1. Bundesliga: Für den TVM wirtschaftlich machbar!

Karl Fuchs: Der Badminton-Abteilungschef über die sportliche Ausrichtung des TV Marktheidenfeld, die Aufstiegsrunde und eine mögliche Rückkehr von Sohn Michael

Karl Fuchs
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TV Marktheidenfeld - Tim Specht
Teamkapitän und Paradebeispiel für die gute Nachwuchsarbeit des TV Marktheidenfeld: Tim Specht. Foto: Thomas Appel
Foto: Thomas Appel
TV Marktheidenfeld - Tim Specht
Teamkapitän und Paradebeispiel für die gute Nachwuchsarbeit des TV Marktheidenfeld: Tim Specht.
Foto: Thomas Appel
Karl Fuchs, der Badminton-Abteilungschef, spricht über die sportliche Ausrichtung des TV Marktheidenfeld, die Aufstiegsrunde am Wochenende in Goldbach – und eine mögliche Rückkehr von Sohn Michael.

Es könn­te bald wie­der ei­nen Erst­bun­des­li­gis­ten aus dem west­li­chen Un­ter­fran­ken ge­ben: das Bad­min­ton-Team des TV Markt­hei­den­feld. In der Auf­s­tiegs­run­de am Wo­che­n­en­de in Gold­bach wol­len die Schütz­lin­ge von Coach Joa­chim Klein als Über­ra­schungs-Vi­ze­meis­ter der 2. Bun­des­li­ga Süd den Durch­marsch von der 3. in die 1. Li­ga schaf­fen.

Das käme einer Sensation gleich, zumal die beiden Relegations-Gegner deutlich stärker besetzt sind. »Wir hatten höchstens mit der Abstiegs-Relegation gerechnet«, ist auch einer der Väter des Erfolgs, Abteilungschef Karl Fuchs (65), vom Höhenflug noch immer verblüfft.
Dennoch hat der TVM einen Plan B für den Fall des Bundesliga-Aufstiegs. Und vielleicht einen Plan X, der mit Michael Fuchs zu tun hat, dem internationalen Topspieler, Olympia- und WM-Teilnehmer - und Sohn von Karl Fuchs.

Realismus oder Bescheidenheit - ist der TV Marktheidenfeld am Wochenende in Goldbach wirklich der krasse Außenseiter, wie alle im Verein betonen?
Ja, ganz klar, es müsste sehr viel zusammenkommen, damit wir es schaffen. Freystadt ist eine Profi-Truppe aus der 1. Liga und klarer Favorit. Wittdorf hat einen besseren Kader als wir, die 2. Liga Nord ist wohl auch stärker als die Südstaffel. Und man darf nicht vergessen, dass es in der 2. Liga Süd sehr ausgeglichen war und wir auf keinen Fall völlig dominant waren. Von den drei Vereinen am Wochenende haben wir auch sicher den kleinsten Etat.

Trotzdem kann in nur zwei Spielen viel passieren. Was spricht für den TVM?
Dass wir eine sehr ausgeglichene Mannschaft haben, die total heiß ist. Und vielleicht unterschätzen uns die Gegner und lassen nicht alle ihre Stars einfliegen. Wir setzen auch ein bisschen auf einen Heimvorteil, die Unterstützung von Fans aus unterfränkischen Vereinen und auch aus dem Wertheimer Raum.

Sie wollen in den wichtigsten beiden Saisonspielen auf ihre beiden Ausländer verzichten, die Finnin Anna Paavola und den Polen Jan Rudzinski. Warum?
Weil unsere eigenen Spieler mittlerweile genauso stark sind. Das ist keine Entscheidung gegen Anna und Jan. Aber unser Grundprinzip ist: Spieler aus der Region haben Vorrang.
Die Nicht-Nominierung der beiden Internationalen ist kein Eingeständnis, dass der TVM sowieso keine Chance hat?
Nein! Nehmen wir Brid Stepper, sie kam vor der Saison aus Wipperfeld aus der 2. Liga, kommt aus Veitshöchheim - und ist stärker als Anna Paavola. Auch im Herrenbereich sind wir gut aufgestellt. Matthias Pröstler hat sich nach langer Verletzung mit eisernem Willen super reingebissen und ist unverzichtbar. Tim Specht, Christopher Ames und Fabian Hippold haben sowieso eine klasse Saison gespielt.

