gebremst als angestachelt werden«.

Fünf- bis sechsmal pro Woche trainiert Lara nach eigener Aussage. Auf eine Lieblingstechnik will sich die 1,76 Meter große Schülerin nicht festlegen, erklärt nur: »Ich habe meist kleinere Gegner. Da ist es schwierig, unter den Schwerpunkt zu kommen. Ich gucke halt immer, was sich ergibt.«

Beim Training in der Schulturnhalle werfen Lara und der etwa gleichgroße Robin, der als Grüngurt schon zwei Schülergrade weiter ist, sich abwechselnd auf eine Weichbodenmatte. »Sie müssen fallen können, das hilft auch im Alltag«, sagt Anja Ühlein zum grundsätzlichen Nutzen von Judo im Rahmen des Schulsports. Außerdem gehe es ihr darum, Körpergefühl und Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen zu stärken. »Das werden nie Opfertypen sein«, sagt die Lehrerin mit Blick auf ihre Schützlinge.

Deren Leistungsunterschiede begreift Ühlein auch als Chance. Als Grüngurt Marit Mitschülerin Anna in den Schwitzkasten nimmt, lobt die Lehrerin die Fortschritte der Anfängerin, die erst seit rund sechs Monaten dabei ist: »Anna saugt das alles auf wie Schwamm.«

Michael macht seit einem Jahr Judo, sieht sich dank seiner Erfahrungen als Ringer aber »schon ein bisschen im Vorteil. Ich mag allgemein Kampfsportarten, wo man nicht nur anderen eins überbrät, sondern taktisch kämpft«, sagt der Elfjährige. Als er dann seine Lehrerin am Kragen packen darf, um eine Technik zu demonstrieren, strahlt Michael bis über beide Ohren.

THORSTEN SCHMITT
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