Mit einem Traumergebnis zum Titel: Jana Schneider wird souverän deutsche U18-Meisterin

Schach
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Jana Schneider (Mitte) ist souverän deutsche Meisterin in der Altersklasse U18 weiblich geworden.
Foto: Deutsche Schachjugend
Schachspielerin Jana Schneider aus Aschfeld (Landkreis Main-Spessart) ist souverän deutsche Meisterin in der Altersklasse U18 weiblich geworden. Bei den deutschen Jugendeinzelmeisterschaften in Willingen im Sauerland hat die 18-jährige Psychologiestudentin, die für den SC Bavaria Regensburg spielt, einmal mehr ihre Klasse am Brett demonstriert.

Als Favoritin gesetzt, hat Jana Schneider in dem einwöchigen Turnier in einem Start-Ziel-Sieg sieben Punkte aus sieben Partien geholt und 20 Gegnerinnen hinter sich gelassen.

Damit holte sie sich in ihrem letzten Jugendjahr ihren vierten Titel bei den deutschen Jugendeinzelmeisterschaften nach 2012, 2013 und 2016. 2017 gewann die damals 14-Jährige als zweitjüngste Spielerin die deutsche Fraueneinzelmeisterschaft. Die Fide-Meisterin und Internationale Meisterin der Frauen hat auch schon EU-Meisterschaften in ihrer Altersklasse gewonnen.

Unserer Redaktion hat Jana einige Fragen beantwortet. Wie war und ist es überhaupt, in Coronazeiten live ein Turnier zu spielen? »Am richtigen Brett mit gegenübersitzendem Gegner ist was ganz anderes als Internet-Schachpartien«, antwortet Jana. Die deutsche Jugendmeisterschaft war ihr zweites Live-Turnier seit dem Lockdown. Die Meisterschaft sollte schon an Pfingsten stattfinden und wurde in den Oktober verschoben. Vor ein paar Wochen hat sie zudem in Berlin die deutsche Ländermeisterschaft mitgespielt. Anfang November hätte sie gerne ein großes Turnier am Tegernsee gespielt, doch das wurde bereits aufgrund steigender Infektionszahlen abgesagt.

Mit Mund-Nasen-Schutz

In Berlin musste sie auch schon mit Maske spielen. »Man gewöhnt sich daran. Ich fühlte mich nicht wirklich eingeschränkt dadurch, den Mund-Nasen-Schutz während der gesamten Partie tragen zu müssen«. Schade sei natürlich, dass man sich vor der Partie nicht mehr die Hand gibt und auch sonst viel Abstand zueinander hält. So sahen die Hygienemaßnahmen für die Teilnehmer aus: Vor Betreten des Spielsaals musste jeder die Hände desinfizieren und eine Maske tragen. Die Tische mit den Schachbrettern waren mit 1,40 Meter Länge sehr groß, um Abstand zwischen den Spielern zu garantieren. »Da musste man sich bei manchen Zügen sehr strecken«. Wer aus einer Risiko-Region anreiste, wurde zu einem Corona-Schnelltest verpflichtet. Einige durften aufgrund eines positiven Corona-Tests nicht mitspielen. Auch in Analyseräumen galt die Maskenpflicht. Insgesamt hätten sich die Spieler, Betreuer und Trainer sehr gut an diese Vorgaben gehalten. Jana Schneider hat die Kiebitze vermisst. »Es war schade, dass keine Zuschauer während den Partien erlaubt waren. Dafür wurden die Stellungen aber live im Internet übertragen und kommentiert«.

»Die Atmosphäre war trotzdem ganz gut, alle waren froh, wieder Schach spielen zu können«, gibt sie ihren Eindruck von dem sehr gut organisierten Turnier wieder. Es war eine sehr große Veranstaltung in Zeiten von Corona mit über 360 Teilnehmern in den zwei Wochen. »Ich bin als klare Favoritin in das Turnier gestartet und sehr stolz auf mein Traumergebnis mit 7/7 Punkten«, gibt die Main-Spessarterin offen zu. »Da es mein letztes Jahr in der Jugendklasse ist, wollte ich noch einmal deutsche Meisterin werden«.

Ich bin sehr stolz auf mein Traumergebnis mit 7/7 Punkten.

So sieht Janas »Schachleben« in Coronazeiten aus: »Ich spiele viel mehr Schach im Internet, habe unter anderem schon bei der Online-Olympiade für die deutsche Nationalmannschaft gespielt. Im Verein haben wir das Training größtenteils auf online verlegt. Das klappt ganz gut, weshalb wir das Konzept fortführen, auch wenn momentan wieder Training live erlaubt ist«. Mit dem SC Bavaria Regensburg ist die Aschfelderin letzte Saison Meister in der Oberliga geworden. Den Aufstieg in die 2. Bundesliga kann das Team aber erst in der Saison 2021/22 verwirklichen, da die beiden Bundesligen noch ausgesetzt sind und erst im nächsten Frühjahr fertig gespielt werden. Die letzte Runde der Damenbundesliga sollte am letzten November Wochenende stattfinden, wurde aber auch schon ins Jahr 2021 verschoben.

Dritte Norm fehlt noch

Und wie sieht es mit ihren Titeln aus? Die Titel »Fide-Meister« und »Internationale Meisterin« hat sie lebenslänglich verliehen bekommen. Um den nächsthöheren Titel - weibliche Großmeisterin - zu erhalten, muss sie drei Normen erfüllen. »Zwei davon habe ich schon. Da dieses Jahr aber so wenige Turniere stattgefunden haben, hatte ich nicht die Chance, die dritte Norm noch zu erfüllen. Das ist weiterhin ein Ziel«, bekräftigt die ehrgeizige Spielerin.

Die Rolle gewechselt

In dieser Woche findet ebenfalls in Willingen die deutsche Meisterschaft in der U 12 und U 10 statt. Jana Schneider ist geblieben, hat ihre Rolle gewechselt und coacht nun als Trainerin den Nachwuchs für den bayerischen Landesverband, obwohl sie noch keinen Trainerschein hat. Ihr Problem bislang: die Ausbildungslehrgänge finden an Wochenenden statt, und da ist sie meist selbst schachlich unterwegs auf Turnieren oder bei Ligakämpfen. Durch Corona haben leider viel weniger dieser Ausbildungen stattgefunden. Außerdem kümmert sich die 18-Jährige auch noch um ihr Studium. Am 2. November startet sie ins dritte Semester Psychologie in Würzburg mit sehr wenig Präsenzlehre, denn fast alle Veranstaltungen und Kurse finden online statt, fast wie in der Schachwelt. Zum Glück gab es für Jana Schneider aber die deutsche Meisterschaft.

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