Burpee-Jubel über Bronze: Matthias Schnabel aus Elsenfeld bei U19-EM mit Erfolg im im Doppel

Badminton
4 Min.

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Mit EM-Maskottchen, Medaille und gefärbten Haaren: Matthias Schnabel (rechts) mit seinem Doppelpartner Kilian Maurer.
Foto: Badminton Europe
Bei der U19-Em in Finnland kann sich der Elsenfelder Matthias Schnabel über Bronze im Doppel freuen. Und das gelingt ihm mit einem ganz besonderem Jubel.

Als ihm die Medaille nicht mehr zu nehmen ist, lässt Matthias Schnabel die Muskeln spielen. Gerade hat der 17-Jährige aus Elsenfeld im finnischen Lahti mit einem Schmetterball den Einzug ins Halbfinale der U19-EM perfekt gemacht, da zeigt er nach Siegesschrei und Umarmung mit dem Doppelpartner zwei Burpees, zieht sich danach das Trikot aus und spannt am Netz beide Bizepse an. Wenig später hakt der Reporter von Badminton Europe im Videointerview nach: »Zuerst: Diesen Jubel musst du erklären, das war ein einzigartiger!«

Er könne es noch gar nicht glauben, sagt ein sichtlich von Glücksgefühlen überwältigter Schnabel in die Kamera. Aber ja, vor dem Viertelfinale habe er sich Gedanken für den Erfolgsfall gemacht. Am Donnerstag vergangener Woche war das; am Freitag dann mussten sich der Elsenfelder und Teamkollege Kilian Maurer, die beide für den ESV Flügelrad Nürnberg spielen, dem topgesetzten Duo aus Russland mit 19:21, 16:21 geschlagen geben.

»Sie haben sehr, sehr gut mitgehalten und gezeigt, dass sie zurecht im Halbfinale standen«, sagt eine Woche später Tobias Wadenka. Er gehört am Landesleistungsstützpunkt Nürnberg zu dem Trainerteam, dem Schnabel am Vorabend im Telefongespräch mit unserem Medienhaus seinen Dank ausgesprochen hat.

Nikolai Tønnesen und Lukas Gunzelmann nennt er als weitere Coaches, nicht zu vergessen die Familie und seine vorherigen Vereine TV Großwallstadt, TV Goldbach mit den Trainern Martin Köhler und Nicol Bittner sowie TV Marktheidenfeld mit Coach Joachim Klein. »Ich bin auch sehr dankbar für die Gelegenheit, das Turnier spielen zu dürfen«, sagt Schnabel noch: »Es stand lange auf der Kippe, ob die EM überhaupt stattfinden wird.«

»Unglaubliches Ereignis«

Internationale Turniere hat er schon mehrere gespielt; die EM war aber seine erste große Meisterschaft im Nationaltrikot. »Es war für mich ein unglaubliches Ereignis«, berichtet Schnabel: »Ich bin total glücklich, wie es gelaufen ist. Dass ich eine Bronzemedaille für Deutschland nach Hause holen konnte.«

Bei der Team-EM, die direkt vor den Einzel-Wettkämpfen an gleicher Stelle ausgespielt wurde, kam Schnabel beim 5:0-Vorrundenerfolg gegen die Färöer im Doppel zum Einsatz. Die Auswahl des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV) zog als Gruppenzweiter hinter dem späteren Titelträger Dänemark ins Viertelfinale ein, scheiterte in der ersten K.o.-Runde aber an Russland.

Deutsches Mixed-Duo holt Gold

Besser lief es bei den Individual-Entscheidungen, bei denen die DBV-Talente mit viermal Edelmetall zweiterfolgreichste Nation hinter den Russen waren. Bronze neben Schnabel und Maurer holte im Einzel Matthias Kicklitz (Blau-Weiß Wittorf), der an der Seite von Thuc Phuong Nguyen (Hamburg-Horner TV) den Titel im Mixed gewann. Nguyen sicherte sich mit Leona Michalski (TV Refrath) zudem Silber im Frauen-Doppel.

