Cricket-Club Aschaffenburg: Im Vorjahr gegründet, jetzt Saisonauftakt in Hessenliga

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Fingerzeige: Teamkapitän Shaheer Nasrullah erklärt Abteilungsleiter Olav Dornberg und unserem Redakteur, wie der Bowler dem Cricketball Effet verleiht. Foto: Stefan Gregor
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Ein durchschlagender Erfolg soll das erste Hessenliga-Spiel des Cricket-Clubs Aschaffenburg am Sonntag werden. Foto: Petra Reith
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Ein durchschlagender Erfolg soll das erste Hessenliga-Spiel des Cricket-Clubs Aschaffenburg am Sonntag werden. Foto: Petra Reith
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Premiere für den Cricket-Club Aschaffenburg: Die Mannschaft startet am Wochenende in ihre erste Saison in der Hessenliga. Wir haben mit Teamkapitän Shaheer Nasrullah und Abteilungsleiter Olav Dornberg gesprochen.

Spiel­ball der Groß­m­äch­te im Kal­ten Krieg, seit des­sen En­de im Wür­ge­griff der Ta­li­ban, Ex­port-Welt­meis­ter bei He­roin. Afg­ha­nis­tan gilt weit­hin als Pro­b­lem­staat, aus dem laut UN-Be­rich­ten in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren mehr als ei­ne Mil­lio­nen Men­schen ge­f­lo­hen sind.

Im Nationalsport Cricket ist das Land 2017 dagegen in den exklusiven Kreis der Allerbesten aufgestiegen: Der Weltverband ICC erhob Afghanistan in den Kreis der Test-Nationen, denen es vorbehalten ist, Spiele in der traditionsreichsten Variante auszutragen. Bis zu fünf Tage dauern solche Partien. Das erste Test-Match der afghanischen Auswahl gegen Indien ist für Mitte Juni angesetzt.
Seine Premiere feiert bereits an diesem Sonntag ab 13.30 Uhr der Cricket-Club Aschaffenburg: mit einem Heimspiel gegen Mörfelden zum Saisonauftakt der Hessenliga. Die im Vorjahr von afghanischen Flüchtlingen gegründete Mannschaft hat unter dem Dach der DJK Aschaffenburg ihre Heimat gefunden. Über die Partie auf dem DJK-Sportgelände zwischen Kleiner Schönbuschallee und Darmstädter Straße, aber auch über die Situation in Afghanistan hat unser Medienhaus mit Teamkapitän Shaheer Nasrullah, der seit sieben Jahren in Deutschland lebt, und Cricket-Abteilungsleiter Olav Dornberg gesprochen.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das erste Hessenliga-Heimspiel des Cricket-Clubs Aschaffenburg am kommenden Sonntag?
Shaheer Nasrullah:
Wir werden unser Spiel auf jeden Fall gewinnen. (lacht) Wir haben in den letzten zwei Wochen richtig gut trainiert. Die Zuschauer dürfen sich freuen.
Olav Dornberg:Ich erwarte zunächst einmal gutes Wetter, dass unser erstes Spiel von Sonne begleitet wird und dass wir viel Spaß haben. Und ich hoffe auf ein tolles und faires Spiel, mal schauen, ob wir gewinnen. Im Winter waren wir auf zwei Turnieren in der Halle. Das ist zwar sicherlich nicht repräsentativ, aber da haben wir stets gut gespielt. Von daher haben wir reelle Chancen, dem Publikum etwas Tolles zu bieten.

Für viele Deutsche ist Cricket der Inbegriff eines langweiligen Sports aus England: weiß gekleidete Spieler mit Sonnenhüten, die vor allem herumstehen und tunlichst darauf achten, die Tea Time nicht zu verpassen. Was fasziniert Sie an Cricket?
Nasrullah:
Das Problem ist, dass Test-Matches oder 50-Over-Spiele (ein Over besteht aus sechs regelkonform geworfenen Bällen, Anm. d. Red.) eben sehr lange dauern, und viele die Regeln nicht kennen. Dann kann man es schon langweilig finden. Aber wir bemühen uns hier in Aschaffenburg auch, das Spiel zu vermitteln.
Dornberg: Es ist tatsächlich so, dass man sich reindenken muss in den Sport. Mit Fußball ist man groß geworden, da ist es viel leichter, dem Spiel zu folgen. Fußball ist kürzer, begrenzt auf 2 x 45 Minuten plus vielleicht Nachspielzeit. Cricket ist durch die Anzahl der Bälle beschränkt, das kann sich in die Länge ziehen. Aber es ist ein sehr interessanter Sport, der international, etwa in England, Massen in den Bann zieht. Und es ist in den einzelnen Aktionen auch ein schneller Sport, bei dem man genau beobachten muss, was Werfer und Schlagmann machen. Mit einem flinken Auge kann man da schon die technischen Finessen erkennen und Begeisterung dafür entwickeln.


