Montag, 18.01.2021
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Ellbogen-Check statt Shakehands: Auswirkungen des Coronavirus auf den Nahkampfsport

Corona-Krise
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Mit mehreren Maßnahmen wappnen sich die Ringer-Verbände gegen das Corona-Virus.

Ungewohnte sportliche Verhältnisse: Ausbleiben des Handschlags, Sicherheitsabstände, Absagen von Großveranstaltungen, Fußballspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Rasant nimmt die Coronavirus-Epidemie immer mehr Einfluss auf die Sportwelt. Doch wie steht es um Sportarten, in denen Körperkontakt unabdingbar ist? An erster Stelle steht hier natürlich der Kampfsport. Seit kurzem hat SARS-CoV-2 auch Aschaffenburg erreicht. Das Medienhaus Main-Echo hat sich in der Ringer-Hochburg erkundigt, wie man mit der Situation umgeht.

Vorkehrungen zur Sicherheit

Jens Gündling, Sportmanager des Hessischen Ringerverbandes (HRV) und Zuständiger im Ringer-Leistungszentrum (RLZ) Aschaffenburg, erklärt, wie ernst die Lage aktuell im Ringersport ist und welchen Einfluss das Virus hat. Täglich trainieren Leistungssportler aus der Region im RLZ. Schwitzen ist ebenso wenig zu verhindern wie der Kontakt zum Gegner beziehungsweise Trainingspartner. Dadurch besteht das Risiko einer Übertragung von Corona.

Um die Brücke zwischen Ringer, Trainer und Physiotherapeut zu unterbrechen, hat der HRV laut Gündling alle Beteiligten dazu verpflichtet, sich vor jeder Trainingseinheit die Hände zu waschen und zu desinfizieren. Zudem hat der Ellbogen-Check als Gruß das traditionelle Shakehands abgelöst.

Des Weiteren wurde den Sportlern deutlich gemacht, bei minimalen Anzeichen einer Erkältung dem Training aus Sicherheitsgründen fernzubleiben. Da allerdings die Infektionsverbindung zwischen den Sportlern im Training nicht zu verhindern ist, wurden die Athleten genauestens über das Risiko einer Übertragung informiert, so dass jeder Ringer für sich selbst entscheiden muss, ob er auf die Matte geht oder nicht. Dies mache sich in Form einer minimal geringeren Trainingsbeteiligung bemerkbar, berichtet Gündling: »Wenn normalerweise zehn von zehn Mann im Training sind, sind es momentan acht von zehn.«

Ausgehend vom Worst-Case-Szenario, dass einer der Athleten im RLZ positiv auf das Virus getestet wird, müsste das Zentrum nach Angaben des HRV-Sportmanagers vorübergehend geschlossen und der gesamte Trainingsbetrieb eingestellt werden - mindestens zwei Wochen, bis die akute Ansteckungsgefahr vorüber ist.

Veranstaltungen absagen?

Nach zahlreichen Wettbewerbsabsagen in verschiedenen Sportarten und angekündigten Fußballspielen vor leeren Rängen, denkt man nun auch im Ringersport kritisch nach: Aktuell steht im Raum, dass die anstehenden Jugendmeisterschaften des Deutschen Ringerbundes (DRB), die ab dem 27. März in Ladenburg und Zella-Mehlis mit der B-Jugend starten, ausfallen müssen. Hier spielen Politik und Kommunen eine maßgebliche Rolle. Sollten die Turniere aber stattfinden, dann nur unter strengen Hygiene-Beschlüssen des DRB: Zwischen den Kampfabschnitten (morgens, mittags und abends) muss die Matte desinfiziert werden. Dazu muss vor Betreten der Matte jeder Sportler seine Hände desinfizieren und 30 Sekunden warten, bis sich das Mittel gefestigt hat, sagt Gündling.

»Volle Konzentration auf den Wettkampf«

Nachwuchstalent Tino Rettinger (19) aus Aschaffenburg steht momentan beim SC Siegfried Kleinostheim unter Vertrag. Für seinen Verein wird er in der kommenden Saison erneut in der DRB-Bundesliga antreten. Im Interview mit unserem Medienhaus gibt er Auskunft darüber, welche Rolle das Coronavirus in seinem Sport spielt.

 

Herr Rettinger, beim täglichen Training stehen Sie permanent in direktem Körperkontakt mit Ihren Trainingspartnern. Gibt es jetzt im Ringersport aufgrund des Virus spezielle Hygiene- und Sicherheits-Vorkehrungen?
Rettinger: Ja, die gibt es zurzeit. Zum Beispiel werden die Matten öfters und gründlicher als sonst gesäubert und selbstverständlich auch desinfiziert. Wir müssen uns auch vermehrt die Hände waschen und desinfizieren. Sonst dusche ich mich wie gewohnt nach dem Training. Unsere Trainer und Verantwortlichen haben uns über das hohe Ansteckungsrisiko informiert, da die Übertragung per Tröpfchen-Infektion stattfindet und wir den Schweißkontakt zum Gegner nicht vermeiden können. Letztlich ist es also jedermanns eigene Verantwortung und Entscheidung, wie er damit umgeht. Ich will mich aufs Ringen konzentrieren und der Sache nicht allzu große Aufmerksamkeit schenken.

Inwiefern wirkt sich die Epidemie auf die Stimmung und den Umgang miteinander in der Ringer-Szene aus?
Rettinger: In unserem Sport ist es üblich, anderen Ringern und Bekannten beim Betreten der Halle zur Begrüßung die Hand zu schütteln. Momentan fällt allerdings auf, dass immer mehr Leute auf den Handschlag verzichten. Unter uns Sportlern spielt das Virus aber keine allzu große Rolle, die Stimmung ist wie immer. Nachdem wir unsere Hände desinfiziert haben, trainieren wir auch ganz normal wie gewohnt miteinander.

Am Wochenende treten Sie bei einem internationalen Turnier in Lettland an. Wirkt sich die Ansteckungsgefahr auf Ihre Leistungsfähigkeit aus?
Rettinger: Natürlich ist es Thema im Kopf, das lässt sich nicht vermeiden. Jedoch will ich gute Leistungen abrufen und darf dafür während meiner Kämpfe keine Gedanken daran verschwenden. Deshalb schaffe ich es auch, meine volle Konzentration auf den Wettkampf zu richten.

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