Die an Position sechs gesetzten Schnabel und Maurer waren mit einem engen Zwei-Satz-Erfolg über ein tschechisches Paar in die Konkurrenz gestartet. In den folgenden beiden Runden gaben sie gegen ein schweizerisch-österreichisches Duo und ein Paar aus Italien jeweils knapp den ersten Durchgang ab, drehten die Partien dann aber klar zu ihren Gunsten.

Es war von vornherein klar, dass jedes Spiel eine echte Herausforderung wird.

»Es war uns von vornherein klar, dass jedes Spiel eine echte Herausforderung wird«, sagt Schnabel. »Mein Ziel war, alles zu geben und dabei nicht zu verkrampfen.« Durch den K.o.-Modus sei der Druck »schon hoch« gewesen: »Da kommt es leicht vor, dass du auf dem Feld zu fest wirst.« Insgeheim, verrät der Elsenfelder, habe er mit einer Medaille geliebäugelt.

Trainer lobt Cleverness

Von einer positiven Überraschung und einem »Riesenerfolg« spricht der Nürnberger Coach Tobias Wadenka: »Wir haben uns im Trainerteam sehr gefreut.« Matthias Schnabel bescheinigt er gute Reaktionen, wenn ein Ballwechsel richtig schnell wird. Außerdem sei er »taktisch sehr clever.« Vor vier Jahren wechselte der Elsenfelder, der in zwei Wochen seinen 18. Geburtstag feiert, nach Nürnberg. Dort besucht er die Bertolt-Brecht-Schule, eine Eliteschule des Sports, und wohnt im Haus der Athleten. Zehn bis zwölf Trainingseinheiten stehen pro Woche auf dem Wochenplan, für die gymnasiale Oberstufe hat das Badminton-Talent angesichts dieses Programm drei statt zwei Jahre Zeit.

Mein Ziel war, alles zu geben und dabei nicht zu verkrampfen.

Mit der Frage, was nach dem Abitur kommt - ob Studium oder Berufsausbildung - , beschäftige er sich viel. »Es gibt verschiedene Sachen, die mich interessieren, aber ich habe noch nichts Konkretes«, sagt Schnabel: »Ich habe noch eineinhalb Jahre, da kann noch viel passieren. Wenn ich mich dazu entschließe, Badminton als Leistungssport in diesem Umfang weiterzumachen, werde ich versuchen, nach Saarbrücken zu gehen an den Olympiastützpunkt für Doppel und Mixed.«

Mit grauen Haaren aufs Podest

Mit EM-Bronze hat sich Matthias Schnabel auf jeden Fall für weitere Auftritte auf großen Badminton-Bühnen empfohlen - auch mit seiner Freude über den Erfolg. Der war in Lahti nicht das einzig Augenfällige: Schnabel und mehrere Teamkollegen hatten sich für das Turnier die Haare gefärbt.

Vorbild seien die Franzosen gewesen, die bei vergangenen Titelkämpfen einheitlich blond antraten. »Das war also schon vergeben, Schwarz ist nichts Besonderes. Da haben wir uns auf ein helles Grau geeinigt, eigentlich Silber«, sagt Schnabel. Je nach Ausgangsfarbe seien die Ergebnisse aber unterschiedlich ausgefallen, erzählt er lachend: »Am Ende hatten aber nur eine Handvoll Leute graue Haare, der Rest war gelb, blond - sehr individuell.« Wie der Jubel, mit dem Matthias Schnabel seine Bronzemedaille gefeiert hat.

Stichwort: Burpee

Das Online-Lexikon Wikipedia beschreibt einen Burpee als »eine sportliche Übung zum Ganzkörpertraining«. In der heutzutage gängigsten Variante werden dabei Kniebeuge, Liegestütz und Strecksprung in einer flüssigen Bewegung kombiniert.

Die Übung ist nach dem amerikanischen Physiologen Royal Huddleston Burpee benannt, der im Jahr 1939 einen einfachen »Fitnesstest für jedermann« entwickelte. Nicht enthalten waren ursprünglich die Elemente Liegestütz und Strecksprung, stattdessen bestand die Übung in folgendem Ablauf: Stand - Hände auf den Boden - Sprung in die Ausgangsposition eines Liegestützes - Rücksprung in die vorige Position - Aufrichten. 1942 übernahm die US-Army den Burpee, um die Fitness der Soldaten zu überprüfen.

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