Ein Ziel bei der Gründung des Cricket-Clubs unter dem Dach der DJK Aschaffenburg war, Flüchtlingen bei der Integration zu helfen. Ist das Vorhaben erfolgreich?
Dornberg:
Auf alle Fälle. Wir sind schon ein gutes Stück vorangekommen. Die Mannschaft ist zusammengewachsen. Wir möchten noch mehr Leute für den Sport gewinnen. Die Türe bei uns steht immer offen.

Haben Sie schon einmal den Vorwurf gehört: Wenn ihr euch integrieren wollt, dann spielt doch Fußball statt Cricket?
Nasrullah:
Fußball ist auch ein guter Sport und wir spielen am Ende vom Training auch. Aber Cricket ist einfach das Lieblingshobby der Afghanen.
Dornberg: Ich habe den Vorwurf zwar noch nicht gehört, aber sicher denken einige so. Aber als Fußball nach Deutschland kam, gab es auch Vorbehalte. Und ich denke auch, dass sich manche unserer Spieler für andere Sportarten interessieren und es da auch Talente gibt, etwa beim Werfen. Da gibt es im Verein sicherlich Quermöglichkeiten. Und wenn andere Ballsportler zu uns zum Cricket kommen, sind wir offen. Das kann alles eine gegenseitige Bereicherung sein.

Anfangs bestand das Team ausschließlich aus Afghanen. Wie sieht es aktuell aus?
Nasrullah:
Wir haben einige Pakistaner und auch drei, vier Spieler aus Indien. Wir sind insgesamt 18 Leute, das sieht gut aus.

Die meisten Spieler sind aus ihrer Heimat geflüchtet. Besteht da die Sorge, dass die Mannschaft in Folge von möglichen Abschiebungen auseinanderbricht?
Nasrullah:
Das ist eine schwierige Frage. Vom Asylrecht habe ich nicht viel Ahnung. Aber ich sage jetzt einfach: Wir werden dafür sorgen, dass es mit Cricket weitergeht bei der DJK.

Die Bundesregierung stuft Afghanistan als sicheres Herkunftsland ein. Was sagen Sie dazu?
Nasrullah:
Wie kann das ein sicheres Land sein, wenn jederzeit eine Bombe explodieren kann - wie gerade erst in Kabul.
Dornberg: Man muss doch nur die Medien aufmerksam verfolgen. Und dann ist die Aussage, dass Afghanistan ein sicheres Herkunftsland ist, ein Irrsinn. Die nächste Wahl steht immer an und dann werden solche populistische Aussagen eben gemacht.

Zurück zum Sportlichen: Afghanistan wurde im vergangenen Jahr - gemeinsam mit Irland - in den exklusiven Kreis der Test-Cricket-Nationen aufgenommen. Was bedeutet dieser Aufstieg für Ihr Heimatland?
Nasrullah:
Wir freuen uns natürlich, dass unsere Nationalmannschaft Test-Matches bestreiten darf und sich so gegen starke Mannschaften weiterentwickeln kann. Das ist auch gut für das Selbstbewusstsein, daran kann man wachsen.

Mit welcher sportlichen Zielsetzung gehen Sie in die Hessenliga-Saison?
Nasrullah:
Wir versuchen einfach immer, hundert Prozent Leistung zu bringen. Es gibt in Hessen viele starke Mannschaften, die seit Jahren zusammenspielen. Aber ich bin mir sicher, dass wir gerade wegen unserer neuen Spieler gegen Mannschaften auf unserem Niveau gewinnen.
Dornberg: Bei den Hallenturnieren, die wir gespielt haben, hat man schon gesehen, dass bei anderen Mannschaften viele ältere Spieler mit viel Erfahrung dabei sind. Diese Erfahrung fehlt uns, aber das wollen wir mit unserer Jugendlichkeit wettmachen.
Nasrullah: Wir haben einen Spieler über 30, der Rest ist zwischen 16 und 25, davon drei unter 18.

Wo liegen die Stärken der Mannschaft?
Nasrullah:
Unsere Stärken liegen ganz klar beim Bowling und Fielding (vereinfacht ausgedrückt: beim Werfen und Verteidigen im Feld, Anm. d. Red.). Wir haben zwar drei, vier Spieler, die gute Allrounder sind, also auch gut schlagen können. Aber wenn die raus sind, dann wird es schwierig.
Thorsten Schmitt

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