Mittwoch, 30.09.2020
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Lautlos und schnell übern Kart-Kurs

Pedelec-Hybrid-Cup: In Schaafheim drehen Technik-Gurus auf Elektrorädern ihre Runden - Antriebstechnik der Zukunft

Schaafheim
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Sind Pedelecs, die per Elektromotor und Akku den Radfahrer beim Treten unterstützen, ein Stück Elektromobilität der Zukunft? Beim ersten Pedelec-Hybrid-Cup auf dem Schaafheimer Odenwaldring sind viel bestaunte Prototypen am Start.

Foto: Klaus Holdefehr
Sie flitzen fast lautlos dahin. Für manche Besucher beim Pedelec-Hybrid-Cup auf dem Kart-Kurs des Schaafheimer Odenwaldrings ist es ein ungewöhnliches Erlebnis. Den Cup, bei dem Fahrer auf Elektrorädern namens Pedelec antreten, haben Darmstädter Fahrrad-Konstrukteure organisiert, die sich schon eine Weile mit dieser Antriebstechnik befassen.

Dabei greift der Elektromotor - anders als beim E-Bike - nur unterstützend zur Muskelleistung des Radfahrers ein - quasi wie ein Servomotor.
Das ermöglicht den Sportlern entspannteres Radfahren, aber auch deutliche höhere Geschwindigkeiten, was an diesem Tag mit so manchem Prototyp auf dem Odenwaldring unter Beweis gestellt wird.
Geschwindigkeiten, über die Tobias Spindler, Pressesprecher der Organisatoren, lieber gar keine so ganz genauen Ausführungen machen will. Denn im Hintergrund lauert die Straßenverkehrszulassungsordnung. Pedelecs, die auf eine maximale Geschwindigkeitsunterstützung bei 25 Stundenkilometer eingestellt sind, können ohne Auflagen im öffentlichen Verkehr genutzt werden. Es gibt auch eine Klasse bis 45 Stundenkilometer, für die ein Versicherungskennzeichen fällig wird. Und was schneller ist, wird gleichzeitig bewundert und in Schweigen gehüllt.
Vermutlich schneller ist beispielsweise ein dreirädriges Liegefahrrad, über das sich der Darmstädter Fahrradkonstrukteur Markus Riese mit entzücktem Gesicht hermacht. Riese trägt aus gutem Grund eine Schutzkleidung, mit der er auch Rugby spielen könnte. Denn das Dreirad entfaltet mit seinem geringen Luftwiderstand einen geradezu unbändigen Vorwärtsdrang.
Die in Kurven unruhig wirkende Steuerung ist für den Laien ebenso gewöhnungsbedürftig wie die beiden völlig voneinander unabhängigen Vorderrad-Bremsen.
Nathanael Hayer aus Vahingen/Enz, Besitzer des Dreirads, ist ein richtiger Tüftler. »Ich bin Elektriker, da fängt man mit den ersten Motoren klein an. Inzwischen habe ich fünf Elektrofahrräder. Der Hauptgrund: Ich wollte bei den Spritpreisen Geld sparen.« Das Dreirad gibt es fertig konfektioniert zu kaufen. Hayer hat es aber noch »getunt«, so kommt es locker auf 45 Kilometer pro Stunde.
»Ich bin hier mein erstes Rennen gefahren«, sagt Sabine Elent aus Bamberg. »Ich hab zwar nicht gewonnen mit meinen Stollenreifen, aber Mitmachen ist ja alles«, fährt die gertenschlanke Mittvierzigerin fort. »Wir fahren solche Torque-Bikes auch daheim«, sagt sie. »Mein Mann hat ein Patent darauf. Es macht einen Riesenspaß, vor allem am Berg merkt man den Abzug.« Die Torque-Bikes haben einige Besonderheiten - ein voll verkleidetes »Power-Pack« samt Elektronik und sozusagen »Allradantrieb«, mit Elektromotoren in der Vorder- und Hinterradnabe.
Was man nicht sieht, sind die programmierbaren Controller. Für Einstellung und Wartung braucht man nicht nur Schraubenzieher und Inbusschlüssel, sondern mindestens ein Netbook. »Damit lässt sich die maximal unterstützte Geschwindigkeit abstimmen«, verrät Harald Elent, Konstrukteur des Torque-Bikes und früher Radrennfahrer. »Ich habe mit Basteln angefangen, weil meine Frau bei Radtouren immer langsamer war als ich. Mit dem Torque-Bike können wir jetzt auf dem gleichen Niveau Rad fahren.«
Segen und Fluch der Technik
»Ich bin bei einem Unternehmen beschäftigt, das Pedelecs baut«, sagt der 73-jährige Jakob Lamnek. »Und ich wollte mal eins ausprobieren.« Fluch und Segen der Technik: Während am Tag zuvor noch alles geklappt habe, liefere ihm der Motor nun keine Unterstützung. »Wenn der Motor mitspielt, ist das aber eine angenehme Sache.«
Vielleicht auch mehr: Die Konstrukteure und Cup-Veranstalter der TU Darmstadt lieferten am Dienstag 88 Pedelecs für einen Modellversuch in Elektro-Mobilität. Und nächstes Jahr soll es den zweiten Pedelec-Cup geben. Klaus Holdefehr

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