Montag, 30.11.2020
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Erzwunger Wartestand: Die 230 Spieler des TV Babenhausen wollten weiterspielen, stellen aber Trainingsbetrieb ein

Basketball
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Trainer wie Michael Krause, Coach der ersten Männer-Mannschaft des Turnvereins, können in der Corona-Saison 2020/21 noch zu entwickelnden Talenten leichter mehr Spielzeit einräumen, weil Auf- und Abstieg ausgesetzt sind.
Foto: Jens Dörr
Die Corona-Zeit hält auch im Mannschaftssport so manche Überraschung bereit: Während sich die Handballer, Volleyballer und sogar die (Freiluft-)Fußballer im Landkreis Darmstadt-Dieburg schon vor einigen Tagen auf eine Saisonpause verständigt hatten, wollten die Basketballer nach einem einstimmigen Beschluss beim Verbandstag des Hessischen Basketball-Verbands (HBV) am vergangenen Sonntag in Frankfurt landesweit nicht nur weitertrainieren, sondern auch die Punktrunde fortsetzen. Nach der Bund-Länder-Konferenz am Mittwochnachmittag müssen aber auch die Korbjäger spätestens ab Montag (2. November) pausieren.

Die »Wizards« des TV Babenhausen wollten den Trainingsbetrieb für ihre 230 Basketballer in elf Wettkampf-Teams plus einer Hobbygruppe unbedingt aufrecht erhalten und weiter zu Punktspielen antreten, fügen sich nun aber. Thomas Hüther, Sport-Koordinator der TVB-Basketballer, vermeldet die sofortige Einstellung des Trainings- und Spielbetriebs, der bis Sonntag noch erlaubt gewesen wäre.

Die Position des Basketballs, trotz der stark steigenden Infektionszahlen weiterzumachen, wurde in anderen Teilen der hessischen Sportwelt und in der Politik (die es zunächst allerdings explizit den Verbänden überlassen hatte, ob sie den fortführen wollen) kontrovers diskutiert und mitunter kritisiert. Auf dem Verbandstag sah das Stimmungsbild am Wochenende ganz anders aus: »Als es um die Entscheidung ging, ob wie den Spielbetrieb fortsetzen, gingen alle Hände nach oben«, berichtet Hüther. Was ihn noch ein paar Stunden vorher selbst überrascht hätte, denn »ich bin mit dem Gefühl zum HBV-Tag gefahren, dass wir unseren Sport erstmal einstampfen«.

Es gab aus unserer Sicht keinen Grund, den Spielbetrieb abzubrechen.

Dies kam zunächst anders, wobei die Entscheidung der Basketball-Klubs nicht hieß, dass hessenweit überall gespielt werden würde. Zum einen stand es jeder Mannschaft, auch den Teams des in dieser Abteilung zuletzt deutlich gewachsenen Babenhäuser Turnvereins, nach eigener Risikoabschätzung frei, ob sie ein Heim- oder Auswärtsspiel absolvieren. Am Wochenende fielen viele Spiele aus, auch die Auswärtspartien der TVB-Oberliga-Frauen (in Grünberg) und der Landesliga-Männer (in Hofheim). In manchen Landkreisen, etwa Groß-Gerau, haben sich Landratsamt und Gesundheitsbehörde zudem doch tiefer eingemischt und Wettkampfsport fürs Erste untersagt. Im Kreis Darmstadt-Dieburg war hingegen zunächst »nur« ein Zuschauerverbot verfügt worden, durften Punktspiele und anderer Wettkampfbetrieb in allen Sportarten unter genehmigten Hygienekonzepten fortgeführt werden. Sogar explizit unbedingt weitergehen sollte der Trainingsbetrieb, besonders der Kinder und Jugendlichen. Das betonte in den vergangenen Tagen zum Beispiel Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD).

Gute Trainingsbeteiligung

Derlei Ansätze sind seit dem nationalen Pauschalverbot von Trainings- und Spielbetrieb im Amateursport vom Mittwoch, das vom 2. November an (mindestens) vier Wochen gelten soll, nur noch Makulatur. Der Turnverein Babenhausen hatte laut Sport-Koordinator Thomas Hüther den Gesundheitsschutz berücksichtigt und das Virus ernstgenommen, seinen Spielern und Teams überdies die eigenständige und -verantwortliche Entscheidung überlassen, ins Training oder zu Spielen zu kommen. »Bisher hatten wir jedoch noch keine nachlassende Trainingsbeteiligung festgestellt«, konstatiert Hüther. Das damit verbundene Ziel, weiter Bewegung und sportliche Zerstreuung im Verein möglich zu machen (»Das ist unsere gesellschaftliche Verantwortung«) dürfen die Wizards fürs Erste aber nicht mehr verfolgen.

In der dunklen Jahreszeit ist der Sport ein besonders wichtiges Ventil.

»Es gab aus unserer Sicht keinen Grund, den Spielbetrieb abzubrechen, auch wenn der Spielbetrieb dem Trainingsbetrieb nachgeordnet ist«, sagt Hüther. »Unsere Leute wollten weitermachen, so lange es ungefährlich ist.« Was die meisten TVB-Basketballer bis Wochenbeginn offenbar noch so sahen, zumal unter ihnen bisher kein positiver Corona-Fall aufgetaucht gewesen sei. »Wir hatten zwar schon acht Verdachtsfälle, die dann aber alle negativ getestet wurden«, so Hüther. Ein wichtiges Argument gegen eine Saisonpause waren für die »Magier« auch die Erfahrungen der vergangenen Wochen. »Wir waren die Ersten, die ein Hygienekonzept für die Babenhäuser Schulturnhalle eingereicht haben«, sagt Thomas Hüther. »Wir haben es in Testspielen und im Training erprobt, und es hat funktioniert.« Wo die Umsetzung zunächst zu lax genommen worden sei, habe man durchgegriffen, pro Team mit einer speziell betrauten und geschulten Person, dem »Corona-Captain«.

Der hilft fürs Erste aber auch nicht mehr weiter. Aktive, Jugendliche und Kinder des TVB bleiben nun mindestens einen Monat lang zuhause. Online werde das ein oder andere Team sicher in Verbindung bleiben, meint Thomas Hüther, doch das sportliche Generalverbot der Politik findet er trotzdem »schade«. Das Argument der Kanzlerin, dass man bei 75 Prozent der Infektionen den Herd nicht kenne, lässt er aber gelten.

Rückkehr-Szenarien

Gleichwohl beschäftigt sich der TV Babenhausen bereits mit Szenarien, wie man bald aufs Parkett zurückkehren kann. »Unsere Hoffnung ist, dass wir im Dezember wieder mit dem Trainings- und im Januar wieder mit dem Spielbetrieb beginnen können«, blickt der Sport-Koordinator der »Wizards« voraus. »In der dunklen Jahreszeit ist der Sport ein besonders wichtiges Ventil«, und für den Spielbetrieb habe man eine um drei Monate bis Juni 2021 verlängerte Basketball-Saison vor der Brust.

Von Verbandsseite wurde die besondere Situation der hessischen Klubs schon seit Saisonbeginn unterstützend flankiert: Auf- und Abstieg sind in dieser speziellen Saison ausgesetzt, wodurch gerade bei den Aktiven weniger sportlicher Druck herrscht und Talente mehr Einsatzzeit bekommen. Zudem sind Spielverlegungen unbürokratisch möglich.

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