Sonntag, 29.11.2020
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Auf Korbjagd mit dem »Corona-Captain«: »Wizards« aus Babenhausen trainieren und spielen weiter

Basketball
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Trainer wie Michael Krause, Coach der ersten Männer-Mannschaft des Turnvereins, können in der Corona-Saison 2020/21 noch zu entwickelnden Talenten leichter mehr Spielzeit einräumen, weil Auf- und Abstieg ausgesetzt sind.
Foto: Jens Dörr
Die Corona-Zeit hält auch im Mannschaftssport so manche Überraschung bereit: Während sich die Handballer, Volleyballer und nun sogar die (Freiluft-)Fußballer im Landkreis Darmstadt-Dieburg sowie teils auch landesweit auf eine Saisonpause verständigt haben, brachte der Verbandstag des Hessischen Basketball-Verbands (HBV) am Sonntag in Frankfurt ein ganz anderes, aber einstimmig beschlossenes Ergebnis:

Bei den Korbjägern geht der Spielbetrieb unverändert weiter - wie so vieles in diesen Tagen zumindest gültig bis zur nächsten Verschärfung politischer Vorgaben, wie sie etwa am Mittwoch auf der Ministerpräsidenten-Konferenz diskutiert werden sollten.

Auch die »Wizards« des TV Babenhausen halten den Trainingsbetrieb für ihre 230 Basketballer in elf Wettkampf-Teams plus einer Hobbygruppe aufrecht und treten auch weiter zu Punktspielen an. Thomas Hüther, Sport-Koordinator der TVB-Basketballer, steht hinter dem HBV-Beschluss.

Als es um die Entscheidung ging, gingen alle Hände nach oben.

Der wird in anderen Teilen der hessischen Sportwelt und in der Politik (die es allerdings explizit den Verbänden überlassen hatte, ob sie den Spielbetrieb in ihren Sportarten angesichts der stark steigenden Infektionszahlen fortführen) kontrovers diskutiert und mitunter kritisiert. Auf dem Verbandstag sah das Stimmungsbild am Wochenende ganz anders aus: »Als es um die Entscheidung ging, ob wir den Spielbetrieb fortsetzen, gingen alle Hände nach oben«, berichtet Hüther. Was ihn noch ein paar Stunden vorher selbst überrascht hätte, denn »ich bin mit dem Gefühl zum HBV-Tag gefahren, dass wir unseren Sport erstmal einstampfen«.

Viele Partien ausgefallen

Freilich: Die Entscheidung der Basketball-Klubs heißt nicht, dass nun hessenweit überall gespielt wird. Zum einen steht es jeder Mannschaft, auch den Teams des in dieser Abteilung zuletzt deutlich gewachsenen Babenhäuser Turnvereins, nach eigener Risikoabschätzung frei, ob sie ein Heim- oder Auswärtsspiel absolvieren. Am Wochenende fielen viele Spiele aus, auch die Auswärtspartien der TVB-Oberliga-Frauen (in Grünberg) und der Landesliga-Männer (in Hofheim). In manchen Landkreisen, etwa Groß-Gerau, haben sich Landratsamt und Gesundheitsbehörde zudem doch tiefer eingemischt und Wettkampfsport fürs Erste untersagt. Im Kreis Darmstadt-Dieburg hingegen ist aktuell »nur« ein Zuschauerverbot verfügt; Punktspiele und anderer Wettkampfbetrieb dürfen in allen Sportarten unter genehmigten Hygienekonzepten fortgeführt werden. Sogar explizit unbedingt weitergehen soll der Trainingsbetrieb, besonders der Kinder und Jugendlichen. Das hat zum Beispiel Landrat Klaus Peter Schellhaas in den vergangenen Tagen betont.

Hier knüpft auch TVB-Sport-Koordinator Thomas Hüther an. »Wir haben als Verein eine gemeinnützige Verantwortung.« Diese berücksichtige einerseits den Gesundheitsschutz und nehme das Virus ernst, stelle Spielern und Teams überdies die eigenständige und -verantwortliche Entscheidung frei, ins Training oder zu Spielen zu kommen. »Bisher haben wir jedoch noch keine nachlassende Trainingsbeteiligung festgestellt«, konstatiert Hüther. Denn das »andererseits« ist eben jene Verantwortung, weiter Bewegung und sportliche Zerstreuung im Verein möglich zu machen.

Unsere Leute wollen weitermachen, solange es ungefährlich ist.

Hüther geht noch weiter. Nicht nur, dass mit dem Training in der Schulsporthalle fortgefahren werden soll. »Es gibt aus unserer Sicht auch keinen Grund, den Spielbetrieb abzubrechen, auch wenn der Spielbetrieb dem Trainingsbetrieb nachgeordnet ist. Unsere Leute wollen weitermachen, solange es ungefährlich ist.« Was die meisten TVB-Basketballer offenbar noch so sehen. Zumal unter ihnen bisher kein positiver Corona-Fall aufgetaucht ist. »Wir hatten zwar schon acht Verdachtsfälle, die dann aber alle negativ getestet wurden«, so Hüther. Man nehme derlei auch weiter sehr ernst, im Moment blieben etwa ein Schüler der U18 und eine Krankenschwester aus einem Frauenteam wegen des Corona-Verdachts zuhause.

Ein wichtiges Argument für die »Magier«, in ihrem Sport buchstäblich erstmal weiter am Ball zu bleiben, sind die Erfahrungen der vergangenen Wochen. »Wir waren die Ersten, die ein Hygienekonzept für die Babenhäuser Schulturnhalle eingereicht haben«, sagt Thomas Hüther. »Wir haben es in Testspielen und im Training erprobt, und es hat funktioniert.« Wo die Umsetzung zunächst zu lax genommen worden sei, habe man durchgegriffen. Dafür sorgt pro Team auch eine speziell betraute Person: Jede Basketball-Mannschaft des Turnvereins hat inzwischen ihren »Corona-Captain«.

Von Verbandsseite werden die Anstrengungen des hessischen Klubs schon seit Saisonbeginn flankiert: Auf- und Abstieg sind in dieser speziellen Saison ausgesetzt, wodurch gerade bei den Aktiven weniger sportlicher Druck herrscht und Talente mehr Einsatzzeit bekommen. Spielverlegungen sind unbürokratisch möglich, das Zeitfenster für Nachholspiele bis Ende Juni 2021 ausgedehnt. Dann, so hoffen sie auch in Babenhausen, könnte der Mannschaftssport die schlimmsten Corona-Unbilden überstanden haben.

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