Donnerstag, 22.04.2021

Leere Hallen, verwaiste Matten: Für Judovereine steht Rückkehr ins reguläre Training in den Sternen

Corona und Vereine
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Das A und O ihres Sports, das Werfen und Fallen, konnten die Nachwuchsjudoka in den vergangenen vier Monaten so gut wie gar nicht üben.
Foto: Detlef Staffa
Einen ersten Erfolg im Jahr 2021 kann die Judoabteilung der DJK Aschaffenburg melden: Die DJK ist Sieger der ersten Vereins-Challenge des Bayerischen Judo-Verbands (BJV). 22 020-mal in einer Woche haben DJK-Judoka den Hampelmann (Jumping Jacks) gemacht. Das waren im Schnitt 550 pro Teilnehmer. Eine tolle Leistung. Und ein guter Zeitvertreib für die Sportler, die seit nunmehr gut vier Monaten nicht mehr auf die Matte dürfen. Das wird auch erst einmal so bleiben, ist sich DJK-Abteilungsleiter Detlef Staffa sicher.

Die Inzidenz ist noch zu hoch. In Aschaffenburg, im Landkreis Miltenberg und im Landkreis Main-Spessart liegt sie zwar unter 100. Aber im Kreis Aschaffenburg oder im Main-Tauber-Kreis ist die Marke 100 übertroffen. Und der bundesweite Trend ist alles andere als gut. Für die Kontaktsportart Judo, aber auch die anderen Kampfsportarten, die in der Regel in Sporthallen ausgeübt werden, sind das schlechte Vorzeichen.

Es sei schwierig, mit dem Judosport anzufangen und dann wieder in einen Lockdown zu gehen, sagt Katrin Eigenmann, Trainerin der U12 und U15 in der Judoabteilung des TV Elsava Elsenfeld. Voriges Jahr habe ihre Abteilung mit recht großem Aufwand ein Hygienekonzept entwickelt und umgesetzt, um nur einige Wochen später doch wieder den Trainingsbetrieb einstellen zu müssen. Ihre klare Botschaft nun: »Wir werden einfach auf stabile Inzidenzwerte warten.«

Hintergrund: Beim TSV Lohr wird der Neuaufbau jäh unterbrochen

»Extreme Auswirkungen« auf die Judo-Abteilung des TSV Lohr haben die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Sport- und Trainingsverbote, sagt Abteilungsleiter Thomas Meißner. Die Judoka aus dem Landkreis Main-Spessart hatten einst sogar eine Mannschaft in der 2. Judo-Bundesliga und waren bis 2018 in den bayerischen Judo-Ligen am Start. Derzeit fehlen der Abteilung aber die Kämpfer, um eine konkurrenzfähige Mannschaft zu stellen. Daher arbeite man seit Jahren am Neuaufbau in der Jugend, der nun durch die Pandemie jäh unterbrochen wurde, so Meißner. »Da hat uns Corona einen fetten Strich durchgemacht.« Als im vorigen Jahr die Inzidenzzahlen deutlich niedriger waren, habe man gemeinsam mit anderen TSV-Sportlern Konditionstraining angeboten. Das sei gut für die Fitness, könne ein Mattentraining aber nicht ersetzen.

Meißner berichtet von vielen Mitgliedskündigungen in seiner Abteilung infolge des Lockdowns. Die zweite Welle sei einfach zu lang. Wenn man sich an alle Hygieneregeln halte, sei ein vernünftiges Judo-Training währenddessen nicht möglich. Dennoch zählt die Abteilung noch rund 90 zahlende Mitglieder. Etwas stolz ist Meißner auf seine 46 Kinder und Jugendlichen bis zur U 18. In der Altersgruppe unmittelbar darüber werde es aber gleich deutlich dünner.

Skeptisch blickt Meißner auf die Zeit nach Ostern. Er rechnet mit steigenden Infektionszahlen und entsprechend verlängerten Lockdown-Regeln. (as)


Auf niedrige, hätte sie noch ergänzen können. Denn in Elsenfeld würde man schon gern mit dem Mattentraining in der Halle beginnen. Judo im Freien ist nicht geplant, aber auf den Trimm-dich-Pfad werden man gehen, wenn es die Inzidenz und das Wetter zulassen. Bei der DJK in Aschaffenburg hat man derweil in der vorigen Woche mit dem Training im Freien für drei Gruppen von Jugendlichen und Kindern unter 14 Jahren begonnen. Detlef Staffa ist froh, seine Schützlinge wieder live erleben zu können. Aber es ist fraglich, ob die dritte Welle auch dieses Angebot fortspült.

Jochen Klein, beim JC Obernburg für die Finanzen zuständig sowie Trainer der U13 bis U15, hofft auf stabil gutes Wetter und eine erste Trainingseinheit, um die jungen Sportlern wieder mal zu sehen. »Training im Freien werden wir nutzen, sobald es das Wetter und die Inzidenzwerte zulassen. Über Training in der Halle braucht man noch nicht zu reden.«

Bei den Jüngsten werden wir erst einmal wieder in den Grundlagen schulen müssen.