Sollte es tatsächlich mit dem Aufstieg klappen: Wie wäre der Verein für Liga 1 gerüstet?
Sportlich nur bedingt, unsere aktuelle Mannschaft wäre kaum konkurrenzfähig. Organisatorisch und wirtschaftlich wäre die Bundesliga aber machbar.

Woher die Gelassenheit?
Wir haben schon nach dem Zweitliga-Aufstieg einiges investiert, sind gut aufgestellt. Was teurer wird, sind die weiteren Reisen mit Übernachtung.
Würden sich Ihre Hauptsponsoren im Aufstiegsfall noch mehr engagieren?
Davon gehe ich aus, die Bundesliga ist eine größere Attraktion. Wir haben überwiegend regionale, mittelständische Unternehmen als Sponsoren, angeführt von Redelbach-Bau. Die großen Unternehmen vor Ort halten sich bei uns bisher eher zurück.

Was würden Sie an der Mannschaft ändern?
Nicht viel, denn es bringt nichts, drei oder vier Legionäre zu holen und die eigenen Spieler herauszudrängen. Punktuelle Verstärkungen wären sinnvoll, aber der Kern des Teams muss bleiben. Und auch dann wäre es
für uns in der 1. Liga extrem schwer.

Weiter Zweitligist zu bleiben, wäre Ihnen lieber?
Nein, denn die Mannschaft hat klar entschieden, dass sie um den Aufstieg spielt und auch nach oben gehen würde. Und dass sie auch den Frust ertragen würde, in der Bundesliga vielleicht abgeschossen zu werden. Wichtig ist, dass wir uns sportlich qualifizieren. Sollten wir nur aufsteigen dürfen, weil sich ein Erstligist zurückzieht, dann hätte ich damit ein Problem.
Marktheidenfeld II steigt höchstwahrscheinlich in die 3. Liga auf, Ihre dritte Mannschaft drängt in die Bayernliga, die 4. Etage. Wohin soll das führen?
Das ist das Ergebnis von jahrelanger Jugend- und Aufbauarbeit. Wir wollen dorthin, dass alle unsere Talente in passenden Ligen spielen.

Wie kann das funktionieren?
Entweder mit drei Mannschaften in Liga 1, 2 und 3. Oder in Liga 2, 3 und 4. Wir haben viele junge Spieler, die sich ständig verbessern und nach oben drängen. Zum Beispiel Steffen und Jonas Grün. Sie haben in dieser Saison schon in die Erste reingeschnuppert und gut gespielt.

Ihr Sohn Michael ist 35, hat
seine internationale Karriere beendet und spielt aber in Saarbrücken weiter erfolgreich
Bundesliga. Wie stehen die Chancen, dass er im Herbst seiner Karriere zum TVM zurückkehrt?

Das ist ein Thema, wir haben darüber gesprochen. Er ist ja eigentlich noch TVM-Mitglied, sehr präsent, kommt zu Spielen, leitet mal ein Training, wenn er zuhause ist. Zu welchem Zeitpunkt er vielleicht wieder in Markt-
heidenfeld spielt, ist völlig offen. Das muss Michael selbst entscheiden.

Hängt Michaels Entscheidung davon ab, in welcher Liga der TVM künftig vertreten ist?
Ja, aber auch davon, wie Bischmisheim plant und welche Ambitionen er selbst hat. Für uns wäre es natürlich ein totaler Glücksfall, wenn er wieder in Marktheidenfeld spielt und seine Erfahrung weitergibt.
Burkard Nadler

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