Und damit auch nicht über den Start in den Ligenbetrieb. Alle drei Vereine sind sozusagen in der Landes- beziehungsweise Bayernliga vertreten, deren Betrieb vorige Saison wegen der Corona-Pandemie letztendlich abgesagt wurde. Obernburg stellt einige Judoka, die im Männer- und im Frauenteam der DJK Aschaffenburg in Bayerns höchster Liga kämpfen, Elsenfeld hat eine Frauenmannschaft für die Landesliga gemeldet. Saisonstart wäre nach gegenwärtiger Terminplanung Mitte Juni. Doch Detlef Staffa winkt ab. Er kann sich einen Ligenstart Mitte des Jahres noch nicht vorstellen, nach den Sommerferien hingegen schon. Im April will der Verband nun erneut beraten. Das Problem: Im zweiten Halbjahr sind schon deutsche Meisterschaften angesetzt, und die Terminschwemme wird vermutlich zunehmen. Wichtig ist Staffa: »Wir werden nicht in den Ligenbetrieb starten, wenn die Sportler nicht die drei Monate zuvor Mattentraining hatten.« Er müsse an die Gesundheit seiner Sportler denken.

Ligenbetrieb nur, wenn die Sportler drei Monate zuvor Mattentraining hatten.

Wobei es Staffa weniger um die Fitness geht. Die sei bei vielen Sportlern, auch aus anderen Sportarten, offenbar besser als vor Corona, sagt er. Eigenmann und Klein sind da unsicherer und wollen nach dem Re-Start erst einmal testen, wie fit die Jungs und Mädels sind, die wieder ins Mattentraining einsteigen. Das sei der richtige Weg, betont Staffa, der jedoch mehr Defizite in der technischen Routine erwartet. »Das kann man nicht simulieren«, sagt er mit Blick auf die vielen Online-Angebote der Vereine und des BJV. »Es ist etwas anderes, wenn ich eine Wurfübung mit dem Judo-Kittel mache, der drei, vier Kilo wiegt, als mit einem richtig schweren Gegner.«

Einerlei, wie fit die Judoka dann tatsächlich sind, plädieren alle drei, das Training nach der langen Pause langsam aufzubauen. Vor allem bei den Jüngsten. »Bei den Kleinsten hatten wir keine Chance, über längere Zeit Kontakt zu halten«, sagt Jochen Klein. »Da werden wir erst einmal wieder in den Grundlagen schulen müssen, das Werfen, aber vor allem das Fallen. Vieles, was wir ihnen beigebracht haben, wird verloren gegangen sein.« Problemloser dürfte der Wiedereinstieg bei den Jugendlichen und Erwachsenen sein, die leichter mit Online-Angeboten bei der Stange zu halten sind.

Bevor nicht normale Schule ist, wird niemand regelmäßig auf die Matte gehen.

Unter welchen Bedingungen das möglich sein wird, wissen nicht nur die Trainern nicht. Unklar ist auch den Hallenbesitzern, wann es wie weitergeht. Derzeit wird auf die Hygiene-Konzepte aus dem vorigen Jahr verwiesen. Andere genauere Ausführungen aus München oder Berlin habe es ja noch nicht gegeben. In Elsenfeld und bei der DJK müssen wenigstens nur die Stammvereine und das Ordnungsamt grünes Licht geben, wenn die Inzidenzwerte gesunken sind. Der JC Obernburg hat hingegen drei Trainingseinheiten in der Stadthalle. Und dort gibt es momentan andere Präferenzen. Stadtratssitzungen etwa.

Katrin Eigenmann bleibt daher trotz des Anfang März verkündeten Öffnungsfahrplans von Bund und Ländern geerdet. »Ich bin noch nicht euphorisch. Bevor nicht normale Schule stattfindet, brauchen wir uns nicht vorstellen, regelmäßig auf die Matte zu gehen.«

Doch sie ist grundsätzlich optimistisch. »Ich habe das Gefühl, die Leute stehen in den Startlöchern und warten nur darauf, das es wieder losgeht.« Ein weiteres positives Signal gibt es. Die Zahl der Mitglieder-Abmeldungen ist gering. Staffas Abteilung hat 2020 sogar einen Zuwachs verzeichnet. »Wir sind da aber sicher nicht der Maßstab«, sagt er. »Wir haben im Trainerstab vielleicht einen guten Job gemacht.«

Bleiben die Helfer dabei?

Eines treibt ihn dann aber doch noch um. Ob die Corona-Pause bei den Übungsleitern und anderen Ehrenamtlichen zur Ermattung geführt haben könnte. Ein freies Wochenende sei schließlich auch ein Wert. »Ich genieße es jedenfalls, jeden Samstag auf den Markt gehen zu können, was sonst nur einmal im Jahr konnte.« Staffa bleibt trotzdem seinem Sport eng verbunden. Er hofft nur, dass das auch für die vielen anderen freiwilligen Helfer in den Vereinen gilt. Für den Neustart im Spätsommer oder Herbst brauche man die.

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